Prof. Dr. Astrid Kause ©Leuphana
„Klimaprojektionen beziehen sich oft auf lange Zeiträume oder sind nur für Expert*innen zu verstehen. Dies ist problematisch, denn die Daten werden für anstehende politische Entscheidungen gebraucht“, sagt Astrid Kause.

Bis zur Überschwemmung des Ahrtals schien vielen ein Unglück dieses Ausmaßes in Deutschland unmöglich. Die Katastrophe rückte den Klimaschutz für Städte und Gemeinden in den Fokus. „Der Klimawandel ist mittlerweile soweit fortgeschritten, dass wir nicht nur über das 1,5 Grad-Ziel sprechen müssen, sondern auch darüber, wie wir uns schnell an die Folgen des Klimawandels anpassen“, erklärt Astrid Kause. Sie ist Teil des europaweiten Forschungsprojekts „Improving near-term climate predictions for societal transformation (Impetus4Change)“. „Bisherige Klimavoraussagen beziehen sich auf lange Zeiträume. Unsere Klimawissenschaftler*innen arbeiten an kurzfristigen Prognosen, die zehn Jahre umfassen oder sogar nur eine Saison“. In Impetus4Change verbinden Wissenschaftler*innen diese naturwissenschaftlichen Erkenntnisse mit sozialwissenschaftlicher Forschung dazu, wie Planer*innen solche Vorhersagen verstehen, wie sich Wissen über kurzfristige Klimaveränderungen in ihren sozialen Netzwerken verbreitet und welche Informationen sie genau brauchen, um sich effektiv anzupassen.

Schon heute haben Planer*innen die Möglichkeit, auf Klimadaten zuzugreifen, etwa in der EU-Datenbank Kopernikus. „Klimaprojektionen beziehen sich oft auf lange Zeiträume oder sind nur für Expert*innen zu verstehen. Dies ist problematisch, denn die Daten werden für anstehende politische Entscheidungen gebraucht“, sagt Astrid Kause. Die Forscherin möchte verstehen, wie lokale oder regionale Akteur*innen an solche Daten kommen und welche Inhalte sie besonders interessieren: „Nehmen wir an, eine Kommune baut ein neues Industriegebiet. Wissen Planer*innen, dass es auf diesem Gelände in den nächsten fünf Jahren mit hoher Wahrscheinlichkeit häufig sehr stark regnen wird, können sie die Kanalisation anders anlegen, um Überschwemmung zu vermeiden. Wir möchten Kommunen helfen, resilienter gegen die Folgen des Klimawandels zu werden, indem wir Prognosen zugänglich machen.“

Das übergeordnete Ziel von Impetus4Change ist es, die Qualität, Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von kurzfristigen Klimainformationen und -diensten auf lokaler bis regionaler Ebene zu verbessern - dort, wo die Auswirkungen am stärksten zu spüren sind und Anpassungsmaßnahmen vor Ort durchgeführt werden -, um die Anpassungsplanung und -maßnahmen der Endnutzer*innen zu stärken und zu unterstützen.

Impetus4Change

Impetus4Change wird im Rahmen von EU Horizon mit fast 10 Millionen Euro gefördert. Etwa 213 000 Euro fallen davon an die Forschungsgruppe von Astrid Kause an der Leuphana. Das Verbundprojekt setzt sich aus über 20 europäischen Universitäten (z.B. University of Leeds) und Forschungseinrichtungen (z.B. Helmholtz-Zentrum Hereon) zusammen.

Zur Person

Prof. Dr. Astrid Kause promovierte Ende 2016 am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und an der Universität Konstanz über Unsicherheit und Verhalten im Kontext von Klima. Ab 2017 war sie Research Fellow an der University of Leeds am Center for Decision Sciences, dem Sustainability Research Institute und dem Priestley International Centre for Climate. Seit September 2021 ist Astrid Kause Juniorprofessorin für Nachhaltigkeitswissenschaften und Psychologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Zuletzt publizierte sie unter anderem die Studie „Communications about uncertainty in scientific climate-related findings: a qualitative systematic review“ in der internationalen Zeitschrift Environmental Research Letters, gemeinsam mit anderen Wissenschaftler*innen aus Leeds und vom Met Office UK.