Lunatic: Festival Vibes und soziale Nachhaltigkeit

31.05.2022 Einen Unterschied zu machen ist dem studentischen Organisationsteam des diesjährigen Lunatic-Festivals besonders wichtig. Vom 3. bis zum 4. Juni findet das Event wieder auf dem Leuphana-Campus statt. Es wird nicht nur um Musik, sondern auch um Kunst, soziale- und ökologische Nachhaltigkeit gehen. Hanna Kunst und Hendrik Joachim vom Orga-Team berichten.

Eine Bühne auf dem Lunatic Festival ©Brinkhoff/Moegenburg
Am 3. Juni kann man mit den Studierenden beim einzigartigen, reflektierten und vielseitigen Lunatic-Festival auf dem Campus mitfreuen, -tanzen, -machen. (Foto: Lunatic)

„Ein Festival ist für mich ein Ort, an dem man Dinge entdeckt, die man gar nicht auf dem Schirm hatte“, sagt Hendrik. Überall auf dem Campus verteilte Bühnen sorgen für den „coolen Festival Vibe, den Walk von Location zu Location.“ Hanna ergänzt: „Wir fühlen unser Line-Up gerade selbst mega.“ Zu ihrer Begeisterung haben sie allen Grund. Denn neben Musiker*innen wie Alice Phoebe-Lou oder Bikini Beach, haben sie Podcast-Live-Aufführungen („Feuer und Brot“), gemeinsame künstlerischen Aktionen, vegane Food Trucks und vieles mehr anzubieten. Von herkömmlichen Festivals unterscheidet sich das Lunatic durch zweierlei: Durch Ihre Wertvorstellungen, festgeschrieben in einem „Code of Conduct“, die sie basisdemokratisch immer wieder diskutieren und umsetzen sowie durch die Einbettung ins Komplementärstudium der Leuphana. „Studentische Selbstorganisation - das ist eine Besonderheit“, freut sich Hanna: „Wann hat man schon mal die Chance im Unikontext ein Festival mit 3000 Besucher*innen zu organisieren? Also das ist einfach crazy.“

Das Komplementärstudium begleitet den Leuphana-Bachelor und ist der Teil des Stundenplans, den alle Bachelor-Student*innen der Leuphana gemeinsam durchlaufen. Einer fachlichen Einseitigkeit wird damit die Idee der Trans- und Interdisziplinarität entgegenstellt. Dass die zeitlichen Anforderungen des Festivals die eines herkömmlichen Seminars übersteigen, tut dem Enthusiasmus der Studierenden keinen Abbruch. Sie sind motiviert, sich in der arbeitsteiligen Struktur einzubringen. Hanna hat gelernt, worauf es bei Künstler*innenverträgen ankommt und Hendrik ergänzt: „Man kriegt nebenbei so viel mit, fast ohne, dass man das selbst merkt.“ Im Workflow lösen sich disziplinäre Grenzen auf, weil sich die behandelten konkreten Probleme eben auch nicht an disziplinäre Grenzen halten. In der Praxis können zum Beispiel Ku[ltur]Wis[senschaftler*innen] ebenso die Buchhaltung organisieren wie Student*innen der BWL zu ästhetischen Fragen beitragen können. Hanna glaubt, viele hätten den Eindruck, das Lunatic sei eine Sache der „Kuwi-Indi-UWI-Bubble“ und legt allen Student*innen ans Herz mitzumachen. „Im Grunde weiß man während der Arbeit nicht mehr, wer BWL-LI und wer KUWI“ ist, sagt Hendrik.

Das Engagement der Studierenden ist werteorientiert. Sie wollen etwas auf die Beine stellen und dabei Gutes tun. Den Young Culturemanager*innen ist es wichtig, dass das Festival von heute mehr als nur ein berühmtes Line-Up zu bieten hat. Die eingeladenen Künstler*innen müssen die gesellschaftliche Vielfalt widerspiegeln. Würde man bei der Auswahl nur auf die Nachfrage achten, wäre marginalisierte Kunst zwangsläufig unterrepräsentiert. Ein Line-Up würde funktionieren, aber keine Veränderung anstoßen. Deswegen war es dem Team wichtig, sich zum Beispiel mit dem Thema der kulturellen Aneignung auseinanderzusetzen. Künstler*innen, die sich über marginalisierte Kulturen erheben oder Widerstandssymbole zu Unterhaltungszwecken aus ihrem Kontext herausreißen, haben bei ihnen keinen Platz im Line-Up. Auch während des Festivals sorgen sie dafür, dass ein professionell geschultes Awareness-Team bei Grenzüberschreitungen Hilfe leistet. Beim roten Tiny-Haus (neben Gebäude 9) wird es einen „safer space“ geben. Dort können insbesondere diskriminierte und marginalisierte Personen Ruhe und Hilfe erwarten. Neben der sozialen- geht es auch um die ökologische Nachhaltigkeit. So wurde beispielsweise der berühmte Viva-Con-Agua-Sammeleimer auf dem Lunatic erfunden. Heute kennt jede*r Festivalgänger*in die blauen Eimer, in die man Pfandflaschen für einen guten Zweck wirft. Auf diese Weise hat sich das Lunatic in die Nachhaltigkeitsgeschichte der norddeutschen Festivals eingeschrieben.

Am 3. Juni kann man mit den Studierenden beim einzigartigen, reflektierten und vielseitigen Lunatic-Festival auf dem Campus mitfreuen, -tanzen, -machen.