Maddalena Fragnito

Fellow 2026/27

Maddalena Fragnito ist Kultur- und Medientheoretikerin und forscht an der Schnittstelle von feministischer Theorie, postkolonialen Studien und politischer Ökologie. Sie untersucht die Nähe zwischen Gewalt und sozialer Reproduktion unter Anerkennung der Krise von Betreuungsarbeit und Umweltzerstörung als zentrale Stellen aktueller Konflikte. In ihrer Arbeit verbinden sich politische Theorie und feministische Epistemologie mit partizipatorischer Forschung und künstlerischen Praktiken, oft in Einklang mit nicht-institutionellen Kontexten. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Frage, wie Betreuungsarbeit und reproduktive Aktivitäten unter kapitalistischen, patriarchalen und kolonialen Bedingungen entwertet und unsichtbar gemacht, gleichzeitig aber von autoritären Regimen aufgegriffen werden. Innerhalb dieser Spannung analysiert und inszeniert sie Praktiken von Ungehorsam bei Betreuungsarbeit, Bildung und Kultur, um die Ausbildung alternativer und widerstandsfähiger Infrastrukturen zu fördern. Sie trug zu kollaborativen Plattformen wie Pirate Care und dem Institute of Radical Imagination bei, kollektiven Räumen zur Entwicklung von Vokabular und Praktiken, die neue politische Vorstellungswelten aus feministischer und antikolonialer Perspektive generieren.

Forschungsskizze

Luxury Bunker Theory: The Militarization of Social Reproduction and Other Supremacist Fantasies

Durch die Linse des aufkommenden Phänomens von Luxusbunkern untersuche ich, wie wirtschaftliche, politische und kulturelle Systeme Körper und Territorien zunehmend entbehrlich machen, um das »gute Leben« weniger Privilegierter zu sichern. Durch die Ablenkung des Blickes von der globalen Mehrheit zu den wenigen Privilegierten – und die Priorisierung ihrer drängenden Frage, wer sich nach dem »Ende der Welt« kümmern wird, enthüllt die Luxury Bunker Theory, wie eskapistische Fantasien der Mega-Reichen globale Ungleichheiten vertiefen und Betreuung als Ort der Kontrolle neu konfigurieren. Das Projekt, das in feministischen und antirassistischen Perspektiven wurzelt, untersucht, wie die Visionen von Überleben der Mega-Reichen zwei kritische Dynamiken prägen: das Wiederaufflackern sozioökologischen reproduktiven Raubbaus und die Militarisierung von Leben und sozial-reproduktiven Infrastrukturen. Durch kritischen Diskurs und visuelle Analyse untersucht mein Projekt, wie solche Fantasien öffentliche Vorstellungen von Krise definieren und elitäre Monopolbildung stärken. Ich hinterfrage, wie Sprache und Bildmaterial apokalyptische Szenarien konstruieren, die infrastrukturelle Techno-Einhegungen durch neue Betreuungshierarchien legitimieren.
Innerhalb dieser befestigten Enklaven regulieren wirtschaftlicher Status, ethnische Zugehörigkeit und die Versicherung von »Virilität« den Zugang zu Ressourcen, die wesentlich für das kollektive Überleben sind. Kontextuell werden Luxusbunker nicht nur als architektonische Strukturen analysiert, sondern als materielle und ideologische Prototypen für ausschließende Kontrolle. Sie fungieren als kulturelle Objekte, die für überkreuzende Ungleichheiten von Klasse, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit stehen, während sie Fantasien von Autarkie, dominanter Männlichkeit und technokratischer Kontrolle aufrechterhalten.

Ausbildung

2024 PhD in Media and Gender Studies, Centre for Postdigital Cultures, Universität Coventry, Coventry, Großbritannien
2019 Aufbaukurs in Kritischer Theorie, Universität Bicocca, Mailand, Italien
2004 BA/MA in Darstellender Kunst, Kunstakademie Brera, Mailand, Italien

Jüngste wissenschaftliche Position

Koordinatorin des Kunstmoduls der Master-Programms Gender Studies an der Universität Roma Tre

Jüngste Veröffentlichungen

Scuola senza fine. L’esperienza delle 150 ore femministe [Schule ohne Ende. Die Erfahrung der 150 feministischen Stunden], Bologna, DeriveApprodi, erscheint in Kürze.
»Care Necropolitics: And How to Dismantle the Master’s House«, in: Nina Lykke, Tara Mehrabi und Marietta Radomska (Hg.), International Handbook of Queer Death Studies, London, Routledge, 2025.
mit Chiara Luce Breccia, Brunella Casalini, Federica Giardini, Melania Moltelo und Cristina Morini. Prospettive della cura: Politiche e critiche femministe tra cura e riproduzione sociale [Perspektiven der Pflege: Feministische Politik und Kritik zwischen Pflege und sozialer Reproduktion], Rom, Manifesto Libri, 2025.