Kirsten Kamphuis

Fellow 2026/27

Kirsten Kamphuis‘ Forschungsschwerpunkt ist die moderne Geschichte von Indonesien und die Geschichte von sozialen Bewegungen, Gender, Kolonialismus und Entkolonialisierung. Sie arbeitet dabei zwischen Europa und Südost-Asien und zeigt auf, wie transnationale Netzwerke und lokale Akteur*innen die politischen und sozialen Dynamiken des 19. und 20. Jahrhunderts geprägt haben. Ihr besonderes Interesse gilt dabei den Themen Bildung, geschlechtsspezifische Printkulturen und der Handlungsmacht von Frauen in sozialen Strukturen, die von kolonialer Herrschaft, Religion und gesellschaftlichen Hierarchien bestimmt sind. Ihre Arbeit zur Bildung von Mädchen und jungen Frauen in Niederländisch-Ostindien eröffnet neue Perspektiven zu Schnittpunkten von Geschlechterrolle, Religion und Bildung. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur globalen, eng verwobenen Geschlechtergeschichte und zur Neubewertung der Rolle von Frauen in sozialen Bewegungen. Ihr Ansatz zeichnet sich durch methodologische Vielfalt aus und durch die Verbindung postkolonialer Theorien mit Archivarbeit, bei der sie eine sensible Interpretation von Quellen »gegen den Strich« kultiviert hat. Sie ist Mitglied der Redaktion des Yearbook of Women’s History.

Forschungsskizze

Networks of Solidarity beyond the Wall: The Demokratischer Frauenbund Deutschlands and Leftist Women’s Internationalism (1950s–1960s)

Im Rahmen meines Forschungsprojektes untersuche und analysiere ich das internationale Netzwerk Demokratischer Frauenbund Deutschlands (DFD), die offizielle Massenorganisation von Frauen in der Deutschen Demokratischen Republik in den 1950er- und 1960er-Jahren, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges. Obwohl es etliche Studien zur Geschichte des DFD gab, legten diese bislang nur wenig Augenmerk darauf, wie die Organisation mit Frauenbewegungen außerhalb der DDR agierte. Die Archive des DFD zeigen jedoch, dass sich ostdeutsche Frauen eingehend mit Frauengruppen aus sozialistischen wie nicht-sozialistischen Staaten auseinandersetzten. Dieses Projekt analysiert dieses Netzwerk linker Aktivistinnen auf der ganzen Welt durch die Linse von Solidarität, ein Konzept, das jüngst Debatten im Bereich von Gender- und Feminismusstudien ausgelöst hat.
Um einen umfassenden Eindruck der individuellen Verbindungen zwischen dem DFD und anderen Frauenorganisationen im Ausland zu erhalten, liegt mein Fokus zunächst auf den ostdeutschen Kontakten mit Gerwani, der kommunistischen Frauenbewegung Indonesiens. Kontakte zwischen deutschen und indonesischen linken Aktivist*innen lassen sich bis in die 1930er-Jahre zurückverfolgen und intensivierten sich nach dem Zweiten Weltkrieg. Ausgehend von dieser Fallstudie werde ich das umfassende internationale Netzwerk des DFD kartieren. Das Konzept der Solidarität wird helfen zu klären, wie und weshalb linke Frauen diese Netzwerke in einer Zeit weltweiter politischer Unruhen aufbauten und kann damit als Lektion für soziale Netzwerke dienen, die sich heute für Gerechtigkeit einsetzen.

Ausbildung

2019 PhD Geschichte und Zivilisation, Europäisches Hochschulinstitut, Fiesole, Italien
2015 MA Global and Colonial History, Universität Leiden, Niederlande
2013 BA Geschichte, Universität Groningen, Niederlande

Jüngste wissenschaftliche Position

Postdoc, Exzellenzcluster »Religion und Politik«, Universität Münster

Jüngste Veröffentlichungen

»Building Alternative Archives: A Reappraisal of Dwelling in the Archive by Antoinette Burton«, Women’s History Review 33, 1 (2024), S. 151–159.
mit Ron Brand, »Sisters at Sea: Travel Experiences of Missionary Sisters to the Dutch East Indies and Indonesia in the Nineteenth and Twentieth Centuries», International Journal of Maritime History 36, 2 (2024), S. 257–270.
mit Sandra Swart, u. a. (Hg.). Gender and Animals in History. Yearbook of Women’s History, Nr. 42. Amsterdam, Amsterdam University Press, 2024.