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Dies academicus 2026: „Bewahren wir unsere Tugend, Spielräume zu erkennen“

13.07.2026 Mit dem dies academicus, dem Festtag der Universität, endet das akademische Jahr 2026. Beim Festakt im Libeskind Auditorium zeichnete die Fakultät Staatswissenschaften den ehemaligen Richter des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann-Riem, mit der Ehrendoktorwürde aus. Verschiedene Gruppen von Freund*innen und Förderern aus der Hansestadt Lüneburg und der Region wohnten dem Festakt bei. Das besondere Engagement Studierender wurde gewürdigt und Universitätsmitglieder für exzellente Forschungsleistungen, innovative Konzepte im Wissenstransfer ausgezeichnet.

©Brinkhoff/Mögenburg
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„Bewahren wir uns die Tugend, Spielräume zu erkennen“, mit diesem Appell schloss Präsident Sascha Spoun seine Festrede beim diesjährigen dies academicus im Zentralgebäude. Zuvor hatte er vor einer „versteckten institutionellen Depression“ an Hochschulen gewarnt und dafür plädiert, trotz Bürokratie, knapper Ressourcen und gesellschaftlicher Spannungen den Mut zum Handeln nicht zu verlieren. Dieser zukunftsbejahende Gedanke prägte den Abend, der zeigte, wie lebendig, vielfältig und engagiert die Hochschulgemeinschaft der Leuphana ist. Zahlreiche Leistungen wurden gewürdigt und Auszeichnungen verliehen. 

Lüneburgs Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch beschrieb den dies academicus als festen Bestandteil des öffentlichen Lebens der Hansestadt. „Er ist der Abend der Wissenschaft in unserer Stadt“, fasste sie zusammen. Sie betonte die enge Verbindung zwischen Stadt und Universität: „Kooperation ist die Basis einer funktionierenden Gesellschaft“, erklärte sie. 

Als Vorsitzender der Lüneburger Universitätsstiftung für Forschung und Wirtschaft stellte Michael Zeinert, IHK, die Rolle der Leuphana als Innovationsmotor für die Stadt und Region dar. Er erinnerte an den kürzlich verstorbenen Klaus-Peter Langlotz, dessen Engagement die heutige Stiftung entscheidend geprägt hat. „Die Leuphana ist ein Herzstück und ein kreativer Motor in unserer Stadt. Sie bringt frische Ideen, junge Perspektiven und kluge Köpfe nach Lüneburg“ so Zeinert. Zu deren Unterstützung leiste die Stiftung Beiträge zu Deutschlandstipendien, herausragenden Master-Arbeiten sowie Promotionen mit Regionalbezug und unterstütze den Transfer- und Impact-Award der Universität.

©Brinkhoff/Mögenburg
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Die beiden Asta-Sprecher Philipp Näser und Marc Schreiber betonten in ihrer in Englisch gehaltenen Rede die wichtige Rolle von Universitäten zur Stärkung der Demokratie: „Universities should play a central role within democracy and take a stand for democratic values.“ Die beiden Studierenden hoben den Wert des persönlichen Engagements heraus: „Change does not just happen. Change is made.“

Die Fakultät Staatswissenschaften ehrte den ehemaligen Richter des Bundesverfassungsgerichts Wolfgang Hoffmann-Riem: „Ich bin durch die heutigen Ehren in einen Kreis von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern einbezogen worden, deren Werte und Eigenschaften maßgebend sind. Auch ich schätze Erkenntnisdrang, Gerechtigkeit, gesellschaftliches Engagement, Neugier“, resümierte er.

Als Richter des Ersten Senats am Bundesverfassungsgericht (1999–2008) prägte Hoffmann-Riem zentrale Entscheidungen, insbesondere zu den Grundrechten in einer digitalen Gesellschaft. Darüber hinaus setzte er sich unter anderem als Justizsenator der Freien und Hansestadt Hamburg, als Direktor des Hans-Bredow-Instituts für Medienforschung und als Mitglied der Venedig-Kommission des Europarats für rechtsstaatliche Prinzipien und die Weiterentwicklung demokratischer Standards ein. Auch hinsichtlich der Weiterentwicklung des Jura-Studiums an der Leuphana gilt er als Impulsgeber. 

Die Auszeichnung für studentisches Engagement erhielten in diesem Jahr das autonome AStA-Referat Archipel in Kooperation mit dem Projekt Ment2Be. Die Initiativen setzen sich für mehr Teilhabe, Inklusion und gegenseitige Unterstützung von Studierenden mit Beeinträchtigungen ein – seien sie physischer oder psychischer Art.

©Brinkhoff/Mögenburg
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Einen besonders bewegenden Moment des Abends bildete die Ehrung der beiden Studentinnen Sarah Boenert (Major Lehren und Lernen) und Madelaine Stenger (Major Environmental and Sustainability Science), die für ihre Zivilcourage ausgezeichnet wurden. Mit ihrem schnellen und entschlossenen Handeln bei einem medizinischen Notfall retteten sie einem Dozenten das Leben.

An diesem Abend wurde zudem das Joachim-Herz-Promotionskolleg und dessen besondere Bedeutung für den wissenschaftlichen Nachwuchs vorgestellt: „Die Graduate School versteht die Promotion nicht nur als persönliche akademische Qualifikation, sondern unterstützt den Weg, drängende gesellschaftlich relevante Themen wissenschaftlich zu bearbeiten, um die Ergebnisse dann auch für und mit der Praxis wirksam werden zu lassen“, erklärte Vizepräsidentin Prof. Dr. Simone Abels

„Die große Resonanz auf die diesjährige Ausschreibung des Transfer & Impact Awards hat eindrucksvoll gezeigt, wie vielfältig, qualitativ hochkarätig und wirkungsvoll Transfer an der Leuphana gelebt wird“, fasste Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident für Entrepreneurship, Transfer und Internationalisierung, zusammen. Ausgezeichnet wurden Prof. Dr. Michael Gielnik und sein Team für das Projekt STEP – Student Training for Entrepreneurial Promotion, das Gründer*innen im Globalen Süden sehr erfolgreich fortbildet, sowie Prof. Dr. Jessica Süßenbach für das Kooperationsprojekt „Sport vernetzt Ganztagsgrundschule“, das wissenschaftliche Erkenntnisse mit Bewegungsförderung und Bildungsgerechtigkeit verbindet.

Prof. Dr. Roman Trötschel, Vizepräsident Forschung zeichnete drei leistungsstarke Wissenschaftler*innen aus. Mit Wissenschaftspreisen für Wissenschaftler*innen in der frühen Karrierephase wurden erstens ausgezeichnet: Prof. Dr. Ghada Bouattour für ihre exzellenten Arbeiten zu drahtlosen Sensorsystemen Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle von Mess- und Sensortechnik, Energieeffizienz und KI-gestützter Systementwicklung. Dabei verbindet sie ingenieurwissenschaftliche Grundlagenforschung mit einem klaren Blick auf konkrete gesellschaftliche und technologische Herausforderungen. Die zweite Würdigung ging an den Tierökologen Prof. Dr. Michael Staab für seine herausragende Forschung zu Rolle von Insekten in Ökosystemen geehrt. Er untersucht wie globale Umweltveränderungen biologische Vielfalt, Artengemeinschaften und ökologische Wechselwirkungen beeinflussen und verbindet dabei Tierökologie, Biodiversitätsforschung und die Analyse trophischer Netzwerke mit grundlegenden Fragen nach der Stabilität und Funktionsweise von Ökosystemen. Beide Wissenschaftler*innen haben Förderungen renommierter Einrichtungen in großem Umfang eingeworben, ihre Ergebnisse in herausragenden Publikationsorganen veröffentlicht und sind Teil internationaler Netzwerke in ihrer jeweiligen Wissenschaftsgemeinschaft. 

Prof. Dr. Vera Uppenkamp wurde als Dritte für herausragende Leistungen in der Gender- und Diversitätsforschung ausgezeichnet. In ihrer Forschung verbindet sie konzeptionelle und empirische Perspektiven und arbeitet an den Schnittstellen von inklusiver Religionspädagogik, Gender- und Queer-Theologie sowie Intersektionalitätsforschung. Mit ihren Arbeiten zur Auseinandersetzung mit Armutssensibilität, gendersensibler Bildung, queerer Theologie und Diversität in Lehr- und Lernprozessen hat sie wichtige Impulse für eine diskriminierungssensible Bildungsforschung gesetzt. Besonders hervorzuheben ist die Verbindung von wissenschaftlicher Exzellenz und gesellschaftlicher Relevanz.

©Brinkhoff/Mögenburg
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Der hauptberufliche Vizepräsident der Leuphana, Christian Brei, sprach über die Rolle der Bürokratie, die zwar oft als lähmend empfunden wird, aber eben auch einen verlässlichen rechtlichen Rahmen schaffe. „Man mag die Bürokratie kritisieren, wie man will. Aber sie garantiert mindestens drei Dinge: Rechtssicherheit, Planungssicherheit und Gerechtigkeit, also eine hinreichende Gleichbehandlung aller Beteiligten“, fasste er zusammen und pointierte: „Die so oft gewünschte Ausnahme ist – wenn es falsch läuft – eine Ungerechtigkeit.“

Musikalisch wurde der Abend vom Universitätsmusikzentrum gestaltet: Studierende präsentierten Kostproben aus dem Musical „Dear Evan Hansen“. Das Bühnenstück feiert am 21. Oktober im Zentralgebäude Premiere.

Großen Beifall erntete der Überraschungsgast, die Leuphana Dance Company mit ihrer Contempary-Darbietung. Sie ist Teil des Hochschulsports, der im November 2025 zum Hochschulsport des Jahres 2026 in ganz Deutschland gewählt wurde.