Vera-Simone Schulz

Faculty Fellow 2026/27

Vera-Simone Schulz ist Junior Professorin für Transkulturelle Kunstgeschichte an der Leuphana Universität Lüneburg. Sie arbeitet an den Schnittstellen afrikanischer, islamischer und europäischer Kunstgeschichte sowie der kritischen Museologie und den Environmental Humanities. Aktuelle Forschungsprojekte beinhalten u.a. Epistemologien der Konvivialität, Temporalitäten und Ästhetiken der gebauten Umwelt im Horn von Afrika und darüber hinaus (mit Förderung der VolkswagenStiftung) sowie Material Migrations, ein von der Gerda Henkel Stiftung gefördertes Projekt zur Mobilität materieller Kultur in afro-eurasischen Kontexten. Sie ist Co-Leiterin und Co-Gründerin einer Arbeitsgruppe zu Pflanzen in Afrika und planetarischen Verflechtungen sowie Co-Leiterin und Co-Gründerin von Planetary Patchwork. In diesen und weiteren Projekten arbeitet sie auch zu möglichen Allianzen zwischen wissenschaftlicher und künstlerischer Forschung und dabei häufig in Kollaborationen mit zeitgenössischen Künstler*innen. Sie ist akademische Koordinatorin von Black Archive Alliance als Mitglied des Recovery Plan, forscht zu Fragen der Kanonkritik, präkolonialen, kolonialen und postkolonialen Verschränkungen sowie zu transkulturellen Dynamiken jenseits von Konzeptionen von Zentrum und Peripherie und zu hemisphärenübergreifenden Epistemologien.

Forschungsskizze

East Africa’s Elsewheres – Archipelagic Thinking and Transcultural Art Histories

Die ostafrikanische Küste wird seit Langem als ein Raum von Begegnungen zwischen Menschen sowie visuellen und materiellen Kulturen des afrikanischen Kontinents und anderer Weltregionen verstanden. Aufbauend auf der transkulturellen Kunstgeschichte, der kritischen Kulturerbe- und kritischen Museologie-Forschung, der Archäologie, Literaturwissenschaft sowie den Environmental Humanities untersucht dieses Projekt gebaute Umwelt, Architektur und visuelle Kulturen jenseits binärer Konstruktionen wie Zentrum/Peripherie und global/lokal. Während sich die Forschung häufig auf Netzwerke im Indischen Ozean konzentriert hat, erweitert das Projekt diese Perspektive um Transferdynamiken über das Rote Meer und den indo-mediterranen Raum sowie über den afrikanischen Kontinent hinweg. Im Fokus stehen Prozesse ästhetischer Aushandlung, epistemischen Widerstands, räumlicher Imagination sowie Verflechtungen zwischen präkolonialen, kolonialen und postkolonialen Kontexten. Das Projekt folgt Édouard Glissants Konzept des archipelagischen Denkens, das hier als dekolonialer methodischer Rahmen für eine transkulturelle Kunstgeschichte verstanden wird. 

Durch die Betonung von Mobilität, Relationalität und Zwischenräumen wird die ostafrikanische Küste als zentraler Ort betrachtet, um globale Kunstgeschichte durch eine multiperspektivische Weltbeziehung neu zu denken. Zugleich reflektiert das Projekt, wie transkulturelle Verbindungen auch imaginiert und angeeignet wurden und umstritten sind. Es fragt danach, wie die Kunstgeschichte zu Analysen der gebauten Umwelt und visuellen und materiellen Kultur entlang der ostafrikanischen Küste beitragen kann, und zeigt, wie Untersuchungen ostafrikanischer Kunst und Architektur einen wichtigen Beitrag zu gegenwärtigen Debatten der transkulturellen, globalen und planetaren Kunstgeschichte leisten können.

Ausbildung

2019 PhD Kunstgeschichte, Humboldt-Universität zu Berlin
2011 Magister Artium Kunstgeschichte, Philosophie und Russistik, Humboldt-Universität zu Berlin

Jüngste wissenschaftliche Position

Junior Professorin für Transkulturelle Kunstgeschichte, Leuphana Universität Lüneburg

Jüngste Veröffentlichungen

»Against the Mirror of the Familiar: Coastal East African Aesthetics and Epistemic Restitution«, in: Sarah Guérin / Cécile Fromont / Carlo Taviani (Hg.), Crossroads Africa, Cambridge, MA: Harvard University Press, erscheint 2026.
»The Restitution of Dignity: Photography, Resistance, and Her-Stories in Maaza Mengiste’s The Shadow King«, in: Philosophy of Photography 17, 1 (2026), S. 1–26.
»Ecologies of Recovery: Mónica de Miranda’s As If the World Had No West«, in: Art Review Oxford 12 (2025), S. 31–37.
»›Potentially the Pompeii of East Africa‹: Histories of Archaeology, Colonialism, and Tourism in Swahili Stone Towns in the Nineteenth and Twentieth Centuries«, in: History of Humanities 6, 2 (2021), S. 427–448.