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Auszeichnung für besondere Zivilcourage: Lebensretterinnen geehrt

03.08.2026 Zum ersten Mal wurde beim diesjährigen dies academicus der Leuphana der Preis für besondere Zivilcourage vergeben. Ausgezeichnet wurden die Studentinnen Madelaine Stenger und Sarah Boenert. Sie retteten einem Dozenten mit ihrem schnellen Eingreifen das Leben. Für beide ist die Auszeichnung ein Aufruf, nicht wegzusehen.

©Brinkhoff/Moegenburg
Madelaine Stenger (rechts) und Sarah Boenert (links) auf dem dies academicus.

Das Semester hatte gerade erst begonnen. Plötzlich ging die Tür auf: „Es gibt einen medizinischen Notfall. Wer kann helfen?“ Sarah Boenert meldete sich sofort. Wenige Sekunden später kniete die Lehramtsstudentin neben einem regungslosen Dozenten. Kurz zuvor war er zusammengebrochen. Sie alarmierte den Rettungsdienst, wies andere Studierende an, Erste-Hilfe-Koffer und Defibrillator zu holen, und begann sofort mit der Versorgung des Patienten. „Ich funktionierte einfach“, erinnert sie sich. Ihr professionelles Handeln in diesem Moment war kein Zufall: Sarah Boenert engagiert sich seit vielen Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr Salzhausen, fährt bei Einsätzen mit und leitete die Kinderfeuerwehr. Außerdem hat sie vor ihrem Studium eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten absolviert. 

Nur wenige Augenblicke später traf Madelaine Stenger am Notfallort ein. Studierende waren in mehrere Räume gelaufen, um Hilfe zu holen: „Sie haben genau richtig gehandelt“, sagt die 24-Jährige. Sie kommt aus Schafflund, einem Dorf nahe der dänischen Grenze an der Ostsee: „Ich bin DLRG-Rettungsschwimmerin, Bootsführerin und ausgebildete Sanitäterin. Deswegen absolviere ich regelmäßig Rettungstrainings“, erklärt sie. 

Die beiden Studentinnen kannten sich bis dahin nicht. Trotzdem arbeiteten sie sofort Hand in Hand: Während Sarah Boenert zunächst die Herzdruckmassage übernahm, beatmete Madelaine Stenger den Patienten: „Wir haben uns einfach vertraut. Es war Glück, dass wir einander hatten.“ Für den Notarzt stand später fest: Die beiden Studentinnen haben dem jungen Familienvater mit ihrem schnellen Eingreifen das Leben gerettet. 

Für dieses außergewöhnliche Engagement wurden beide beim dies academicus geehrt. Präsident Sascha Spoun würdigte ihren Einsatz in seiner Festrede: „Sie haben im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten getan, was sie tun konnten, und es war genug, um ein Menschenleben zu retten. Sie haben sich nicht von der Hilflosigkeit lähmen lassen, sondern entschlossen gehandelt.“ 

Trotz der Ehrung bleiben die Studentinnen bescheiden. „Es war selbstverständlich, dass wir helfen. Wir hätten es auch ohne Dank getan“, sagen beide. Viele Menschen engagierten sich täglich für andere, ohne dafür ausgezeichnet zu werden. 

Wichtiger noch als der Preis selbst ist ihnen die Botschaft dahinter: „Wir möchten alle aufrufen, im Notfall zu handeln. Es ist immer besser zu reagieren, als nichts zu tun.“ Beide möchten ermutigen, Erste-Hilfe-Kurse zu besuchen und sich besser über die Erste-Hilfe-Versorgung vor Ort zu informieren. 

Ehrenamtliches und gesellschaftliches Engagement bleibt für beide Teil ihres Lebens. Sarah Boenert hat gerade ihren Bachelor abgeschlossen: „Ich freue mich auf mein Masterstudium und das Schulpraktikum.“ Auch Erste Hilfe soll auf dem Stundenplan stehen: „Kinder möchten helfen, ich zeige ihnen, wie sie in Notfällen ohne Angst reagieren können.“ 

Madelaine Stenger bereitet sich auf ihr Forschungspraktikum in Costa Rica vor. Sie studiert das Major-Programm Environmental and Sustainability Science und engagiert sich seit Studienstart, unter anderem beim Dachverband der Studierendeninitiativen (DSi), unterstützt im Team Akademische Veranstaltungen in verschiedenen Rollen, wie in den Awareness-Teams und inzwischen vor allem im zentralen studentischen Planungsteam. Zudem war sie studentische Dekanin an der Fakultät Nachhaltigkeit. 

Für beide beginnt gesellschaftlicher Zusammenhalt dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. Sie wünschen sich, dass bei einem nächsten Notfall wieder Menschen gemeinsam Zivilcourage zeigen und appellieren: „Wir müssen gut aufeinander aufpassen.“