LIAS Lecture: Die ästhetische Praxis der Technologie zwischen Kritik und Utopie
LIAS Lecture von Gertrud Koch
12.01.2026
Die LIAS Lecture von Gertrud Koch am 9. Dezember mit dem Titel „Die ästhetische Praxis der Technologie: Marcuse, Simondon und die Kunst der Technik“ widmete sich dem Verhältnis von Technologie, Ästhetik und Subjektivität im Kontext kritischer Theorie und Medienästhetik. Nach einer Einführung durch LIAS Co-Direktor Erich Hörl rekonstruierte Koch das theoretische Feld, in dem sich Ansätze Herbert Marcuses (1998-1979) und Gilbert Simondons (1924–1989) begegnen, und setzte diese in Beziehung zu Film, Kunst und soziopolitischen Fragen technologischer Entwicklung.
Sie warf vor allem die Frage der Autonomisierung technischer Prozesse und ihrer Auswirkungen auf Arbeit, Subjektkonstitution und ästhetische Erfahrung auf. Während Marcuse innerhalb marxistischer Paradigmen Technologie als Instrument der Herrschaft kritisiere, liest Koch Simondon stärker utopisch: Sein Denken betone relationale Prozesse, die kontinuierliche Neubildung des Subjekts vom Prä- zum Transindividuellen sowie die produktive Rolle technischer Objekte. Die Materialität der Ästhetik spiele dabei eine Schlüsselrolle.
Anhand filmischer Beispiele – u. a. Buster-Keaton-Filme, Spiel mir das Lied vom Tod (1968) und Breaking Bad (2008-2013) – wollte Koch zeigen, wie Filmtechnologien Wahrnehmung erweitern und zugleich ihre eigene Medialität reflektieren. Die Darstellung einer Fliege sowohl in Sergio Leones Film als auch in Vince Gilligans Fernsehserie fungiere als Marker technologischer Möglichkeiten und als Metaebene der Autorschaft. Film erscheine als ästhetische Praxis, die Mensch-Maschine-Beziehungen sichtbar mache.
In der Diskussion wurde die Frage vertieft, wann technische Objekte ästhetisch erfahren werden können und ob Kunst Probleme löst oder vielmehr neue Erfahrungsweisen eröffnet. Vor dem Hintergrund eines stabilen, profitorientierten Kapitalismus plädierte Koch für eine kritische, nicht-resignative Haltung, weil Ästhetik helfen könne, Technologie zu reflektieren, zu humanisieren und bestehende Strukturen zu hinterfragen.
Anfragen und Kontakt:
- Dr. Christine Kramer



