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Alumni im Porträt: Rami Johann – „Integration bekommt man nicht geschenkt“

07.12.2020 Rami Johann floh 2002 aus dem Irak nach Deutschland. Sieben Jahre später studierte er Politikwissenschaft und Kulturwissenschaften an der Leuphana und steht nun kurz vor der Disputation seiner Doktorarbeit an der Universität Vechta.

Leuphana-Alumnus Rami Johann mit seiner Dissertation. ©Yousry Hammed
Leuphana-Alumnus Rami Johann mit seiner Dissertation zum Thema "Imperiumsbildung im 21. Jahrhundert".

„Im Café ‚Plan B‘ am Leuphana-Campus entwickelte ich die Kernidee meiner Dissertation. Diesen Moment werde ich nie vergessen“, erzählt Rami Johann. Im vergangenen Oktober stellte er seine Theorie zur „Imperiumsbildung im 21. Jahrhundert“ auf einer internationalen Konferenz des Faches „Internationale Beziehungen“ in Freiburg vor.

Kurz nach seiner Ankunft in Deutschland im Jahr 2002 glaubte er kaum daran, dass ihm eine wissenschaftliche Karriere bevorsteht. „Der Weg zum Studium war für mich fast unmöglich. Damals gab es nicht viele Möglichkeiten für Geflüchtete. Meine ausländischen Zeugnisse wurden nicht anerkannt; ich musste alles nachholen“, so Johann. Im Jahr 2009 erlangte er schließlich die Allgemeine Hochschulreife und schrieb sich für ein Studium der Politikwissenschaft und Kulturwissenschaften in Lüneburg ein. „Diese sieben Jahre Wartezeit haben mich geprägt. Integration bekommt man nicht geschenkt. Es braucht die Bereitschaft beider Seiten - der Gesellschaft und der Person, die sich integrieren möchte.“ 

Johann wusste bereits zu Beginn des Studiums, dass er seinen Schwerpunkt auf die „Internationalen Beziehungen“ legen möchte. Er hatte seine Ziele fest im Blick. „Das Auswärtige Amt und die Diplomatenausbildung waren als Einstieg unrealistisch. Aus diesem Grund musste ich einen Umweg gehen. Das Bachelorstudium an der Leuphana war ein essentieller Baustein meiner Karriere“, so Johann. Unterstützung bekam er sowohl von Professor*innen als auch vom Career Service. Sein ehemaliger Professor Dawid Friedrich ermöglichte Johann ein Praktikum im Zentrum für Demokratieforschung (ZDEMO). „Auch Professor Ferdinand Müller-Rommel und Professorin Dagmar Bussiek gaben mir oft Ratschläge für meine künftigen Pläne“, sagt Johann. Beim Career Service erhielt er von der Leiterin Ilka Buecher Hilfestellung in Beratungsgesprächen und beim Überprüfen seiner Bewerbungsunterlagen. Es folgten ein Masterstudium an der Universität Vechta mit anschließender Lehrtätigkeit und einer Dissertation zum Thema „Theorie der ‚Imperiumsbildung‘ im 21. Jahrhundert – Ein theoriegeleiteter Forschungsansatz zur Betrachtung aktueller Phänomene in den internationalen Beziehungen“. 

Trotz zahlreicher Hürden, die es zu überwinden galt, verlor Johann nie die Motivation: „Alles fängt mit einem Traum an. Die Möglichkeit das Abitur zu machen war ein entscheidender Wendepunkt. Ich entwickelte eine Strategie, um meinen Traum zu erreichen. Das Unmögliche ist eine Illusion.“