Leuphana Labs ©Leuphana, Anastasia Adasheva
Mittels Virtual Reality können Zukunftsszenarien simuliert werden wie beispielsweise eine Welt, in der das 1,5 Grad-Klimaziel nicht erreicht wurde.

Lab-Manager Dr. Meikel Soliman versteht die Leuphana Laboratories als „gemeinschaftliche Ressource“: „Forschende aller Fakultäten können in den ca. 15 Laborräumen im Zentralgebäude auf verschiedene Techniken und Methoden zugreifen.“ Mit der Mobilen Lösungswerkstatt etwa können Zukunftsszenarien simuliert werden wie beispielsweise eine Welt, in der das 1,5 Grad-Klimaziel nicht erreicht wurde. „Abstrakte Sachverhalte können damit greifbar und erlebbar gemacht werden. Teilnehmer*innen entwickeln und visualisieren dann untereinander im Austausch Lösungsmodelle“, erklärt Prof. Dr. David Loschelder, Professor für Wirtschafts- und Sozialpsychologie. Die Mobile Lösungswerkstatt wurde als Methode zur Entscheidungsfindung an der Fakultät Nachhaltigkeit von Dr. Heike Zimmermann und Prof. Dr. Daniel Lang entwickelt.

Wissenschaftler*innen der Fakultät Bildung um Prof. Sebastian Wallot nutzen beispielsweise das Eye-Tracking in der Leseforschung, mit dem das Blickverhalten analysiert werden kann. „Forschende können so messen, wie gut oder schlecht eine Person lesen kann und welche genauen Augenbewegungen dem zugrunde liegen“, erklärt David Loschelder. Die Methode spielt aber auch eine Rolle für Forschende im Marketing, die Konsumentscheidungen untersuchen möchten. Der Emotion FaceReader dagegen ist eine Software, die in der Lage ist, die Aktivierung der 20 menschlichen Gesichtsmuskeln zu erfassen und zu analysieren. Auch spontane und unbewusste emotionale Reaktionen werden vom Algorithmus gelesen und die Ergebnisse sind etwa für die Werbewirksamkeitsforschung interessant. Weitere methodische Angebote sind beispielsweise der Beobachtungsraum, mit dem Interaktionen zwischen Menschen analysiert werden können. Auch Virtual Reality ist verfügbar, mit der etwa reale Situationen in Klassenzimmern oder (Gehalts-)Verhandlungen simuliert und erfahrbar gemacht werden können.

Die Labore stehen grundsätzlich auch während der Corona-Pandemie offen. Meikel Soliman und David Loschelder haben zusammen mit Kolleg*innen aus verschiedenen Disziplinen und Fakultäten das methodische Angebot zusätzlich um virtuelle Möglichkeiten erweitert. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt „Onlineforschungskompetenzen stärken“ ist jetzt abgeschlossen. Interessierte finden auf den Seiten der Leuphana Laboratories beispielsweise eine Checkliste zur Online-Forschung oder eine Übersicht zu Online-Datenerhebungstools. Begleitende Videos erklären die Nutzung der Open-Source-Plattformen. Bisher waren die Angebote eher unübersichtlich und deren Nutzung nicht intuitiv. Auf der Homepage der Leuphana Laboratories finden Interessierte auch die Learning Corner von Studierenden für Studierende. „Es sind Erfahrungsberichte, Best-Practice-Beispiele und häufige Fehler bei der Online-Forschung hochgeladen“, sagt Meikel Soliman.

Die beteiligten Forscher*innen der Leuphana Laboratories wollen auch ein Zeichen für eine gute wissenschaftliche Praxis setzen. „Hintergrund ist die Replikationskrise in der Psychologie und in der Forschung insgesamt. Mehrere Studienergebnisse aus den 80er, 90er und 2000er Jahren lassen sich nicht ohne Weiteres replizieren“, erklärt David Loschelder. Grund kann beispielsweise das „Tricksen“ bei der statistischen Auswertung sein. „Wir stellen deshalb nicht nur unsere Daten online, sondern auch unsere Methoden und Hypothesen. So kann jede*r unsere Ergebnisse selbst überprüfen“, erklärt der Psychologe. Damit möchten sich die Leuphana Laboratories aktiv am „Open Science Movement“ beteiligen. Erklärungen und Videos rund um das „Open Science Movement“ sind auf den Webseiten der Leuphana Laboratories anzusehen.

Kontakt

  • Prof. Dr. David Loschelder
  • Dr. Meikel Soliman