Lebhafte Artefakte

Lebhafte Artefakte. Heinz von Foerster und die Maschinen des Biological Computer Laboratory (Konstanz University Press 2018)


Wie die Maschinen »lebendig« werden. Lebhafte Artefakte bietet überraschende Einblicke in eine der wirkmächtigsten Strömungen der jüngeren Wissenschaftsgeschichte.

In den 1960er Jahren gelang es den Forschern des Biological Computer Laboratory an der University of Illinois, die »Lebendigkeit« von Maschinen als einen Effekt institutioneller und forschungspolitischer Kontexte zu inszenieren. Es ging um die Konstruktion »biologischer «, die sich an Vorbildern aus der Natur orientierten. Das Ergebnis waren »künstliche Sinnesorgane«, »neuronale Netze«, »selbstorganisierende Automaten« und damit Vorläufer heutiger Roboter und Computerprogramme aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz. Der Direktor des Labors, der österreichische Physiker Heinz von Foerster, brachte hier ein Forschungsprogramm auf den Weg, das in der jüngeren Wissenschaftsgeschichte seinesgleichen sucht. Während der Computer in der Frühphase der Kybernetik vor allem als Modell und Metapher eine Rolle spielte, wurde an Foersters Labor tatsächlich mit Maschinen gearbeitet. Jan Müggenburg legt die kulturellen, philosophischen und politischen Hintergründe dieser Zusammenhänge offen. Indem es den Nachlass des Labors im Archiv der University of Illinois erschließt, fügt sein Buch der Geschichte der Kybernetik ein neues Kapitel hinzu.

Stimmen:

"Müggenburg (leistet) einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Übersetzungslücke zwischen Forschungskonzepten und der Verteillogik der amerikanischen Forschungsförderung während des Kalten Krieges."
(Barbara E. Hof, H-Soz-Kult, 23.08.2018)

„Über [Heinz von Foerster und das] BCL konnte man sich bis dato vor allem in diversen Festschriften informieren. Lebhafte Artefakte nähert sich dem charmanten Wiener nun mit dem distanzierteren Blick des Wissens- und Medienhistorikers, um sich den Maschinen des 1958 aus der Taufe gehobenen BCL anzunehmen […] Man erfährt dabei nicht wenig über die diversen (überwiegend) militärischen Finanziers, die das BCL mal in diese, mal in jene Richtung schubsten; und vieles über die wissensgeschichtlichen Horizonte derart spekulativen Maschinenbaus"
(Max Stadler, NTM, Januar 2019)

„Müggenburg hat mit seinem Buch über von Foerster und sein Labor kein Heldenepos verfasst. Ihm geht es auch nicht um eine ideologiekritische Entlarvung der Kybernetik. Sein Buch ist ein luzid geschriebenes, nüchternes Werk über das, was war.“
(Wolfgang M. Schmitt, Der Freitag, 21.02.2019)