Ini Dele-Adedeji
Fellow 2026/27
Der Forschungsschwerpunkt von Ini Dele-Adedeji liegt an der Schnittstelle von sozialen Bewegungen, politischer Gewalt und Transitional Justice. Konzepte wie das »nackte Leben« (Giorgio Agamben) und »Nekropolitik« (Achille Mbembe) dienen dazu, die prekäre Existenz von Individuen in Lagern, Gefängnissen und Zwischenräumen staatlicher Kontrolle auf einen Begriff zu bringen. Dele-Adedeji ergänzt diese Analysen durch seine Untersuchung von Stillschweigen und zum Schweigen bringen als historische Konstanten in Nigerias politischer Kultur, und zeigt damit die Ambivalenz zwischen dem vereinheitlichten staatlichen Narrativ und marginalisierten Stimmen auf. Die Gegenüberstellung von lokalen Praktiken in Nord-Nigeria und afrikanischen sowie globalen Kontexten beleuchtet die sozialen Verhandlungen, die in Prozessen von Aussöhnung und Gerechtigkeit wirken. Damit problematisiert er nicht nur allgemein verbreitete Modelle von Gesetz und Aussöhnung und trägt damit zur globalen Geschichte von Debatten zu Transitional Justice bei, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Frage, wie sich nachhaltige Friedensordnungen in pluralistischen Gesellschaften entwickeln können.
Forschungsskizze
Transitional Justice and Post-Conflict Reconciliation in Northern Nigeria: Community-Driven Approaches for Sustainable Peace
Im Rahmen meiner Forschung untersuche ich gemeinschaftlich gesteuerte Transitional Justice in Nord-Nigeria, mit einem Schwerpunkt darauf, wie eingegrenzte Transitional Justice-Strukturen nachhaltigen Frieden und Resilienz in Postkonflikt-Gesellschaften fördern können. Der Boko Haram-Aufstand hat tiefe soziopolitische Brüche im nördlichen Nigeria hinterlassen und Ansätze notwendig gemacht, die in Einklang mit dem kulturellen Kontext betroffener Gemeinschaften stehen. Traditionelle Modelle von Transitional Justice, oft gerichtlich oder gerichtsähnlich, haben die Effizienz im Rahmen von Strukturen an der Basis eingeschränkt, dort, wo sich sozio-ökonomische Herausforderungen mit kulturell verwurzelten Justizkonzepten überschneiden. Für meine Untersuchung, die auf interdisziplinäre Ansätze aus Anthropologie, Soziologie und Politikwissenschaften zurückgreift, werde ich unter anderem vergleichende Analysen durchführen und mir Felddaten aus Nord-Nigeria und anderen Kontexten, wie Kenia, zunutze machen, um die Einbeziehung von Jugend und Gender innerhalb der Mechanismen von Transitional Justice zu
untersuchen. Die theoretische Grundlage meiner Forschung sind kritische und dekolonialistische Rahmenstrukturen, mit deren Hilfe ich bewerte, wie Modelle von Transitional Justice an die einzigartigen soziopolitischen Dynamiken in Nigeria angepasst werden müssen. Mein Ziel ist es, mit dieser Recherche politische Empfehlungen zu entwickeln und umsetzbare Erkenntnisse zu kulturell sensiblen Praktiken von Transitional Justice bieten zu können, die anhaltenden Frieden in der Region des Tschadseebeckens und darüber hinaus fördern könnten.
Ausbildung
2018 PhD Politics and International Studies, School of Oriental and African Studies, Universität London (SOAS), Großbritannien
2011 MA Security and Intelligence Studies, Universität Buckingham, Großbritannien
2009 BA Recht (LL.B.), Universität Buckingham, Großbritannien
Jüngste wissenschaftliche Position
Postdoctoral Research Associate, Universität Durham, Großbritannien
Jüngste Veröffentlichungen
mit A. Virk und E.-U. Nelson, »The Challenge of Youth Unemployment in Nigeria«, in: Journal of International and Comparative Social Policy 39, 3 (2024), S. 319–329.
mit P. M. Frowd und E. Apard, »Quasilegality and Migrant Smuggling in Northern Niger«, in: Trends in Organized Crime 26, 4 (2023), S. 379–396.
mit L. Ireland und G. Klantschnig, »Resolving Friction in the Tramadol Economy in Nigeria«, in: Drugs, Habits and Social Policy 24, 4 (2023), S. 310–319.