LIAS Kolloquium: Urban Futures In The South
Ranabir Samaddar, LIAS Senior Fellow
18. Nov.
In diesem Wintersemester 2026/27 öffnet das LIAS-Kolloquium erstmals seine Türen für die Hochschulöffentlichkeit. Die Fellows stellen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor und geben Einblicke in Fragestellungen, Methoden und Perspektiven ihrer Arbeit. Das wöchentliche Kolloquium bietet Raum für konzentrierten Austausch über die vielfältigen Forschungsvorhaben am LIAS. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, das Programm und die Projekte der Fellows kennenzulernen.
Datum: Mittwoch, 18. Nov 2026, 12.15–13.45 Uhr
Location: Campus | Zentralgebäude C40.530
Die Vorstellung einer urbanen Zukunft regt dazu an, über Zeit nachzudenken. Zugleich führt sie zu Auseinandersetzungen darüber, wie sich eine wünschenswerte Zukunft gemeinsam entwerfen und gestalten lässt. Die Idee einer urbanen Zukunft bedeutet deshalb weder, die Zukunft vorhersagen oder in den Griff bekommen zu wollen, noch, angesichts der kommenden Zeit zu verzweifeln. Vielmehr eröffnet sie einen wesentlichen Zugang zum Verständnis dafür, wie unsere Städte bestehen, sich entfalten, Schwierigkeiten überwinden, Bruchlinien aushandeln und mitunter zugrunde gehen. Sie verweist nicht nur auf Ungewissheit, sondern ermöglicht auch eine kritische Reflexion über Zeitlichkeit. Daraus folgt, dass es für unsere Städte nicht nur eine einzige vorgegebene Zukunft geben kann, sondern vielfältige Zukünfte. Wir warten nicht auf die Zukunft, sondern gestalten sie in der Gegenwart. Zukunft wird damit zu mehr als einer zeitlichen Frage: Sie wird zur Praxis. Die unterschiedlichen Praktiken, mit denen Zukunft geschaffen wird, bilden folglich ein umkämpftes Feld mit vielfältigen Dimensionen. Dies gilt insbesondere für die Städte des globalen Südens mit ihren kolonialen Geschichten, ihren unterschiedlichen Wegen der Dekolonisierung, den darauf folgenden Entwicklungen sowie neuen logistischen und ökologischen Schnittstellen.
Die Vorstellung einer urbanen Zukunft regt dazu an, über Praktiken der Zukunftsgestaltung in Städten nachzudenken. Dazu gehören literarische, künstlerische und kulturelle Vorstellungen einer wünschenswerten Stadt; die politische Geschichte subalterner Klassen und ihre Forderungen nach einer »menschlichen« und »gerechten« Stadt; die Geschichte öffentlicher Katastrophen, darunter klimatische und epidemiologische Katastrophen, sowie die Rolle urbaner Solidarität, die auf gegenseitiger Fürsorge und Schutz beruht, bei der Bewältigung solcher Ereignisse – und dabei, der Stadt ein neues Kapitel zu eröffnen. Hinzu kommen planerische und administrative Zukunftsvorstellungen, die mit zwischenstaatlicher Hilfe, Investitionen und öffentlich-privaten Partnerschaften verbunden sind; Geflüchtete, Migrant*innen und andere Menschen, die der Stadt einen pluralen und kosmopolitischen Charakter verleihen, sowie der Konflikt zwischen einer nativistischen und einer pluralen, kosmopolitischen Zukunft. Schließlich geht es um die Herausbildung einer »urbanen Ökonomie« anstelle einer »industriellen Ökonomie« und um die Rolle informeller Wirtschaft und öffentlicher Finanzen.