„Unser Studiengang war weltweit das erste Programm dieser Art“, sagt Stefan Schaltegger, Gründer und Leiter des MBA Sustainability Management. ©Fotograf MIKE KOENIG
„Unser Studiengang war weltweit das erste Programm dieser Art“, sagt Stefan Schaltegger, Gründer und Leiter des MBA Sustainability Management.

Heute ist in allen Bereichen von Wirtschaft und Gesellschaft ein unübersehbarer Nachhaltigkeitswandel in Gang. Doch schon zur Gründungszeit des MBA Sustainability Management gab es deutliche Zeichen, dass Unternehmen nachhaltiger geführt werden müssen. In den 70er, 80er und 90er Jahren mehrten sich die Nachrichten von Chemie-Unfällen: Ein Lager des Pharmaunternehmens Sandoz brannte in Basel. Das Löschwasser färbte den Rhein bis Köln blutrot. Beim Seveso-Unglück in Norditalien wurde das hochgiftige Dioxin frei. In die damalige Zeit fällt auch die Katastrophe von Bhopal: In einem Chemiewerk in Indien wurde eine toxische Gaswolke freigesetzt. Tausende Menschen starben. Dazu dominierten Themen wie Waldsterben und das Ozon-Loch die Schlagzeilen. Dennoch wurden Nachhaltigkeitsthemen weder in die Managementpraxis noch -lehre ernsthaft berücksichtigt. Das war der Ausgangspunkt für Stefan Schaltegger und sein Team über eine moderne Managementausbildung grundsätzlicher nachzudenken.

Der MBA Sustainability Management entstand aus der Idee, ein Studienprogramm zu entwickeln, das Absolvent*innen befähigt, zur nachhaltigen Entwicklung von Organisationen und Gesellschaft wirksam beizutragen. Stefan Schaltegger erinnert sich an die Herausforderung: „Meinem Team und mir war klar, dass Absolventen*innen der Umweltwissenschaften mangels ausreichend breiter Management-Kenntnisse selten in Führungspositionen kommen und solche der Wirtschaftswissenschaften im Rahmen eines Wahlfachs zu wenig Know-how zu Nachhaltigkeit aufbauen können. Wir mussten alles neu denken und miteinander verschränken.“ MBA-Studiengänge gab es erst wenige in Deutschland und zu Nachhaltigkeit weltweit keine. „Wir haben auf Basis unserer Analyse, was für eine nachhaltige Entwicklung durch Unternehmertum benötigt wird, diese Ausgangslage sowohl als Notwendigkeit als auch als Chance begriffen.“

Der Beginn war von Widrigkeiten und Widerständen geprägt: Das Thema war vor zwanzig Jahren noch lange nicht so präsent wie heute. Die Entwicklung des Studiengangs wurde zwar von der EU gefördert, aber Landesmittel wurden aus vergaberechtlichen Gründen kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt: „Wir haben dann mit der halben Teamgröße weitergearbeitet.“ Zwei Jahre lang entwickelte die Gruppe ein innovatives Studienkonzept: „Wir fragten uns: Wie muss eine Ausbildung aussehen, die einerseits Menschen in Entscheidungspositionen bringt und ihnen andererseits genügend Know-how zu Nachhaltigkeitsmanagement vermittelt? Wir wollen Unternehmen von innen heraus verändern“, betont Stefan Schaltegger.

Die Antwort war ein MBA wie ihn die Top-Business-Schools vergeben, aber mit einem sinnstiftenderen Inhalt für eine zukunftsfähige Unternehmensführung: „Unser Studiengang war weltweit das erste Programm dieser Art.“ Von Anfang an gab es ein Blended-Learning-Konzept, um Menschen im Berufsleben anzusprechen: Die ersten Studierenden erhielten noch eine CD mit Lehrmaterialien. Heute laufen viele Kurse online, mit Live-Meetings, Netzwerk-Events und digitalen Lehrmaterialien. In Präsenz findet aber beispielsweise der Abschluss-Workshop statt, in einem Unternehmen wie Lufthansa, Mercedes, IKEA, Budni oder Vaillant, aber auch bei Pionier-Unternehmen wie Werkhaus, Edding, Memo oder Neudorf. Studierende müssen vor Ort ein tatsächliches Problem im Unternehmen lösen. Dazu haben sie knapp vier Tage Zeit. Am fünften Tag präsentieren die Studierenden ihre Konzepte vor einer Jury aus Expert*innen und dem Management aus dem Unternehmen. Dafür haben sie 14 Minuten Zeit – nicht mehr und nicht weniger.

Der MBA Sustainability Management war von Anfang an international gedacht: Studierende kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: „Wir haben aber bei uns auch Deutsche, die in Chile, Norwegen oder Australien arbeiten und unser Programm absolvieren“, berichtet Stefan Schaltegger.

Die Bewerber*innen-Zahlen für die 50 Studienplätze sind in jedem Jahr hoch: „Wir sehen oft beeindruckende Lebensläufe und sehr erfolgreiche Karrieren. Die Menschen studieren bei uns nicht, um ein höheres Gehalt zu erhalten oder den nächsten Schritt auf der Karriereleiter zu gehen. Personen, die bei uns studieren, möchte ihrem Berufsleben mehr Sinn geben.“ Die Evaluationen des Studiengangs zeigen: 80 Prozent gehen ein Jahr nach Abschluss des MBAs einer Tätigkeit in ihrem oder einem anderen Unternehmen nach, die sie als sinnstiftender erachten als die vorherige. Nicht selten verbunden mit mehr Gehalt oder einem höheren Status, auch wenn dies nicht intendiert war.

Stefan Schaltegger und das MBA-Support-Team stehen mit vielen Absolvent*innen der vorangegangenen Jahrgänge noch in Kontakt. Das Netzwerk des MBA Sustainability Management besteht inzwischen aus rund 1000 Personen. Claudia Kalisch beispielsweise ist Alumna des vierten Jahrgangs und heute Oberbürgermeisterin der Stadt Lüneburg. Florian Meyer-Delpho hat das Unternehmen „Installion“ gegründet, das mit einer Plattform Technologiefirmen und Handwerksunternehmen zur rascheren Realisierung von Solaranlagen unterstützt. Tobias Peylo, zweiter Jahrgang, ist heute Professor an der Hochschule Kempten und unterrichtet selbst im MBA Sustainability Management. Die Anzahl der Alumni und Nachhaltigkeitsverantwortlichen wächst und mit ihnen auch die Wahrnehmung des Themas in der Öffentlichkeit.

„Bei den Bewerbungen hat sich viel gewandelt. Immer mehr Unternehmen schicken uns ihre Mitarbeitenden und übernehmen die Studiengebühren. Früher hieß es von Unternehmensseite oft: Nachhaltigkeit kostet nur Geld und Zeit. Diese Vorbehalte gibt es immer weniger. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit wird in Unternehmen immer komplexer, weil deutlicher wird, dass von Einkauf über Produktion, Marketing und Logistik alle Bereiche betroffen sind. Unterliegt ein Unternehmen dem Emissionshandel, dann ist oft eine Person mit Carbon Accounting beschäftigt. Das Interesse, Menschen mit fundiertem Nachhaltigkeits-Know how einzustellen, ist substantiell gestiegen“, erklärt Stefan Schaltegger.

Der Studiengang zeigt, dass diese Menschen aus vielfältigen Berufsfeldern kommen können: „Ein Teil unserer Studierenden hat einen ersten Abschluss in den Wirtschaftswissenschaften, aber es kommen auch viele Natur- und Geisteswissenschaftler, Umweltwissenschaftlerinnen oder Ingenieure zu uns.“ Etliche Gründungen sind durch Studierende des berufsbegleitenden MBA Sustainability Management entstanden, die von Anfang an nachhaltig wirtschaften möchten.

Seit 20 Jahren gibt es den MBA Sustainability Management nun schon – eine Zahl auf die Stefan Schaltegger und sein Team stolz sind. Besonders wichtig ist ihm, dass durch die kontinuierliche Arbeit ein großes Netzwerk an Alumni und Studierenden entstanden ist, das sich gegenseitig unterstützt und Nachhaltigkeit wirksam vorantreibt.

Kontakt

  • Prof. Dr. Dr. h.c. Stefan Schaltegger