Belen Prado ©Copyright: Christian Krug
DAAD-Stipendiatin Belen Prado promoviert am Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien zur Epistemologie künstlicher Intelligenzen.

Belen Prado zeigt, dass Künstliche Intelligenz beim E-Learning helfen kann. Mit ihrem Projekt „Philia“ gewann sie im Programmierwettbewerb „DigiEduHack 2020“ die Challenge „Learning with AI“. Der Wettbewerb wurde von der Europäischen Kommission zusammen mit mehreren akademischen Partnern ausgerichtet. Eingereicht werden konnten Ideen dazu, wie man Studierende beim E-Learning sowie in dessen Online-Umgebung unterstützen kann. Das Programm, das Prado schrieb, heißt „Philia“, von φιλία, dem altgriechischen Wort für Liebe. Es handelt sich hierbei um eine künstliche Intelligenz, die als Add-On zu jeder üblichen Lernplattform (Moodle, myStudy etc.) hinzufügbar ist.

Nachdem man sich in der Lernplattform eingeloggt hat, stellt Philia eine Frage (etwa „Wie fühlst Du Dich?“). Man kann antworten, was man möchte. Es kommt nicht auf den (semantischen) Inhalt dessen an, was man sagt, sondern ausschließlich auf die Stimme. Philia ist in der Lage, anhand des Sprachmusters zu erkennen, wie es der Nutzerin geht. Mittels einer wenn-dann-Verknüpfung vergleicht das Programm den Input mit einer Datenbank und schlägt der Nutzerin anschließend etwas vor. Erkennt Philia, dass man traurig, müde oder verwirrt ist, regt sie an, sich ein bestimmtes Video anzuschauen, einen Podcast zu hören oder den Link zu einem Vortrag anzuklicken. Wenn Nutzerinnen motiviert oder wohlgelaunt sind, verstärkt sie diese Stimmungen durch positives Feedback. Dabei garantiert ein Verschlüsselungs-Mechanismus, dass die von Philia ermittelten Werte ausschließlich für die Nutzerin einsehbar sind.

In das Projekt flossen ihre eigenen Erfahrungen als Lehrende ein: „Bei meinem Seminar im Sommersemester hatten ein paar meiner Studierenden hohe Fehlzeiten. Nach dem Semester schrieben sie mir, dass sie mein Seminar eigentlich sehr mochten und gerne häufiger erschienen wären, aber pandemiebedingt Probleme hätten. Mir wurde dann klar, dass bei E-Learning häufig die menschliche Seite der Kommunikation, besonders Emotionen und Feedback, zu kurz kommen. Hier fehlt etwas, nämlich Support für Studierende. Empirische Untersuchungen zeigen immer wieder, dass kognitive Leistung eng an Emotionen gekoppelt ist: Durch emphatisches Feedback begleitete Lernprozesse verlaufen sehr viel effektiver als solche ohne. Mit Philia möchte ich Studierende vor allen Dingen ermutigen.“

Belen Prado hat in Buenos Aires, Argentinien, Philosophie, Politikwissenschaften und Informatik studiert. 2019 kam sie mit einem DAAD-Stipendium an die Leuphana. Der Schwerpunkt ihrer Promotion zur Epistemologie künstlicher Intelligenzen liegt auf der Evolution von Machine Learning im Rahmen von Simondons Philosophie. Ihr Forschungsziel ist es, einen philosophischen Verständnisrahmen für künstliche Intelligenzen zu entwickeln.

Der Wettbewerb wird weiter fortgeführt. In der neuen Runde wird keine Jury entscheiden, die Abstimmung erfolgt stattdessen per Online-Voting.