LIAS Kolloquium: The Archival Gap: Methodological Reflections On Leftist Women’s Internationalism During The Cold War
Kirsten Kamphuis, LIAS Fellow
16. Dez.
In diesem Wintersemester 2026/27 öffnet das LIAS-Kolloquium erstmals seine Türen für die Hochschulöffentlichkeit. Die Fellows stellen ihre aktuellen Forschungsprojekte vor und geben Einblicke in Fragestellungen, Methoden und Perspektiven ihrer Arbeit. Das wöchentliche Kolloquium bietet Raum für konzentrierten Austausch über die vielfältigen Forschungsvorhaben am LIAS. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, das Programm und die Projekte der Fellows kennenzulernen.
Datum: Mittwoch, 16. Dez 2026, 12.15–13.45 Uhr
Ort: Campus | Zentralgebäude C40.530
Im November 1960 trafen zwei Delegierte der indonesischen linken Frauenorganisation Gerwani (Gerakan Wanita Indonesia, Indonesische Frauenbewegung) im eisigen Ost-Berlin ein. Marwani Pardede und Mastiti Soeprapto gehörten beide zu den führenden Persönlichkeiten von Gerwani. Sie waren aus Südostasien angereist, um am siebten Kongress des Demokratischer Frauenbund Deutschland (DFD) teilzunehmen, der Massenorganisation für Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik. In meinem Vortrag dient diese Begegnung zwischen ostdeutschen und indonesischen linken Frauenaktivistinnen als Ausgangspunkt für methodologische Überlegungen zu einem transnationalen Ansatz in der Erforschung des linken Frauenaktivismus während des Kalten Krieges.
Im Mittelpunkt stehen insbesondere die Herausforderungen, die sich aus der Verfügbarkeit und Zugänglichkeit von Quellen zum DFD und zu Gerwani ergeben. Für den DFD sind umfangreiche Quellenbestände im Bundesarchiv sowie in verschiedenen Bibliothekssammlungen in Deutschland verfügbar. Bei Gerwani stellt sich die Situation völlig anders dar. Die indonesische linke Bewegung wurde im Zuge eines Militärputsches in den Jahren 1965–1966 gewaltsam zerschlagen. Während der landesweiten Welle antikommunistischer Gewalt gingen zahlreiche historische Zeugnisse verloren. Dadurch besteht ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen den beiden Quellenbeständen – sowohl hinsichtlich des Umfangs des verfügbaren historischen Materials als auch hinsichtlich der Quellentypen.
In meinem Vortrag frage ich, welche methodischen Ansätze der Geschlechtergeschichte geeignet sind, mit solchen Ungleichgewichten umzugehen, wenn Interaktionen zwischen Aktivist*innen des globalen Nordens und Südens untersucht werden.