María Laura Mazzoni

Fellow 2026/27

María Laura Mazzoni leistet wertvolle Beiträge zu Geschlechtergeschichte, Rechtsgeschichte und Forschungen zu den sozialen Dynamiken des südamerikanischen Unabhängigkeitsprozesses. Die Dialektik von Kontrolle und Handlungsmacht bildet ein zentrales Leitmotiv ihrer Arbeit. Als Historikerin untersucht sie die Verflechtungen von Sozial-, Rechts- und Kulturgeschichte in Argentinien im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert. Ihre Arbeit ist besonders von ihrer Analyse kirchlicher Institutionen, deren Vertretern und Rolle in der gesellschaftlichen Ordnung gekennzeichnet. Ein wiederkehrendes Thema ist die Funktion von Kirchenrecht im Kontext kolonialer Strukturen und in den Aufständen der Unabhängigkeitsbewegung. Sie zeigt auf, wie kirchliche Gerichtsverfahren soziale Hierarchien reproduzierten – zwischen Männern und Frauen, aber auch zwischen Gesellschaftsklassen – jedoch auch Handlungsmöglichkeiten untergeordneter Akteur*innen, besonders Frauen aus ländlichen oder indigenen Kontexten, boten.
Zudem verortet Mazzoni ihre Recherche in einem größeren transatlantischen Kontext. Sie analysiert die Verbindung von Entwicklungen in der Río de la Plata- Region mit politischen und sozialen Unruhen in anderen Atlantikgebieten und kombiniert mikro-historische Rekonstruktionen mit makro-historischen Fragen zur Ausbildung von Gesetzeskulturen, Geschlechterordnungen und sozialen Praktiken im Übergang von kolonialer Herrschaft zur Republik.

Forschungsskizze

Women Before the Law: Matrimonial Causes in the Ecclesiastical Court of Dioceses of Cordoba, Río de la Plata in Times of Reform and Revolution

Mein Projekt analysiert Fälle von sevicia [übermäßiger Grausamkeit] gegen und malostratamientos [Misshandlung] von Frauen, die zwischen den 1770er-Jahren und den 1850er-Jahren am bischöflichen Gericht der Diözese von Córdoba del Tucumán in Río de la Plata vorgebracht wurden. Ziel ist das Aufzeigen von Kontinuitätslinien und Veränderungen in den Strategien der Frauen vor kirchlichen Gerichten, die Gerechtigkeit forderten und die Misshandlung durch ihre Ehemänner anzeigten. In der Diözese von Córdoba del Tucumán, der ältesten in dem Gebiet, das seit 1776 das Vizekönigreich von Río de la Plata war, hörten Kirchenrichter Fälle wegen sevicia und malostratamientos, die Frauen vor dem bischöflichen Gericht gegen ihre Männer vorbrachten. In den meisten Fällen förderten religiöse Justiz, kanonisches Recht und gerichtliche Vertreter die Festigung und Fortsetzung eines patriarchalen sozialen Systems, basierend auf der Institution Ehe. Die meisten Entscheidungen in Scheidungsfällen verstärkten und bewahrten diese Strukturen also. Der Schwerpunkt meines Projektes liegt auf weiblicher Handlungsmacht und den Strategien, die Frauen vor den Gerichten anwandten, um der Gewalt zuhause zu entgehen. Frauen schienen sich an diese Institutionen zu wenden, obwohl sie sich der eingeschränkten Resonanz und Empathie ihrer Anfragen bewusst waren, und nutzten sämtliche verfügbaren rechtlichen Ressourcen.

Ausbildung

2013 PhD Geschichte, National University of the Center of the State of Buenos Aires (UNICEN), Tandil, Argentinien
2010 MA Geschichte, National University of Mar del Plata (UNMDP), Argentinien
2008 BA Geschichte, National University of Mar del Plata (UNMDP), Argentinien

Jüngste wissenschaftliche Position

Assistenzprofessorin an der National University of Mar del Plata (UNMdP), Argentinien

Jüngste Veröffentlichungen

»Territorialización y dimensión relacional en la visita canónica a la diócesis del Tucumán durante el gobierno de Ángel Mariano Moscoso« [Territorialisierung und relationale Dimension beim kanonischen Besuch der Diözese Tucumán während der Amtszeit von Ángel Mariano Moscoso], in: Alejandro Morea und María Laura Mazzoni (Hg.), El siglo XIX argentino: un laboratorio de experimentación política [Das 19. Jahrhundert in Argentinien: ein Laboratorium für politische Experimente], Mar del Plata, Eudem, 2023.
»¿Tienen utilidad las humanidades digitales en el estudio de la dinámica y agentes religiosos?« [Sind digitale Geisteswissenschaften für die Untersuchung religiöser Dynamiken und Akteure nützlich?], in: Valentina Ayrolo, María Elena Barral und Guillermo Wilde (Hg.), Catolicismos de la colonia a la república: nuevas miradas desde el Sur [Katholizismus von der Kolonialzeit bis zur Republik: neue Perspektiven aus dem Süden], Rosario, Prohistoria Ediciones, 2023.
»Causas matrimoniales en la justicia civil de Córdoba en la primera mitad del siglo XIX« [Ehesachen vor den Zivilgerichten von Córdoba in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts], Revista Electrónica Instituto de Investigaciones Jurídicas y Sociales Ambrosio L. Gioja [Elektronische Zeitschrift des Instituts für Rechts- und Sozialforschung Ambrosio L. Gioja] 34 (2025), S. 257–279.