HyperKult XXII

»Standards, Normen, Protokolle«


4.-6. Juli 2013

Center for Digital Cultures,
Medien- und Informationszentrum und
Institut für Kultur und Ästhetik digitaler Medien der
Leuphana Universität Lüneburg

Centre for Digital Cultures
Sülztorstraße 21-25, 2. Stock
21335 Lüneburg

Web: www.leuphana.de/hyperkult
Facebook: www.facebook.com/hyperkult

veranstaltet von der
Gesellschaft für Informatik e. V. (GI), FG "Computer als Medium", FB Informatik und Gesellschaft

Das Programm des Workshops

Es gibt nichts Langweiligeres unter der Sonne als Normen und Standards. Protokolle sind etwas für Royals und angehende Debütanten des Wiener Opernballs.

Das Internet allerdings funktioniert in seiner netzneutralen Fassung nur unter der drögen Observanz der Protokolle, die von den pickligen Jünglingen der Netz-Pubertät noch über RFC, Request for Comments, auf dem schüchternsten aller Wege zu Stande kamen. Es kam das Internet in die Welt, als Triumph von TCP/IP, mit zwei mal "P" für "Protokoll". Das mochten die Konzernherrn aus Paris, New York, Bonn nicht gern, mussten sich aber dennoch beugen. So viel zum vorläufigen Sieg der Graswurzel-Idee des Internet in Form von Normen, Standards und Protokollen. Es scheint allerdings unklar, ob die Proprietarität nicht vielleicht doch die Oberhand gewinnen könnte, und das ganze schöne partizipative Internet wäre dahin.
Es wäre dann nicht das erste Mal, dass Firmenmacht über Normen, Standards und Protokolle gesiegt hätte, die in diesem Lichte nun wieder als die Horte demokratischer Teilhabe und Ergebnisse eines herrschaftsfreien Diskurses gelten könnten. Selbst beim Datenschutz kann man sich Dank gültiger Rechtsnormen, einstmals heroisch erstritten, in geregelten europäischen Datenhäfen sicherer fühlen als im "safe harbour" Californischer Datenprozessierer, die die längste Zeit und schon lange nicht mehr von Hippies betrieben wurden.
Doch manche Standards sind auch unbestritten extrem erfolgreich: MIDI, ISO/OSI, DIN und die Bohrung von Colts.
Welche Rolle spielen Standards, Normen und Protokolle für die Strukturbildung der Nächsten Gesellschaft? Sind Protokolle nicht vielleicht doch ihre wichtigsten Medien, und der lange Marsch durch die Institutionen müsste heute durch die Normungskommissionen verlaufen? Welche Bedeutung haben das W3C, welche die ICANN, die WIPO? Wo, bitteschön, scheint denn eine neue Anarchie auf, die alle diese verknöcherten Regularien, wenigstens für kurze Zeit, zum Teufel schickte?

Programm der HyperKult 22

Donnerstag, 4.7.2013
13:00Anmeldung
14:00Begrüßung und Eröffnung
14:15Protokollfragen
Claus Pias
15:15Kaffeepause
15:45Vom Wert des neutralen Internet
Sebastian Gießmann
16:30Figuren der Ordnung
Janina Wellmann
17:15Kaffeepause
18:15Keynote: Logistical Worlds
Ned Rossiter
19:00Empfang durch den Präsidenten Leuphana Universität Lüneburg
Freitag, 5.7.2013
09:30»unplanned, unanticipated, and unsupported«? E-Mail als sozio-technisches Hybrid
Paul Ferdinand Siegert
10:15JPEG. Zur medienkulturellen Bedeutung verlustbehafteter Kompressionsverfahren
Axel Volmar
11:00Kaffeepause
11:30MIDI-Geschichte(n)
Rolf Großmann
12:30Mittagspause
14:00Normindividualität
Andrea Knaut
14:45Terminologienormung heute
Christian Stein
15:30Kaffeepause
16:00»Mühlendamm Schleuse, bitte kommen!« Die Geschichte der Vollzugsordnung für den Funkdienst als soziales Protokoll
Jens-Martin Loebel
16:45

Standardisierte Überwachung
Agata Królikowski

17:30»Writing calculations, calculating writing«: Hanne Darboven’s Analog Computer Art
Victoria Salinger
19:00Abend im Biergarten
Krone Bierhaus, Heiligengeiststraße
Samstag, 6.7.2013
09:30Die Bit-Tiefe der Dekaden
Martin Warnke
10:00Stecker, Standards und Standarten
Florian Sprenger
10:45Kaffeepause
11:15Medialität des Normativen
Jochen Koubek
12:00»Was die technische Welt im Innersten zusammen hält«
Wolfgang Coy
13:00Sitzung der Fachgruppe »Computer als Medium« des Fachbereichs »Informatik und Gesellschaft« der GI e. V.

Präsentationen

Schrauben 1969-1973. Skulpturen und Graphiken
HAWOLI

»Im Netz« - Twitter
Hartmut Sörgel

Installationen aus dem Seminar Audio Video Sequencing

Projektergebnisse aus dem Seminar Medienliteralität

Anreise, Informationen und Gebühren

Informationen zur Anreise finden Sie hier:
Wege zur Universität

Für die Pausengetränke, gedruckte Materialien und das Rahmenprogramm bitten wir um einen Kostenbeitrag von 25 Euro, der bei der Anmeldung zu entrichten ist.

Für Studierende ist die Teilnahme kostenlos.

Bitte melden Sie sich unter hyperkult@uni-lueneburg.de zur Teilnahme an.

Informationen zur Unterbringung bietet www.lueneburg.de.

Programmkomitee

  • Lena Bonsiepen (Berlin)
  • Wolfgang Coy (Berlin)
  • Rolf Großmann (Lüneburg)
  • Wolfgang Hagen (Berlin)
  • Jochen Koubek (Bayreuth)
  • Agata Królikowski (Lüneburg)
  • Jens-Martin Loebel (Lüneburg)
  • Claus Pias (Lüneburg)
  • Martin Schreiber (Lüneburg)
  • Anna Tuschling (Bochum)
  • Martin Warnke (Lüneburg)