Lüneburger Rechtsgespräche
In den Krisenlandschaften des 21. Jahrhunderts sehen sich Politik und Gesellschaft neuen Fragen und Herausforderungen ausgesetzt. Mit der Vortrags- und Diskussionsreihe „Lüneburger Rechtsgespräche“ eröffnet die Leuphana Law School einen akademischen Diskursraum, in dem diese Fragen und Herausforderungen gemeinsam mit ausgewiesenen Gästen aus rechtswissenschaftlicher Perspektive analysiert und diskutiert werden. Die Reihe findet über das gesamte akademische Jahr hinweg mit mehreren Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen statt.
Inhaltliche Leitung: Prof. Dr. Stefan Klingbeil, LL.M. (Yale)
DEINE EIZELLE, UNSER KIND? EIZELLSPENDE ZWISCHEN VERBOT UND REFORM
Prof. Dr. Dana-Sophia Valentiner
Professur für Öffentliches Recht insb. Öffentliches Wirtschaftsrecht und Recht der Transformation, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg
Die Eizellabgabe ist in Deutschland durch das Embryonenschutzgesetz verboten. Im Frühjahr 2026 kündigte die damalige Gesundheitsministerin Reformen an, vor allem für nach Social Freezing nicht mehr benötigte Eizellen. Andere Fallkonstellationen wie die ROPA-Methode („Shared IVF“), mit der queere Paare einen gemeinsamen Kinderwunsch verwirklichen, werden bislang kaum diskutiert. Der Vortrag beschäftigt sich mit den vielfältigen Zugangs-, Gleichheits- und Gerechtigkeitsfragen, die das Reformprojekt aufwirft.
DIENSTAG, 10. NOVEMBER 2026
18 UHR, C HS 3
WESSEN GERECHTIGKEIT? DAS VÖLKERSTRAFRECHT IN DER LEGITIMATIONSKRISE
Prof. Dr. Stefanie Bock
Professur für Strafrecht, Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht und Rechtsvergleichung, Philipps-Universität Marburg
Haftbefehl gegen Nethanjahu, Taliban-Führer wegen geschlechtsspezifischer Verfolgung angeklagt, ein Sondertribunal für Russland, Genozidverfahren gegen Israel vor dem IGH: Selten wurde so heftig über die Legitimität der internationalen (Straf-)Justiz gestritten – auch weil selbst der Westen völkerrechtliche Normen mal mit aller Härte durchsetzt, mal Verstöße weitgehend ignoriert und sich so dem Vorwurf der Doppelmoral aussetzt. Ist das Völkerstrafrecht Ausdruck universeller Gerechtigkeit oder eher Spiegel bestehender Macht-, Geschlechter- und postkolonialer Verhältnisse – und was ist eine internationale Entscheidung wert, die folgenlos bleibt? Der Vortrag geht diesen Fragen nach und lotet aus, was von dem Ideal einer globalen regelbasierten Ordnung übrig geblieben ist.
DIENSTAG, 15. DEZEMBER 2026
18 UHR, C HS 3
WEM GEHÖREN DIE STERNE?
Prof. Dr. Caroline Rapatz, MPhil. (Cantab.)
Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Europäisches und Internationales Privatrecht und Verfahrensrecht sowie Rechtsvergleichung, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Die Gewinnung wertvoller Rohstoffe im Weltraum rückt in greifbare Nähe – ein belastbares Privatrechtsregime ist dafür unerlässlich, fehlt aber bisher. Der Vortrag beleuchtet, welche Vorgaben das Völkerrecht für dingliche Rechte an Weltraumressourcen liefert und skizziert darauf aufbauend potentielle Ansätze für ein Weltraumsachenrecht im Internationalen Privatrecht und im materiellen Recht.
DIENSTAG, 26. JANUAR 2027
18 UHR, C HS 3
©Mario Wagner
UNBERÜHRT VON POLITIK? DAS ZIVILRECHT IM NATIONALSOZIALISMUS
Dr. Susanne K. Paas, LL.M. (Yale)
Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie, Frankfurt am Main
„Im Zivilrecht sind die Richter standhaft geblieben“. Diese Vorstellung hält sich bis heute hartnäckig. Der Vortrag setzt sich kritisch mit diesem Narrativ auseinander. Er zeigt, wie Wissenschaft und Praxis im Nationalsozialismus funktionierten und weshalb ein Blick auf die Jahre 1933 bis 1945 für das heutige Zivilrecht unverzichtbar ist.
DIENSTAG, 21. APRIL 2026
18 UHR, C HS 3
LEGAL TECH IN DER PRAXIS: ZUR TRANSFORMATION DES RECHTSMARKTS DURCH KI
Dr. Gerrit M. Beckhaus, LL.M. (Yale), EMBA
Partner bei Freshfields / Co-Head Freshfields Lab
Wie verändert Künstliche Intelligenz die juristische Praxis und den Rechtsmarkt? Im Gespräch mit Gerrit Beckhaus erörtern wir, wie digitale Technologien und Legal-Tech-Anwendungen bereits heute die Arbeitsweise von Kanzleien prägen und traditionelle Formen der Rechtsberatung herausfordern. Im Zentrum steht die Frage, welche strukturellen Verschiebungen damit verbunden sind und wie sich Rolle, Selbstverständnis und Verantwortung von Juristinnen und Juristen im Zuge dieser Entwicklung verändern.
DIENSTAG, 19. MAI 2025
18 Uhr, C HS 3
GIBT UND BRAUCHT ES EINE VERWALTUNGSRECHTSTHEORIE?
Prof. Dr. Patrick Hilbert
Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insb. Verwaltungsrecht
Direktor des Instituts für Umwelt- und Planungsrecht
Universität Münster
Die Verfassungstheorie ist als komplementäre Reflexionstheorie der Verfassungsdogmatik mittlerweile fest etabliert. Von Verwaltungsrechtstheorie ist hingegen so gut wie nie die Rede. Dieser Befund drängt zu der Frage, ob es eine eigenständige Verwaltungsrechtstheorie gibt und welche Leistungen sie erbringen kann. Diesen und den hiermit verbundenen Fragen geht der Vortrag nach.
DIENSTAG, 16. JUNI 2026
18 Uhr, C HS 3
©Mario Wagner
RECHTSKOMMUNIKATION IN ZEITEN DER POLARISIERUNG: Perspektiven aus Justiz, Ministerium und Presse
Dr. Cosima Haselmann, LL.M. (Cambridge)
Richterin und Pressesprecherin des VG Lüneburg
Dr. Eike Hosemann, LL.M. (Harvard)
Leiter des Pressereferats im BMJV
Dr. Markus Sehl
Stellvertretender Chefredakteur von Legal Tribune Online (LTO)
Polarisierung prägt zunehmend den öffentlichen Diskurs – auch in rechtlichen Fragen. Wie kann die Kommunikation von Justiz, Regierung und Medien in aufgeheizten Debatten sachlich, verständlich und zugleich wirksam bleiben? Darüber diskutieren wir mit Dr. Cosima Haselmann, LL.M. (Cambridge), Richterin und Pressesprecherin des Verwaltungsgerichts Lüneburg, Dr. Eike Hosemann, LL.M. (Harvard), Leiter des Pressereferats im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, und Dr. Markus Sehl, stellvertretender Chefredakteur von Legal Tribune Online (LTO).
DIENSTAG, 18. NOVEMBER 2025
18 UHR, C HS 4
Kompetenzerweiterung bei Staatsversagen – populistische Rhetorik oder rechtliches Argument?
Prof. Dr. Michaela Hailbronner, LL.M. (Yale)
Lehrstuhl für deutsches und internationales öffentliches Recht und Rechtsvergleichung
Universität Münster
Vom Systemversagen im deutschen Sozialrecht zur „Uniting for Peace“-Resolution der UN-Generalversammlung, vom Gesetz des House of Commons zur Aufhebung strafrechtlicher Urteile im sog. Horizon-Skandal bis zu militärischen Coups: Das – reale oder angebliche – Scheitern staatlicher und internationaler Organisationen dient oft zur Rechtfertigung von Kompetenzerweiterungen und -übernahmen anderer Institutionen. Aber handelt es sich bei solchen Argumenten um rechtliche Argumente oder nur um meist rechtspopulistische politische Rhetorik? Kann Staatsversagen tatsächlich überzeugend Kompetenzen für Institutionen begründen, die diese andernfalls nicht hätten? Und ja, unter welchen Voraussetzungen?
DIENSTAG, 16. DEZEMBER 2025
18 Uhr, C HS 3
Meinungsfreiheit im Arbeitsverhältnis
Prof. Dr. Felix Hartmann, LL.M. (Harvard)
Professur für Bürgerliches Recht und Arbeitsrecht
Direktor des Instituts für Arbeitsrecht
Freie Universität Berlin
Wenn sich Beschäftigte zu politischen Themen äußern, sei es am Arbeitsplatz oder in den sozialen Medien, sorgt dies häufig für Spannungen im Arbeitsverhältnis. In der jüngeren Gerichtspraxis geht es dabei immer wieder um Aussagen zum Nahostkonflikt. Dabei lässt sich beobachten, dass die arbeitsrechtliche Bewertung teilweise von Konzeptionen wie der „Staatsräson“ beeinflusst wird.
DIENSTAG, 13. JANUAR 2026
18 Uhr, C HS 3
Staatliche Wohnraumvorsorge – Brauchen wir ein Grundrecht auf Wohnen?
Prof. Dr. Pia Annika Lange, LL.M. (UCT)
Professur für Öffentliches Recht, Europarecht, Sozialrecht, Geschlechter- und Vielfaltsdimensionen im Recht
Direktorin des Zentrums für Europäische Rechtspolitik
Universität Bremen
Schon seit geraumer Zeit versuchen Bund, Länder und Kommunen mit unterschiedlichen Instrumenten der zunehmenden Wohnungsnot in den Großstädten und Ballungszentren entgegenzuwirken, bislang jedoch mit mäßigem Erfolg. Dies wirft die Frage auf, ob die bisher zum Einsatz gebrachten Instrumente ausreichen oder es einer verfassungsrechtlichen Aufwertung des Wohnens in Gestalt eines eigenen Grundrechts bedarf, um diesem menschlichen Grundbedürfnis mehr Gewicht zu verleihen. Der Vortrag geht dabei sowohl auf den status quo der (verfassungs-)rechtlichen Absicherung des Wohnens als auch auf einen möglichen Mehrwert eines Grundrechts auf Wohnen ein.
DIENSTAG, 27. JANUAR 2026
18 Uhr, C HS 3
©Mario Wagner
Der “Feind” im Parlament
Prof. Dr. Christoph Möllers
Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie
Humboldt Universität zu Berlin
Jun.-Prof. Dr. Fabian Michl
Professur für Öffentliches Recht und das Recht der Politik
Universität Leipzig
Prof. Dr. Michael Koß
Professur für das Politische System der Bundesrepublik Deutschland und der EU
Leuphana Universität Lüneburg
29. OKTOBER 2024, HÖRSAAL 3, 18.00 Uhr
Nukleare Bewaffnung der EU
Dr. Ulrich Kühn
Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik
Universität Hamburg
Botschafter a.D. Dr. Eckhard Lübkemeier
Stiftung Wissenschaft und Politik
03. DEZEMBER 2024, HÖRSAAL 4, 18.00 Uhr
Deutsche Staatsräson im 21. Jhd.
Prof. Dr. Heike Krieger
Professur für Öffentliches Recht und Völkerrecht
Freie Universität Berlin
Prof. Antje Wiener, Ph.D.
Lehrstuhl für Politikwissenschaften, insb. Global Governance
Universität Hamburg
14. JANUAR 2025, HÖRSAAL 3, 18.00 Uhr