Ezekiel Olajimbiti vor dem Zentralgebäude ©Leuphana/Marie Meyer
„Ich kann mir ein internationales Netzwerk aufbauen. Man bleibt ein Leben lang Humboldt-Stipendiat.“

Mehr als zehn Millionen Kinder in Nigeria gehen nicht zur Schule. Viele von ihnen leben auf der Straße. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ihre Eltern haben kein Geld, können die eigenen Probleme kaum lösen oder sind gestorben. Der Staat kümmert sich nicht ausreichend um die Kinder - weder finanziell noch ideell. Viele finden in Straßenbanden eine neue Familie und Identität. Die jungen Menschen betteln, stehlen, nehmen und verkaufen Drogen oder prostituieren sich. Nigerias Städte werden immer unsicherer, die Kriminalitätsrate steigt. Polizei und Hilfsorganisationen versuchen, die Situation zu verbessern. Aber es ist für sie fast unmöglich, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen und die Strukturen aufzubrechen. Die Gangs verwenden einen eigenen sprachlichen Code, der zum einen die verdeckte Kommunikation untereinander ermöglicht und zum anderen Identität und Solidarität innerhalb der Gruppe schafft. Der Sprachwissenschaftler Dr. Ezekiel Olajimbiti sieht in der Entschlüsselung des Bandencodes ein wichtiges Mittel, um mit den Straßenkindern in Kontakt zu kommen. „Bisherige Studien haben sich weitgehend auf Interventionsprogramme und Bewältigungsmechanismen aus soziologischer, klinischer, anthropologischer und psychologischer Sicht konzentriert. Nur wenige Studien zur Diskursanalyse von Straßenkindern haben sich mit Geschlecht, Metaphern, Etikettierung und der sprachlichen Repräsentation befasst und dabei die Besonderheit des Codes außer Acht gelassen. Er kann Aufschluss darüber geben kann, wie sich durch Diskurse Straßenidentitäten konstruieren“, erklärt Ezekiel Olajimbiti. Der Wissenschaftler forschte zuletzt an der Federal University Lokoja in Nigeria zur Diskursanalyse von Bandensprache und wird seine Forschungen in den nächsten zwei Jahren als Gastwissenschaftler am Institute of English Studies fortsetzen. Während dieser Zeit wird Ezekiel Olajimbiti von der Alexander von Humboldt-Stiftung als George Forster-Forschungsstipendiat gefördert. Das Stipendium bietet ihm finanzielle und ideelle Unterstützung: „Ich kann mir ein internationales Netzwerk aufbauen. Man bleibt ein Leben lang Humboldt-Stipendiat“, sagt der Wissenschaftler. Er hat sich bewusst für die Leuphana und das Institute of English Studies entschieden: „Der methodische Ansatz von Professorin Anne Barron in der Diskursanalyse, Pragmatik und Soziolinguistik hat mich überzeugt“, sagt Ezekiel Olajimbiti. Ausschlaggebend für seine Entscheidung, an die Universität Lüneburg zu kommen, war auch das Laguage-in-Action Lab. Das Sprachlabor bietet Forscher*innen und Studierenden technische Unterstützung und methodische Beratung bei der Erhebung und Analyse von linguistischen Daten. Es wird von der Professur für englische Sprachwissenschaft geführt und kooperiert mit dem Methodenzentrum der Leuphana.

Ezekiel Olajimbiti forscht zu den Themen Kinderrepräsentationen und Sprache, Medien- und Internetpragmatik an der Schnittstelle von Pragmatik und Diskursanalyse und Semantik. „Ich möchte den sprachlichen Code der nigerianischen Straßenkinder entschlüsseln, um die Kriminalität zu verringern und eine friedliche, integrative Gesellschaft zu fördern. Indem wir die Sprache und die konstruierten Identitäten der Kinder auf der Straße verstehen, können wir auch ihre soziokulturellen Erfahrungen und die damit verbundenen ideologischen Implikationen kontextualisieren. Die Ergebnisse sind nicht nur für die Situation in Nigeria wichtig, sondern auch für andere Länder, in denen die Bedrohung durch Straßenkinder weit verbreitet ist.“

Ezekiel Olajimbiti studierte Soziolinguistik an der Universität von Ado-Ekiti/Nigeria. In seinem Master- und Promotionsstudium an der Universität von Ibadan/Nigeria konzentrierte er sich auf Diskursanalyse und Pragmatik. Lehr- und Forschungsaufenthalte führten ihn u.a. an die Elizade University und die University of Ibadan. Seit 2019 lehrt er an der Federal University of Lokoja/Nigeria im Fachbereich Anglistik und Literaturwissenschaft. Ezekiel Olajimbiti erhielt verschiedene Auszeichnungen, darunter den Ekiti State Government Scholarship Award 2008 für die beste Undergraduate-Leistung, den Ekiti State Government Scholarship Award 2013 für herausragende Postgraduate-Leistungen und den British Writing Training Award on Childhood Studies des British Council an der University of Ghana, Legon. Von 2021 bis 2023 wird er von der Alexander von Humboldt-Stiftung gefördert. Das Stipendium richtet sich an erfahrene Forscher, insbesondere aus dem globalen Süden.

Kontakte

  • Prof. Dr. Anne Barron
  • Dr. Ezekiel Opeyemi Olajimbiti