Werdegang

Prof. Dr. Andrea Kretschmann ist Professorin für Kultursoziologie an der Fakultät Kulturwissenschaften der Leuphana Universität. Darüber hinaus ist sie assoziierte Forscherin am Centre Marc Bloch in Berlin. Frühere Gastprofessuren, Positionen als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Forschungsaufenthalte führten sie u.a. an die die École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris, das Internationale Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) der Kunstuniversität Linz in Wien, das Centre de recherches sociologiques sur le droit et les institutions pénales (CESDIP) in Versailles, die Johns Hopkins University in Baltimore, das Institut für Höhere Studien (IHS) in Wien und  das Institut für Rechts- & Kriminalsoziologie in Wien. Andrea Kretschmanns Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Kultursoziologie sowie einer kulturtheoretisch verstandenen Politischen Soziologie und der Rechts- und Kriminalsoziologie.

Wissenschaftlicher Werdegang

  • seit 2021: Professorin für Kultursoziologie an der Leuphana Universität, assoziierte Forscherin am Centre Marc Bloch
  • 2021: Habilitation an der Ludwig-Maximilians-Universität München, venia legendi für Soziologie
  • 2019: Fellowship am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften / Kunstuniversität Linz in Wien (Projekt: Soziologie der Simulation)
  • 2018: Gastwissenschaftlerin im Gastprofessor:innenprogramm an der Ecole des hautes études en sciences sociales (EHESS), Centre Georg Simmel, Paris
  • 2017-2021: Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Leiterin des Forschungsschwerpunktes „Staat, Recht und politischer Konflikt“ am Centre Marc Bloch in Berlin
  • 2017: WZB-Gastwissenschaftlerin am Centre de recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales (CESDIP) des CNRS, Ministère de la Justice et l’Université de Versailles-Saint-Quentin-en-Yvelines, Versailles
  • 2016: Kurzzeit-Fellowship am Centre Georg Simmel, Ecole des hautes études en sciences sociales (EHESS), Paris
  • 2014-2017: Post Doc am Centre Marc Bloch, Berlin
  • 2015: Geschäftsführende Redakteurin des Kriminologischen Journal
  • 2015: Gastwissenschaftlerin am Forschungszentrum Menschenrechte, Universität Wien
  • 2015: Post Doc-Stipendiatin an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (Universität Bielefeld)
  • 2015: Promotion an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (Universität Bielefeld)
  • 2008-2010: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie (IRKS) in Wien
  • 2010-2014: Stipendien an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology, dem Institut für Höhere Studien, Department Soziologie, Wien und an der Krieger School of Arts & Sciences der Johns Hopkins University (Baltimore, USA)
  • 2008-2010: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Rechts-& Kriminalsoziologie, Wien
  • 2005-2008: Studium der Internationalen Kriminologie (M.A.) an der Universität Hamburg und der Middlesex University, London
  • 1998-2004: Studium der Soziologie an der Universität Hamburg

Mitgliedschaften und Aktivitäten

  • Mitherausgeberin der Zeitschrift Behemoth
  • Mitherausgeberin der Zeitschrift für Rechtssoziologie
  • Beiratsmitglied in der Vereinigung für Recht & Gesellschaft
  • Mitherausgeberin der Zeitschrift Kriminologisches Journal
  • Beiratsmitglied der Zeitschrift juridikum

Auszeichnungen und Preise

  • 2019: Franz-Xaver-Kaufmann-Preis
  • 2015: Promotion ausgezeichnet mit dem Theodor Körner Förderpreis, gewürdigt von der Kammer für Arbeiter und Angestellte Oberösterreich 2015

Publikationen

Bücher und Anthologien

  1. Politiken der Un-Ordnung: Das Polizieren von Protest in Frankreich
    Andrea Kretschmann (Herausgeber*in) , Aldo Legnaro (Herausgeber*in) , Oliver Fillieule (Autor*in) , Fabien Jobard (Autor*in) , 2024 Wiesbaden , 300 S.

    Publikation: Bücher und AnthologienSammelwerke und AnthologienForschung

  2. Simulative Souveränität: Eine Soziologie politischer Ordnungsbildung
    Andrea Kretschmann (Autor*in) , 2023 Konstanz , 383 S.

    Publikation: Bücher und AnthologienMonografienForschung

  3. Das Rechtsdenken Pierre Bourdieus
    Andrea Kretschmann (Herausgeber*in) , 2019 Weilerswist-Metternich , 280 S.

    Publikation: Bücher und AnthologienSammelwerke und AnthologienForschung

  4. Regulierung des Irregulären: Carework und die symbolische Qualität des Rechts
    Andrea Kretschmann (Autor*in) , 2016 Weilerswist-Metternich , 332 S.

    Publikation: Bücher und AnthologienMonografienForschung

Beiträge in Zeitschriften

  1. On Pierre Bourdieu's Legal Thought: Toward a Classic of Socio-Legal Studies
    Andrea Kretschmann (Autor*in) , 01.10.2025 , in: Annual Review of Law and Social Science, 21 , S. 17-34 , 18 S.

    Publikation: Beiträge in ZeitschriftenZeitschriftenaufsätzeForschungbegutachtet

  2. Les villes artificielles comme espaces de formation de l’ordre politique: l’entrainement aux scénarios apocalyptiques des polices européennes
    Andrea Kretschmann (Autor*in) , 08.11.2021 , in: Carnets de Geographes, 2021, 15 , S. 0-21 , 22 S.

    Publikation: Beiträge in ZeitschriftenZeitschriftenaufsätzeForschungbegutachtet

  3. Legal Compliance: Founding Elements of a Conception Based on Cultural Theory
    Andrea Kretschmann (Autor*in) , 08.04.2021 , in: European Journal of Sociology, 62, 1 , S. 105-139 , 35 S.

    Publikation: Beiträge in ZeitschriftenZeitschriftenaufsätzeForschungbegutachtet

Auszeichnungen

  1. Franz-Xaver-Kaufmann-Preis 2019
    Andrea Kretschmann (Empfänger/-in) ,

    Auszeichnung: Externe Preise, Stipendien, Auszeichnungen, ErnennungenForschung

  2. Theodor Körner Förderpreis 2015
    Andrea Kretschmann (Empfänger/-in) ,

    Auszeichnung: Externe Preise, Stipendien, Auszeichnungen, ErnennungenForschung

Lehrveranstaltungen

Armin Beverungen, Timon Beyes, Serhat Karakayali, Andrea Kretschmann, Anna Lisa Ramella, Stephan Scheel
Das Promotionskolloquium dient der Präsentation und vertieften Diskussion der Forschungsvorhaben im Kreise der Mitglieder des Promotionskollegs. Pro Kandidat*in steht üblicherweise 1 Stunde für Vortrag und Diskussion zur Verfügung. Die Präsentationen und Diskussion finden in deutscher oder englischer Sprache statt.
Nächster Termin:
Mittwoch, 10.06.2026 um 13:00 Uhr
Andrea Kretschmann
Seit seinem Bestehen steht das Strafrecht bzw. die Strafe in der Kritik – sowohl aus Perspektive der Rechtswissenschaft, der Kriminologie und anderen Disziplinen wie der Soziologie oder den Kultur-wissenschaften. In diesem Seminar wollen wir aktuelle, grundlegende Kritikansätze erforschen, sie in ihren theoretischen und empirischen Dimensionen verstehen und gemeinsam diskutieren. Betrachtet werden können sowohl die Werke einzelner Autor*innen (z. B. Michel Foucault, Heinz Steinert, Loïc Wacquant) als auch übergreifende Fragestellungen wie die materialistische Rechtstheorie, politische Ökonomie des Strafrechts oder postkoloniale Perspektiven.
Nächster Termin:
Freitag, 08.05.2026 um 14:15 Uhr
Recht umgibt uns in Gegenwartsgesellschaften überall: so ist es bereits ein Rechtsakt, im Supermarkt eine Milch zu kaufen, einen Mobilfunkvertrag abzuschließen oder eine Verpartnerung einzugehen. Und wenn man mit den Ergebnissen einer Prüfung an der Universität nicht zufrieden ist, kann man dagegen klagen. Recht ist ein gesellschaftliches Regulierungsinstrument, das einerseits soziale Ordnungen stabilisiert und dabei bestehende Ungleichheiten festschreibt, anderseits ihren Wandel einleitet und progressiv gesellschaftsgestaltend wirkt. Die kulturtheoretische Betrachtung des Rechts ergänzt herkömmliche Rechtsverständnisse; sie widmet sich etwa symbolischen und kontingenzschließenden materialen Wirkungen von Recht, wenn es dessen Artefakte untersucht, oder sie nimmt Recht in popularisierter Hinsicht zur Kenntnis, wenn es im Alltag von Laien oder von sozialen Bewegungen verwendet wird. Auch erfasst es etwa dessen affektive oder emotionale Dimensionen – um an dieser Stelle nur einige Beispiele zu nennen. Recht kulturtheoretisch zu betrachten bedeutet, seine Entstehung, seine Entwicklung und seinen Wandel als Ergebnis soziokultureller Prozesse aufzufassen – und es zugleich selbst als ein kulturelles Produkt – als Kulturtechnik – zu verstehen. Die Inhalte und die Formen des Rechts sind abhängig von Kultur im Kontext von gesellschaftlichen Machtverhältnissen – so etwa vom Zeitgeist bezüglich Geschlechterverhältnissen, Wohnformen, dem Blick auf Familie, auf Naturverhältnisse etc. Es wirkt aber zugleich auch auf Kultur zurück, indem es seine rechtlichen Kategorisierungen – z.B. von Geschlecht, race, Kindheit etc. – in die Gesellschaft disseminiert und so unsere Sicht auf die Welt entscheidend prägt. Das Seminar widmet sich dem modernen Recht in Form seiner kulturtheoretischen Reflexion und empirischen Analyse am Beispiel des Phänomens ‚Reichbürger:innen‘ anhand gemeinsamer Analysen von Datenmaterial aus einem laufenden Forschungsprojekt zu Reichsbüger:innen.

Auf dieser Basis wird im Rahmen der Prüfungsleistung ein kulturwissenschaftliches Rechts-Glossar anhand des Themas ‚Reichbürger:innen‘ entstehen.
Nächster Termin:
Freitag, 24.04.2026 um 12:15 Uhr
Andrea Kretschmann, Roberto Nigro
In der Vorlesung werden zentrale Paradigmen der Kulturwissenschaften aus kulturtheoretischer und kultursoziologischer Perspektive einführend erarbeitet: Die Vorlesung widmet sich zentralen Positionen der Kulturwissenschaften und ihren unterschiedlichen Weisen, Kultur zu denken und zu analysieren. Hierbei kommen Positionen der philosophischen Anthropologie und ihre Kritik durch Subjekttheorien, Kapitalismus und seine globale Dursetzung sowie kritische Gegenstimmen, ein Grundverständnis der Verhältnisse von Strukturalismus und Post-Strukturalismus, Zugänge des Critical Realism, der Cultural Studies, Kritik der „Kulturkreislehre“ sowie der Post- und Decolonial Studies und des Posthumanismus vor. Zudem beleuchtet die Vorlesung das Paradigma der sozialen und kulturellen Kräfte, Theorien kultureller Gewalt und symbolischer Macht, als auch Varianten des biologischen und kulturellen Rassismus und bezieht Positionen der Queer Studies und des (Post-)Operaismus ein.
Die Vorlesung schließt an die Grundlagen der Einführung in die Kulturwissenschaften an und vertieft theoretische Strömungen, mit besonderem Fokus auf französische und anglophone Traditionen der Kulturwissenschaften.
Nächster Termin:
Dienstag, 28.04.2026 um 12:15 Uhr
Raum: C HS 1
Andrea Kretschmann
Es gehört zum Kerngeschäft der Soziologie, die Charakteristik ihrer Zeit begrifflich zu fassen und unter dieser Perspektive zu analysieren. Zeitdiagnosen sind ein – besonders streitbares – soziologisches Genre, das die zentrale Entwicklungslinie einer Gegenwartsgesellschaft als Ganzer identifiziert. Oft haben Zeitdiagnosen eine Relevanz über den akademischen Kontext hinaus. Als populär ausgerichtete Wissensform werden sie dann in einer interessierten Öffentlichkeit diskutiert und tragen auf dieser Basis als public sociology zur gesellschaftlichen Selbstverständigung bei. Zugleich gibt es derzeit gesellschaftlich ein besonders großes Bedürfnis nach Zeitdiagnosen. Beispiele für Zeitdiagnosen sind die „Risikogesellschaft“, die „Netzwerkgesellschaft“, die „Erlebnisgesellschaft“, oder auch die „Sicherheitsgesellschaft“. Das Seminar behandelt das Genre am Beispiel unterschiedlicher Zeitdiagnosen. Anhand dieser werden typische Merkmale, Probleme und Grenzen sowie Karrieren von Zeitdiagnosen im Kontext ihrer gesellschaftlichen Zeiterfahrung erörtert und in einen allgemeinen Rahmen sozialwissenschaftlicher Theoriebildung, insbesondere der Gesellschaftstheorie, eingeordnet.
Nächster Termin:
Dienstag, 28.04.2026 um 14:15 Uhr