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LIAS Filmreihe Brown Girl Begins

04. Nov.

Wie sieht die Zukunft aus, wenn sie nicht von Technologie, sondern von Erinnerung, spirituellem Wissen und kultureller Überlieferung geprägt wird? Sharon Lewis’ »Brown Girl Begins« verbindet Afrofuturismus, karibische Folklore und Dystopie zu einer ungewöhnlichen Erzählung über Herkunft, Selbstbestimmung und die Frage, wer die Zukunft gestalten darf.

Zeit: Mittwoch, 4. November 2026, 19.30 Uhr 
Ort: SCALA Programmkino, Apothekenstraße 17, Lüneburg
Enführung: LIAS Alumna Verena Adamik, Universität Potsdam 

2049: Toronto ist zu einer Stadt der Reichen geworden. Die übrige Bevölkerung lebt, von Ressourcen und politischer Teilhabe ausgeschlossen, auf einer verlassenen Insel vor der Küste. Auf »The Burn« hält sich eine karibisch geprägte Gemeinschaft mit Landwirtschaft, Recycling und Tauschhandel über Wasser. Ihre eigentliche Ressource aber ist ein anderes Wissen: über Heilpflanzen, Rituale und die Geisterwelt.

Im Zentrum von Sharon Lewis’ »Brown Girl Begins« steht die 19-jährige Ti-Jeanne, die in diese Tradition hineinwächst und zugleich versucht, sich ihr zu entziehen. Als ihre Großmutter Mami sie darauf vorbereitet, das Amt der Priesterin zu übernehmen, wehrt sie sich gegen eine Rolle, die mit dem traumatischen Tod ihrer Mutter verbunden ist. Erst als Gewalt und Ausbeutung die Gemeinschaft bedrohen, muss Ti-Jeanne sich ihrer Herkunft und ihren eigenen übernatürlichen Fähigkeiten stellen.

Der 2017 erschienene Film verbindet Dystopie und Coming-of-Age-Erzählung mit karibischer Folklore und Afrofuturismus. Anders als viele populäre Zukunftserzählungen entwirft »Brown Girl Begins«, der auf Nalo Hopkinsons Roman »Brown in the Ring«basiert, keine technologisch glänzende Zukunft, sondern eine Welt, in der kulturelle Überlieferung, spirituelles Wissen und gemeinschaftliche Praxis zu Mitteln des Überlebens werden. Die Zukunft erscheint damit nicht als Bruch mit der Vergangenheit, sondern als Raum, in dem verdrängte oder marginalisierte Wissensformen fortbestehen und neue Bedeutung gewinnen.

Afrofuturismus versteht der Film daher als Möglichkeit, darüber nachzudenken, wer in Vorstellungen von Zukunft auftritt, welches Wissen als zukunftsfähig gilt und wer die Deutungshoheit über gesellschaftliche Entwicklung besitzt. Lewis verbindet diese Fragen mit einer spezifisch karibischen Perspektive. Die Geisterfiguren, die Sprache und die spirituellen Praktiken der Gemeinschaft prägen ihre soziale Ordnung und ihre Vorstellungen von Identität, Erinnerung und Verantwortung.

Mit begrenzten filmischen Mitteln entwickelt Lewis eine bewusst eigenwillige Ästhetik zwischen Performance, Mythos und Science-Fiction. Die nichtlineare Erzählweise spiegelt Ti-Jeannes Auseinandersetzung mit Verlust und Herkunft; zugleich übersetzt der Film eine mündlich und rituell geprägte Tradition in eine visuelle Form und reflektiert die Wege, wie kulturelles Wissen über Medien, Generationen und Zeiten hinweg weitergegeben und verändert wird.

Im Mittelpunkt steht schließlich eine junge Frau, die nicht einfach eine vorgegebene Tradition übernimmt, sondern ihren eigenen Zugang zu ihr finden muss. Ti-Jeannes Weg führt von der Angst vor dem Erbe ihrer Mutter zu einer Vorstellung von Zukunft, in der Herkunft und Selbstbestimmung keine Gegensätze bilden. »Brown Girl Begins« erzählt damit von einer Zukunft, in der die Frage, wer wir gewesen sind, untrennbar mit der Frage verbunden bleibt, wer wir werden können.

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