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LIAS Filmreihe: Framing Agnes

21. Okt.

Dieser Film gehört zur LIAS-Filmreihe in Kooperation mit dem SCALA Programmkino. Jeden Monat werden internationale Filme zu kultur- und sozialkritischen Themen von Einführungen und Diskussionen begleitet.

Datum: Mittwoch, 14. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: SCALA Programmkino, Apothekenstraße 17, Lüneburg

Einführung: LIAS Fellow Liz Schoppelrei
Eintritt frei

Canada / USA , 2022 • Regie: Chase Joynt • 75 min • Englische Originalfassung

Chase Joynts Framing Agnes ist ein essayistischer Dokumentarfilm über die Bedingungen, unter denen trans Geschichte sichtbar wird. Ausgangspunkt sind die Forschungsakten der UCLA Gender Clinic, insbesondere die 1958 entstandene Fallstudie über Agnes, eine trans Frau, deren Geschichte lange als singuläres Beispiel der Transgeschichte galt. Erst die Wiederentdeckung weiterer Akten erweitert den historischen Horizont und zeigt auf: aus der vermeintlichen Ausnahmebiografie wird ein Ensemble von Lebensgeschichten, sozialen Beziehungen und Strategien des Umgangs mit medizinischen und gesellschaftlichen Institutionen. 

Joynt interessiert sich dabei mehr für die Herstellung eines Bezugs als die Rekonstruktion einer vermeintlich authentischen Vergangenheit. Dies gelingt ihm, indem er Archivmaterial, wissenschaftliche Einordnung, Interviews und inszenierte Gesprächssituationen zu einer Form jenseits eindeutiger Gattungszuordnungen zusammenführt. Rahmenhandlung ist dabei eine fiktive Fernsehsendung, in der trans Schauspieler*innen historische Interviews nachstellen. Die Darsteller*innen reflektieren zugleich ihre eigene Verkörperung der Figuren. Das Re-Enactment wird damit zur Methode historischer Erkenntnis und vermeidet die nachträgliche Bebilderung einer bereits feststehenden Geschichte. Dieser Ansatz macht die Lücken, Vermittlungen und Machtverhältnisse sichtbar, die jede Darstellung des Archivs prägen. 

Joynts Strategie richtet sich auch gegen zwei etablierte Rahmungen von trans Geschichte: die Pathologisierung durch medizinische Diskurse und die Sensationalisierung durch mediale Repräsentationsformen. Zugleich korrigiert der Film die Erzählung von trans Geschichte als Geschichte isolierter Einzelpersonen. Die neu erschlossenen Fälle verweisen auf soziale Welten, Beziehungen und Formen gegenseitiger Unterstützung, die in medizinischen und medialen Archiven häufig unsichtbar bleiben. 

In Framing Agnes übernehmen ein queerer Cast und eine queere Crew nicht nur die Darstellung, sondern auch die Arbeit an der historischen Erzählung. Die Perspektive auf das Archiv bleibt dadurch situiert und wird als gemeinschaftlicher Prozess kenntlich. Joynt tritt als Regisseur und Gesprächsführer selbst in Erscheinung. Die Inszenierung legt offen, dass historische Vermittlung immer auch eine Frage der Gegenwart ist: Wer spricht, wer wird repräsentiert, und welche Formen des Wissens werden durch die jeweilige Darstellung erzeugt? 

Framing Agnes  wurde beim Sundance Film Festival 2022 uraufgeführt, wo Joynt im NEXT-Programm sowohl den Publikumspreis als auch den Innovator Prize erhielt. 

Anfragen und Kontakt: