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LIAS Kolloquium: ‘Forward Ever, Backward Never‘: Ghana’s Triangular Scientific-Technical And Material Entanglements In The Cold War

Justyna Aniceta Turkowska, LIAS Fellow

28. Okt.

In diesem Wintersemester 2026/27 öffnet das LIAS-Kolloquium erstmals seine Türen für die Hochschulöffentlichkeit. Die Fellows stellen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor und geben Einblicke in Fragestellungen, Methoden und Perspektiven ihrer Arbeit. Das wöchentliche Kolloquium bietet Raum für konzentrierten Austausch über die vielfältigen Forschungsvorhaben am LIAS. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, das Programm und die Projekte der Fellows kennenzulernen.

Datum: Mittwoch, 28. Okt 2026, 12.15–13.45 Uhr
Ort: Campus | Zentralgebäude C40.530

Ende der 1950er- und Anfang der 1960er-Jahre, als afrikanische Länder schrittweise ihre Unabhängigkeit erlangten und kleinere osteuropäische Länder nach größerer Autonomie gegenüber der Sowjetunion strebten, wurden die Befreiung von jeglicher Form imperialer Ausbeutung und wissenschaftliche Modernität für beide Regionen zu zentralen Anliegen. In diesem Kontext betrachtete Ghana, wie viele andere afrikanische Staaten auch, Wissenschaft und Bildung als entscheidende Triebkräfte für Entwicklung, staatliche Aufbauprojekte und internationale Anerkennung.
Der Vortrag beleuchtet zunächst die häufig übersehenen Impulse der Wissensproduktion, die politische Grenzen überschritten. Dabei wird deutlich, wie tief sogenannte sozialistische Expertise im Westen verwurzelt war – stärker, als es sich sowohl ghanaische als auch osteuropäische Akteur*innen eingestehen wollten – und wie diese Austauschprozesse auch das westliche Denken prägten. Im zweiten Teil richtet sich der Blick auf die materielle Dimension dieser Wissensströme, denn jedes Kooperationsprojekt und jede wissenschaftliche Partnerschaft beruhte auf spezifischen Werkzeugen und praktischem Know-how. Diese materiellen Elemente prägten den Charakter der Zusammenarbeit. Sie bildeten ein dichtes Geflecht materieller Bezugnahmen und persönlicher Beziehungen, das globale Verbindungen ermöglichte und ortsunabhängige Machtansprüche hervorbrachte, die nicht immer mit der angestrebten „sozialistischen Moderne“ oder wissenschaftlichen Unabhängigkeit übereinstimmten. Die Auseinandersetzung mit den internen Dynamiken und Praktiken von Menschen, Wissen und Objekten, die sich im Ost-West-Süd-Gefüge des Kalten Krieges bewegten, ermöglicht es, Kategorien wie „westliches“, „osteuropäisches“ oder „afrikanisch-postkoloniales“ Wissen zu überwinden. Dadurch wird einerseits die komplexe, netzwerkartige Struktur des Transfers von Wissen und Objekten über politische Grenzen hinweg sichtbar, andererseits die Bedeutung der Bewegung von Objekten für die Entstehung von Verbindlichkeiten und globalen Beziehungsgefügen.

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