Elemente einer kritischen Theorie medialer Teilhabe

EINE MEDIEN-PHILOSOPHISCH-ETHNOLOGISCHE NEUPERSPEKTIVIERUNG

Das medien-philosophisch-ethnologische Projekt unternimmt eine grundlegende historisch-systematische Neuverortung von Teilhabe mit dem Ziel, zentrale Elemente einer Theorie medialer Teilhabe zu formulieren, von denen ausgehend die dringliche Kritik von Relationalität in Angriff genommen werden kann. Mediale Teilhabe kommt dabei als spezifische Weise von Partizipation in den Blick, als Name einer bestimmten historischen, nämlich der heutigen, unter der technoökologischen Bedingung stehenden Formation von Partizipation.

In der Zeit medialer Teilhabe, so die Leitthese, erscheint die Partizipationsfrage an der Kreuzung von vier Problematisierungslinien: der relationalen Transformation von Macht, Kapital, Subjektivität und des Gemeinsamen. Das Hervortreten von Relationalität als solcher, das diesen Umbruch markiert, basiert dabei an zentraler Stelle auf der flächendeckenden Durchsetzung relationaler Technologien, die nicht nur in Beziehung setzen und Beziehungen herstellen, sondern diese auch operationalisieren und ausbeuten und dabei die vorherrschende Macht-, Kapital- und Subjektivitäts-Form sowie die Form des Gemeinsamen entsprechend relational rekonstituieren. Infolge des radikalen Hervortretens von Relationalität wird zudem eine bislang ungedachte historische Bewegung signifikant, die insgesamt unter Bedingungen des Medialen steht und als Übergang von der Teilnahme zur Teilhabe begriffen werden kann.

Entlang der vier Problematisierungslinien gliedern sich zwei Arbeitsbereiche (AB), die jeweils zwei Aspekte der relationalen Wende perspektivieren. AB1: „Das Ökonomische der Teilhabe“ erarbeitet die Grundzüge der relationalen Macht- und Kapital-Form. Ausgehend von der ethnoanthropologischen Umwertung von Relation, wie sie paradigmatisch bei Marilyn Strathern stattfindet und für die Genese des neuen Relationalismus der Theorie überhaupt zentral ist, wird die Rolle des Tauschparadigmas und seiner Verabschiedung durch die zeitgenössische Kapital-Form rekonstruiert. AB2 „Das Politische der Teilhabe“ fokussiert die relationale Subjekt-Form und Form des Gemeinsamen. Im Mittelpunkt steht die Ausarbeitung der Differenz von Teilhabe und Teilnahme, die die Partizipationsfrage schematisiert. Der bisherige, für die Moderne signifikante politische Kern der Partizipation als Beziehung zwischen Individualität, Eigentum und Aneignung wird in Frage gestellt und stattdessen eine nicht-eigentümliche Partizipation und eine nicht durch Aneignung und Eigentum definierte Individualität als Kernmomente medialer Teilhabe skizziert.

Die angestrebte Kritik medialer Teilhabe intendiert nicht die Verwerfung von Relationalität, sondern deren Rettung. Zu diesem Zweck wird der Begriff der Partialität geschärft, wie er sich ausgehend von der relationalen Anthropologie  in zeitgenössischen kritischen Theorien etabliert. Relationalität in der Zeit medialer Teilhabe kann nur partial sein, soll sie sich der herrschenden relationalen Macht-, Kapital-, Subjektivitäts- und Gemeinschafts-Form entziehen.


Team

Team