Justyna Aniceta Turkowska

Fellow 2026/27

Justyna Aniceta Turkowska verbindet Wissensgeschichte mit postkolonialen und transnationalen Themen. In ihrer Arbeit untersucht sie, wie Expertise in verschiedenen historischen Kontexten – von der Biopolitik des 19. bis zu technischen Hilfsprogrammen des 20. Jahrhunderts – dazu beiträgt, soziale Ordnungen und politische Beziehungen zu formen. Durch die Verbindung geopolitischer Interessen mit alltäglichen Interaktionen zeigt Turkowskas Ansatz auf, dass globale Ordnungen nicht nur in politischen Zentren verhandelt wurden, sondern auch in den materiellen und sozialen Räumen von Expert*innen. Durch die Verstrickung lokaler Praktiken mit globalen Prozessen zeigt sie die Dynamiken auf, die neue Wissensordnungen, Machtkonstellationen und soziale Sensibilitäten in Europa und Afrika hervorbrachten. Sie liefert damit eine Neubewertung östlich-südlicher Abhängigkeiten während des Kalten Krieges, in denen technisches Wissen als Medium politischer Positionierung und sozialer Transformation vorausgesetzt wird.

Forschunksskizze

Brokers of Change: Geological Experts in West Africa and Mapping the Postcolonial Order in the 1960s–1970s

Mein Projekt widmet sich einer verstrickten globalen Geschichte politischer und wissenschaftlicher Beziehungen zwischen dem Globalen Norden und dem Globalen Süden durch eine Analyse der Kontakte und Kämpfe zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Akteur*innen aus dem nordamerikanischen, (ost-)europäischen und west-afrikanischen Kontext. Durch eine Thematisierung der neuerlichen Verräumlichung postkolonialer Relationalität, wie sie vor Ort gedacht und umgesetzt wird, und durch die gleichzeitige Auseinandersetzung mit dem Aufkommen neuer politischer und sozialer Sensibilitäten in diesem Kontext, zeigt es auf, welche neuen Räume von Handlungsmacht und Orte von Miteinander durch eine geopolitische Kooperation während des Kalten Krieges eröffnet wurden, angesichts der Tatsache, dass die kritischste Frage im Prozess der Entkolonialisierung lautete: Welche global und industriell relevanten natürlichen Rohstoffe der Länder in Sub-Sahara-Afrika sind förderbar, und wer könnte wie von ihrem Abbau profitieren? In diesem Kontext wurde das politisch stark umkämpfte Ghana zum Zentrum geologischer Untersuchungen und zu einem Mekka technischer Unterstützung für verschiedene Akteur*innen und Interessen. Durch einen Schwerpunkt auf einer Kartierung von Ghana in einem Verhandeln von ghanaischen und internationalen Geolog*innen, untersucht mein Projekt, wie die Verbindung zwischen Rohstoffen und Macht materialisiert wurde, welches gemeinsame Weltverständnis in diesem Prozess geschaffen wurde und wie geologisch geschaffene neue internationale Relationalität die politische und soziale Transformation Ghanas und seiner (ost-)europäischen Partner beeinflusst hat.

Ausbildung

2016 PhD in Geschichte, Justus-Liebig-Universität Giessen, Deutschland
2007 MA in Geschichte, Leibniz Universität Hannover, Deutschland
2005 MA in Politikwissenschaft, Universität Warschau, Polen

Jüngste wissenschaftliche Position

Dozentin für Global- und Verflechtungsgeschichte, Universität Bielefeld, Deutschland

Jüngste Veröffentlichungen

»Ghana’s Path to Scientific Powerhouse Africa’s: Eastern European Experts and the Reconfiguration of Knowledge in the Context of the Cold War«, in: Daniele Cozzoli (Hg.), The Sputnik Effect in Global Perspective: Competition, Collaboration, and the Circulation of Knowledge, London, Palgrave Macmillan, erscheint in Kürze.
»Reordering of Space and References: Polish Geologists in West Africa and Their Mapping of the Postcolonial Order in the 1960s«, in: Marcus Colla und Paul Betts (Hg.), Rethinking Socialist Space in the Twentieth Century, Cham, Palgrave Macmillan, 2024, S. 135–158.
Der kranke Rand des Reiches: Sozialhygiene und nationale Räume in der Provinz Posen um 1900, Marburg, Verlag Herder-Institut, 2020.