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Natascha Zaun

Faculty Fellow 2026/27

Natascha Zaun forscht und lehrt zu europäischer und internationaler Public Policy mit einem besonderen Schwerpunkt auf Asyl- und Migrationspolitik. Sie verbindet politikwissenschaftliche und rechtliche Perspektiven auf die Entstehung, Umsetzung und Veränderung migrationspolitischer Entscheidungen. Im Zentrum ihrer Forschung stehen die politischen und institutionellen Bedingungen von Flüchtlingsschutz und Migration. Dabei interessiert sie sich unter anderem dafür, wie Populismus, wissenschaftliche Evidenz und unabhängige Gerichte migrationspolitische Entscheidungen beeinflussen und welche Rolle nationale sowie internationale Institutionen bei der Ausgestaltung von Asylpolitik spielen. Zu ihren Forschungsgebieten gehören die europäische Asylpolitik, internationale Kooperation und die Reform des globalen Flüchtlingsregimes.

Projektskizze

The Institutionalization of Judicial Independence and its Influence on Refugee Recognition: Studying the Cases of Poland and Austria

Mein Projekt untersucht, wie die Institutionalisierung richterlicher Unabhängigkeit die Anerkennung des Flüchtlingsstatus in Polen und Österreich beeinflusst. Die bisherige Forschung zeigt, dass eine ablehnende öffentliche Meinung gegenüber Einwanderung mit einer geringeren Anerkennung verbunden ist. Dies wird teilweise damit erklärt, dass politische Entscheidungsträger*innen unter Druck setzen können, um Responsivität gegenüber den Wähler*innen zu demonstrieren. Gerichte können als nicht-majoritäre Institutionen einen Schutz der Flüchtlingsrechte gewährleisten, indem sie Rechtsnormen unabhängig von öffentlicher Meinung und Wahlpräferenzen anwenden. Diese Schutzfunktion kann jedoch geschwächt werden, wenn die richterliche Unabhängigkeit selbst unter politischen Druck gerät. Das Projekt fragt daher, wie Veränderungen richterlicher Unabhängigkeit die Entscheidungen von Gerichten und Asylverwaltungen beeinflussen und durch welche Mechanismen sie die Anerkennung des Flüchtlingsstatus prägt.
Eine quantitative Analyse der EU-28 hat gezeigt, dass Staaten mit unabhängigeren Gerichten höhere Anerkennungsquoten aufweisen. Auch Asylverwaltungen in politischen Systemen mit einer unabhängigen Justiz treffen tendenziell liberalere Entscheidungen als Verwaltungen, die einer weniger unabhängigen Justiz gegenüberstehen. Mein Forschungsprojekt geht über diesen statistischen Zusammenhang hinaus, indem es die zugrunde liegenden Kausalmechanismen durch eine vergleichende qualitative Analyse Polens und Österreichs untersucht. Beide Fälle sind besonders geeignet, da Migration dort Gegenstand erheblicher politischer Auseinandersetzungen war, während sich die Entwicklungspfade richterlicher Unabhängigkeit deutlich unterscheiden.
Bei meiner Untersuchung von Rechts- und Politikdokumenten, gerichtlichen Entscheidungen, Experteninterviews, Berichten von Nichtregierungsorganisationen, Presseberichten und Sekundärdaten steht die Frage im Zentrum, wie Akteure reagieren, wenn demokratische Responsivität mit Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz individueller Rechte in Konflikt gerät. Folgen Richter*innen und Beschäftigte der Asylverwaltung einer Logik der Angemessenheit, in der richterliche Unabhängigkeit als konstitutive Norm verinnerlicht ist, oder einer Logik der Konsequenzialität, in der Unabhängigkeit als äußere Handlungsbeschränkung verstanden wird?
Durch die Rekonstruktion dieser Prozesse soll das Projekt klären, unter welchen institutionellen und politischen Bedingungen richterliche Unabhängigkeit den Flüchtlingsschutz stärkt. Es leistet damit einen Beitrag zur Forschung über Asylsteuerung, Gerichte in der Migrationspolitik und richterliche Unabhängigkeit, indem es institutionellen Wandel mit alltäglichen Entscheidungspraktiken von Richterinnen und Richtern sowie Verwaltungsakteuren verbindet.

Ausbildung

2015 PhD Sozialwissenschaften, Universität Bremen/Bremen International Graduate School of Social Sciences, Bremen
2010 MA Politikwissenschaft, Völkerrecht und Romanistik, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
2007 BA (Licence) Franco-German Cultural Relations, Université de Paris III – Sorbonne Nouvelle

Jüngste Akademische Position

Professorin für Politikwissenschaft, insbesondere Public Policy und Recht, Leuphana Universität Lüneburg

Jüngste Veröffentlichungen

»Externally driven integration in EU migration policy: enabling integration through indifference, undermining it through conflictive politicisation«, in: Journal of European Public Policy 33, Nr. 8 (2026), S. 2256–2283.
mit Miriam Sorace, »Dimension-specific party and public opinion responsiveness in the EU immigration acquis«, in: West European Politics (2026), S. 1–29.
mit Martin Leroch und Eiko Thielemann, »Why courts are the life buoys of migrant rights: anti-immigrant pressure, variation in judicial independence, and asylum recognition rates«, Journal of European Public Policy (2024), 31(5), S. 1206–1230.

Konakt: