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Ceren Özselçuk

©Julia Knop
Ceren Özselçuk, LIAS Fellow 2026/27

Senior Fellow 2026/27

Ceren Özselçuks Arbeit konzentriert sich auf die politische Ökonomie von Kapital, Psychoanalyse und Subjektivität, auf vielfältige und gemeinschaftsbasierte Ökonomien und auf Populismen. Während ihres PhD-Studiums befasste sie sich mit kollaborativer Forschung zur Marxschen Klassenanalyse, vielfalts- und gemeinschaftsorientierten Ökonomien sowie freudo-lacanschen Ansätzen zur wirtschaftlichen Subjektivität. In den letzten zwei Jahrzehnten entwickelte sie diese Arbeit zusammen mit Yahya Madra weiter, mit Schwerpunkt auf die libidinösen Ökonomien des Kapitals und post-kapitalistische Ausformungen. Ihre gemeinsame Arbeit erscheint in Kürze in der Buchpublikation Sexuating Class. Seit ihrer Rückkehr in die Türkei 2009 arbeitet sie mit Bülent Küçük zum Verhältnis von Staat und kurdischer politischer Bewegung, vor allem im Hinblick auf die umstrittenen gesellschaftlichen Forderungen nach gleichen Bürgerrechten, demokratischer Autonomie und Frieden in der Türkei. Jüngst führte sie mit Maliha Safri vergleichende Forschungen zur Koexistenz in der Türkei und Kenia anhand des Konzepts der Öko-Kommune durch.

Sie ist Mitherausgeberin und Chefredakteurin von Rethinking Marxism sowie langjähriges Mitglied des Community Economies Research Network.

Forschungsskizze

Co-existence in the Forms of the Commune: Diverse Economies of Subjectivity and Property in the Kurdish Regions and Nashulai Maasai

Mein Forschungsprojekt am LIAS zielt auf eine vergleichende Analyse zweier gemeinschaftsbasierter Ökonomien in von Kurd*innen bewohnten Regionen (Türkei) und Nashulai Maasai (Kenia). Methodologisch beruht sie auf der performativen Forschungstradition der Diverse Economies und der Community Economies, um unter Einbezug archivarischen, libidinösen und ethnografischen Analysematerials neue Wissensgemeinschaften zu etablieren. Den Begriff der Kommune als Einstiegskonzept nutzend, distanziere ich mich von einer Sichtweise, die diese als Relikt der Vergangenheit oder als episodische Aufstandsbewegung betrachtet.

Ziel ist die Untersuchung von Formen der Kommune, um die sich unterschiedliche Eigentumsordnungen, Methoden gemeinschaftlicher Aneignung und Praktiken der menschlichen und mehr als menschlichen Beziehungen herum organisieren. Obwohl beide Orte in Strukturen von Nationalstaaten und Hauptstädten eingebettet sind, die auf Mikro- und Makroebene grundlegende gesellschaftliche und wirtschaftliche Unterschiede aufweisen – wie postkoloniale versus dekoloniale historische Erinnerungen und institutionelle Strukturierung, populistisch-autoritäre Regime, das Zusammenspiel von Tribalismus und traditioneller Lebensgrundlage mit der Moderne, kommunalpolitische und kulturelle Organisationen, geschlechtsspezifische soziale Rollen in Bezug auf Reproduktion sowie staatlich vermittelte globale und lokale Interaktion – ist das Konzept der Kommune ein gemeinsamer Bezugspunkt. Es steht für eine Vision gesellschaftlichen Wandels, die alltägliche Praktiken ökologischer Gemeinschaften und die Forderung nach Anerkennung von Autonomie prägt. Vor allem lässt sich durch das Konzept der Kommune die Entstehung kollektiver Subjektivität untersuchen, sowie die Frage, welche grundlegende Rolle sie in mehr als nur kapitalistischen Gesellschaften spielt.

Ausbildung

2009 PhD Economics, University of Massachusetts Amherst 
2000 MA Economics, University of Massachusetts Amherst
1996 BA Business Administration and Economics,Boğaziçi Universität, Istanbul, Türkei

 

Jüngste wissenschaftliche Position

Außerordentliche Professorin am Institut für Soziologie, Boğaziçi-Universität, Istanbul, Türkei

Jüngste Veröffentlichungen

mit Bülent Küçük, »Beyond Rupture and Integration: Decolonial Recognition in the Kurdish Struggle«, in: New Perspectives on Turkey (2026), S. 1–21.
mit Yahya M. Madra, »Le discours capitaliste: la valeur de la force de travail dans les liens sociaux«, in: Actuel Marx 77 (2025), S. 96–123.