Große Sprachmodelle im Fokus: Wendy Hui Kyong Chun spricht über die Bedeutung kritischer Theorie für KI
17.07.2026 Wie lassen sich große Sprachmodelle verstehen – und welche Rolle spielen die Geistes- und Sozialwissenschaften dabei? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die renommierte Medienwissenschaftlerin und Kommunikationsforscherin Prof. Wendy Hui Kyong Chun in ihrem Vortrag „Large Language Models and the Returns of Critical Theory“, zu dem das Centre for Digital Cultures (CDC) der Leuphana am 7. Juli einlud.
Künstliche Intelligenz wird häufig vor allem als technologische Herausforderung betrachtet. Debatten über menschliche Werte und Verantwortung werden dabei oftmals unter dem Schlagwort „Ethik und KI“ geführt – als etwas, das technischen Systemen nachträglich hinzugefügt werden müsse. Wendy Hui Kyong Chun stellt diese Perspektive infrage. Sie zeigt, warum geistes- und sozialwissenschaftliche Ansätze grundlegend für das Verständnis der Funktionsweise und des Erfolgs großer Sprachmodelle sind.
Ausgehend von den Verbindungen zwischen Verfahren des Natural Language Processing und sprachwissenschaftlichen Konzepten untersucht sie große Sprachmodelle als posthumane Schreibtechnologien. Dabei geht sie der Frage nach, wie Geistes- und Sozialwissenschaften enger mit der Informatik sowie den Natur- und Technikwissenschaften zusammenarbeiten können, um bestehende Modelle besser zu verstehen und neue, kreativere Formen von KI zu entwickeln.
Wendy Hui Kyong Chun ist Canada 150 Research Chair in New Media an der Simon Fraser University und Direktorin des Digital Democracies Institute. Nach ihrer wissenschaftlichen Ausbildung in Systems Design Engineering und Englischer Literatur entwickelte sie einen Forschungsansatz, der technische und kulturwissenschaftliche Perspektiven auf digitale Medien verbindet. Internationale Bekanntheit erlangte sie unter anderem durch ihre Bücher „Control and Freedom: Power and Paranoia in the Age of Fiber Optics“, „Programmed Visions: Software and Memory“, „Updating to Remain the Same: Habitual New Media“ und „Discriminating Data: Correlation, Neighborhoods, and the New Politics of Recognition“.
Fast zwei Jahrzehnte lang war sie Professorin und Chair des Department of Modern Culture and Media an der Brown University. Sie ist Fellow der Royal Society of Canada sowie International Fellow der British Academy und erhielt zahlreiche renommierte Forschungsstipendien, darunter am Institute for Advanced Study und am Radcliffe Institute for Advanced Study.
Mit der Leuphana verbindet Wendy Hui Kyong Chun eine langjährige Zusammenarbeit. Bereits als Gastprofessorin brachte sie ihre Forschungsperspektiven in die universitäre Gemeinschaft ein und diskutierte unter anderem die gesellschaftlichen Auswirkungen digitaler Technologien, Datenpraktiken und algorithmischer Systeme. Mit ihrem aktuellen Vortrag kehret sie nun an die Leuphana zurück, um eine der drängendsten Fragen der Gegenwart zu beleuchten: Wie können wir KI verstehen – und welche Erkenntnisse liefert die kritische Theorie für ihre zukünftige Entwicklung?
Über das Centre for Digital Cultures
Das Centre for Digital Cultures (CDC) befasst sich mit der Entstehung neuer und komplexer Qualitäten des sozio-technischen Lebens in Städten. Dazu gehört die Entwicklung weiterführender Theorien und innovativer Studienprogramme. Die Mitglieder beschäftigten sich mit der Frage, wie digitale Kulturen heute verstanden und gestaltet werden können.
Kontakt
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timon.beyes@leuphana.de
Dr. phil. Vera Tollmann
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