Elisabeth Schoppelrei
Fellow 2026/27
Elizabeth Schoppelrei forscht zu globalen Queer- und Trans* Kulturen und verbindet dabei Literatur-, Medien- und Kulturstudien mit Ansätzen aus queerer Theorie, Transstudien, Schwarzem Feminismus und Environmental Humanities. Their Profil zeichnet sich durch die Analyse von Texten, Bildern und Medien aus, die queere und trans* Leben sichtbar machen, historische und gegenwärtige Gemeinschaften verbinden und so neue Formen von Solidarität und Zugehörigkeit eröffnen. Zudem thematisiert their Forschung die politische Bedeutung von queeren und trans* Medien in Zeiten von Faschismus, Autoritarismus und sozialen Gegenströmungen. Durch den Vergleich historischer Kontexte, wie der Weimarer Republik, mit aktuellen Konflikten in Europa und den USA, illustriert they, wie kulturelles Schaffen sowohl Angriffen auf marginalisierte Gruppen ausgesetzt ist als auch Widerstand, Sichtbarkeit und kollektive Hoffnung ermöglicht. Mit einem interdisziplinären Ansatz trägt they zur Dekonstruktion normativer Erkenntnismöglichkeiten bei und entwickelt neue Perspektiven zur Rolle von Literatur und Medien in der Ausbildung transtemporaler, transnationaler und mehr-als-menschlicher Gemeinschaften.
Forschungsskizze
Speculative Formations: Trans and Queer Communities in the Long Twentieth Century
In ihrem Roman Der Skorpion von 1919 zeigt Anna Weirauch die wachsende Liebe und Anziehung zwischen Olga und Mette auf. In diesem lesbischen Roman, der bis weit in die 1930er-Jahre von deutschen queeren Magazinen beworben wurde, beneidet Olga schaffende Menschen, da sie denen »die nach uns geboren werden […] einen Gruß zuwinken« können. Und weiter: »Und wenn sie bei ihren Lebzeiten niemand gefunden haben, so wird vielleicht in hundert Jahren einer geboren, oder in zweihundert, der sie liebt, so wie sie geliebt sein wollten. Der sie versteht, so wie sie verstanden sein wollten.« Olga spricht von einer Art der Liebe und Fürsorge, die nicht einseitig ist, sondern Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft durchkreuzt.
Diese transtemporalen Lieben werden durch Texte und kreatives Schaffen übermittelt. Solche Arbeiten sind damit Grundlage von Anerkennung, für die Ausbildung queerer/trans Verbindungen und spekulativer Gemeinschaften, die sich um Bedingungen und gemeinsame queere/trans Erfahrungen formieren. Dass jedoch jemand eine andere Person anerkennt und in einem oder zwei Jahrhunderten versteht, setzt Lesbarkeit voraus – häufig vermittelt durch Taxonomien von Identität und Geschichten des sexologischen Denkens. In meinem Projekt befasse ich mich mit spekulativen Gemeinschaftsausbildungen als Stätten der (Nicht-)Zugehörigkeit. Mein Ziel ist die Entwicklung eines Verständnisses von queeren/trans Gemeinschaften als textbasiert, spekulativ und, besonders wichtig, durch Mediendarstellung verhandelt.
Ausbildung
2023 PhD Comparative Literature and Women’s, Gender, & Sexuality Studies, The Pennsylvania State University, Pennsylvania, USA
2018 MA Comparative Literature, The Pennsylvania State University, Pennsylvania, USA
2016 BA Spanisch, Wright State University, Fairborn, Ohio, USA
Jüngste wissenschaftliche Position
Mellon Postdoctoral Fellow, The Society for the Humanities and Department of German Studies, Cornell University
Jüngste Veröffentlichungen
»Speculative Formations: Trans Poetry, Taxonomies, and Communities in the Lesbian Magazine Die Freundin (1924–1933)«, in: C. Ewing und S. Tremblay (Hg.), Reading Queer Media in the German Speaking World, New York, Palgrave Macmillan, 2025.
»It’s not a Universe: Kinships, Bodies, and Ecologies in the Speculative«, in: A. Sathi und A. Ferrebe (Hg.), Queer Kinship and Comparative Literature. Palgrave Studies in Mediating Kinship, Representation, and Difference, Cham, Palgrave Macmillan, 2024.
»99 Years Ago, a Queer/Trans Magazine Was Born – Nine Years Later, Fascism Killed It«, Autostraddle, 4. August 2023.