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»Blind Spots«: KI, digitale Ästhetik und die Grenzen algorithmischer Bilder

19.10.2026 Der Workshop »Blind Spots« von LIAS Senior Fellow Gertrud Koch (Freie Universität Berlin, Leuphana Universität Lüneburg) widmete sich der Frage, wie künstliche Intelligenz und algorithmische Bildproduktion unsere Wahrnehmung der Welt verändern. Vier Beiträge aus Kunst-, Film- und Medientheorie eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf digitale Ästhetik, technische Bildverfahren und die gesellschaftlichen Folgen generativer KI.

Eine Frau spricht an einem Tisch sitzend und hebt dabei die linke Hand ©LIAS Benjamin Krapf
LIAS Senior Fellow Gertrud Koch in ihrem Workshop "Blind Spots"
Ein junger Mann vor einer roten Wand spricht im Workshop "Blind Spots" ©LIAS/Benjamin Krapf
Barnabé Sauvage (CNRS, Paris) im Workshop "Blind Spots"
Zwei junge Frauen hören in einem Workshop zu ©LIAS/Benjamin Krapf
LIAS Fellows María Laura Mazzoni (li.) und Kirsten Kamphuis im Workshop "Blind Spots"

Katja Müller-Helle (Humboldt Universität Berlin) untersuchte in ihrem Beitrag »Unlearning Machine Learning« das kreative Potenzial von Störungen und Ungenauigkeiten. Anhand von Glitch-Art und generativen Bildverfahren zeigte sie, wie sich die Blackbox des maschinellen Lernens kritisch hinterfragen lässt. Rauschen kann dabei neue ästhetische Räume eröffnen und Künstler*innen ermöglichen, technische Systeme spielerisch zu nutzen und ihre Funktionsweisen sichtbar zu machen.

Christa Blümlinger (Université 8 des créations, Paris) richtete den Blick auf das Verhältnis von Film, algorithmischer Bildproduktion und dem Unsichtbaren. Ausgehend von der Filmgeschichte und dokumentarischen Verfahren wie etwa Boris Kaufmanns Les Halles (1927), untersuchte sie, wie technische Bilder Wirklichkeit strukturieren. Am Beispiel von Clemens von Wedemeyers Arbeit 70.001 zeigte sie, wie computergenerierte Darstellungen von Menschenmengen individuelle Geschichten und Unterschiede zugunsten schematischer Wiederholungen zurücktreten lassen. Der Beitrag machte deutlich, wie wichtig es ist, die blinden Flecken algorithmischer Sichtbarkeit zu erkennen.

Gertrud Koch fragte in ihrem Beitrag »When and What Is Digital Aesthetics?« nach den Bedingungen digitaler Ästhetik. Im Zentrum standen die Beziehungen zwischen Körper, Wahrnehmung und Technologie. An Beispielen aus Animation, Motion-Capture und multimedialer Kunst untersuchte sie, wie menschliche und technische Akteur*innen gemeinsam ästhetische Erfahrungen hervorbringen. Digitale Ästhetik eröffnet dabei neue Formen der Wahrnehmung und verändert das Verhältnis zwischen körperlicher Erfahrung und technischer Darstellung.

Barnabé Sauvage (CNRS, Paris) analysierte mit dem Projekt »Holy Slop« KI-generierte Propagandabilder im Kontext kolonialer Bildtraditionen und politischer Fantasien. Am Beispiel von Darstellungen eines touristisch umgestalteten Gaza-Streifens zeigte er, wie generative Bilder bestehende Machtverhältnisse und ideologische Vorstellungen reproduzieren und verstärken können. Die Installation verknüpft Kunstgeschichte, Medientheorie und KI-Kritik und macht die politischen Dimensionen algorithmischer Bildproduktion sichtbar.

Der Workshop knüpfte an das Forschungsprogramm des LIAS an, indem er die Wechselwirkungen zwischen technologischen Entwicklungen, kulturellen Praktiken und gesellschaftlichen Ordnungen untersuchte. Die Beiträge machten deutlich, dass KI und algorithmische Bildproduktion Fragen aufwerfen, die die die Bedingungen von Wissen und Wahrnehmung ebenso betreffen wie die Darstellung von Körpern, Gemeinschaften und politischen Wirklichkeiten. Die kunst-, film- und medientheoretischen Perspektiven eröffneten dabei einen interdisziplinären Zugang zu den kulturellen Voraussetzungen und gesellschaftlichen Folgen digitaler Technologien. Zugleich zeigte der Austausch, wie unterschiedliche Forschungsansätze dazu beitragen können, die blinden Flecken algorithmischer Systeme zu untersuchen und ihre Bedeutung für gegenwärtige Formen der Wissensproduktion und Weltdeutung zu bestimmen.

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