Zum Hauptinhalt springen

Inhaltsverzeichnis dieser Seite

Lehrveranstaltungen

Die Veranstaltung führt in drei unterschiedliche, aber weit verbreitete qualitative Erhebungsmethoden der Kultur- und Sozialwissenschaften ein, die sich in ihrer Offenheit und in der Durchführung voneinander unterscheiden: das (biographisch-)narrative Interview, die Gruppendiskussion und das Expert*inneninterview. Die Studierenden üben erste Schritte eines Forschungsprozesses kennen und wenden im Laufe des Semesters ein Interviewverfahren nach Wahl an.
Nächster Termin:
Dienstag, 13.10.2026 um 16:15 Uhr
Um „Klimagefühle“ ist in den letzten Jahren eine florierende Debatte entstanden. Vor allem junge Menschen weltweit empfinden Gefühle wie Angst, Trauer, Schuld, Wut oder Ohnmacht im Zusammenhang mit dem Klimawandel und fehlenden Regierungsmaßnahmen (Hickman et al. 2021). Öffentliche Debatten über Strategien zum Klima- und Umweltschutz sind oft von emotionalisierenden Rhetoriken geprägt, die darauf abzielen, „Klimasorgen“ ernst zu nehmen oder aber als „Klimahysterie“ zu diskreditieren. Während die Umweltpsychologie Klimaemotionen meist als individuelle – gesunde oder pathologische – Reaktionen auf Umweltveränderungen begreift, betont die Soziologie, dass Emotionen keine individuellen Phänomene sind. Sie untersucht Emotionen immer als kollektiv geformt und fragt etwa danach, welchen sozialen Bewertungsprozessen sie unterliegen oder wie Emotionen das Handeln beeinflussen. Gesellschaftliche Praktiken, Diskurse und Institutionen prägen machtvoll, welche Gefühle erwartet und belohnt oder als unerwünscht sanktioniert und verhindert werden. Eine soziologische Perspektive zeigt so, wie Emotionen zur Konstruktion und zum Erhalt sozialer und politischer Ordnungen beitragen, aber auch wie sie zu deren Kritik und Formen des Widerstands sowie der Transformation motivieren können.
Das soziologisch ausgerichtete Seminar setzt sich mit Gefühlen im und zum sozial-ökologischen Wandel auseinander, die unter Begriffen wie „Klimaemotionen“ oder „ökologische Gefühle“ diskutiert werden. Auf Grundlage affekt- und emotionssoziologischer Lektüre (vorwiegend) und Arts-Based-Research (ergänzend) entwickeln die Studierenden eine soziologische Perspektive auf Gefühle, auf deren soziale Bedingtheit sowie auf deren Rolle in Prozessen des gesellschaftlichen Wandels. Gemeinsam erarbeiten wir ein Glossar der Transformationsgefühle. Einzeln oder in Gruppen schreiben die Studierenden dafür einen Glossareintrag zu einem Begriff bzw. Gefühl (z.B. Klimaangst, Schuld, Hoffnung, Trauer oder Apathie). Einen Entwurf präsentieren und diskutieren die Studierenden im Seminarplenum. Das Glossar soll am Semesterende gedruckt werden.
Nächster Termin:
Freitag, 16.10.2026 um 14:15 Uhr
Nächster Termin:
Donnerstag, 15.10.2026 um 14:15 Uhr
Jagd ist in Europa eine soziale Praxis, die von Vorstellungen von „Natur“ und Wildnis, Eigentum, Macht, Männlichkeit und Verantwortung geprägt ist. In der Gesellschaft wird sie kontrovers diskutiert: als Ausdruck von neuer Naturnähe und ökologischer Verantwortung, aber auch als gewaltsames und unzeitgemäßes Töten von Tieren. Nicht nur diese Spannungen machen die Jagd zu einem interessanten und aktuellen Forschungsfeld für die empirische Kultur- und Sozialforschung, die das Thema bislang erstaunlich stark vernachlässigt.
Das Seminar richtet sich an fortgeschrittene und thematisch interessierte Studierende, die qualitativ-empirische Forschung erlernen möchten. Es verfolgt einen kultursoziologischen Ansatz, der die Jagd als ein heterogenes Feld von Deutungsmustern, situierten Praktiken und Konflikten begreift, die es empirisch zu erschließen gilt.
Im Zentrum des Seminars steht die Entwicklung und Durchführung eines eigenen Forschungsprojekts. Die Studierenden arbeiten einzeln oder in Kleingruppen und entwickeln eine Forschungsfrage, die sie im Verlauf des Semesters empirisch weiterverfolgen. Schwerpunkte können beispielsweise die Selbstverortung von Jäger*innen, Prozesse des Wandels, die Darstellung der Jagd in den (sozialen) Medien, Mensch-Tier-Beziehungen, die Bedeutung von Trophäen oder das Verhältnis von Sorge und Gewalt sein. Zwei methodische Erhebungsverfahren werden im Seminar vertieft behandelt: qualitative Interviews und ethnografische Beobachtungsverfahren. Die Studierenden führen Forschungstagebücher, erheben eigene Daten, analysieren sie im Hinblick auf ihre Fragestellung und dokumentieren sowie reflektieren den Forschungsprozess schriftlich.
Der Ablauf des Seminars ist folgendermaßen: In den ersten Wochen eignen wir uns historische, theoretische und empirische Perspektiven auf die Jagd an, um einen Überblick über das Themenfeld zu gewinnen und Ideen für bearbeitbare Forschungsfragen zu entwickeln. Parallel wird in methodische und forschungspraktische Grundlagen eingeführt. In der zweiten Semesterhälfte arbeiten die Studierenden verstärkt an ihren Projekten, wobei sie regelmäßig im Seminar ihren Stand (und Schwierigkeiten) vorstellen und in Diskussionen Feedback erhalten. Der Fokus liegt auf der selbstständigen, forschungsorientierten Arbeit unter fachlicher Begleitung. In einem ganztägigen Workshop zum Ende des Semesters (22. Januar 2027) sollen die laufenden Projekte präsentiert und zum Austausch über Jagd in der Gegenwart eingeladen werden. Rahmen und Format des Workshops erarbeiten wir gemeinsam im Seminar.
Nächster Termin:
Dienstag, 13.10.2026 um 12:15 Uhr