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Ein (Reise-)Bericht von den Maritime Innovation Insights 2026 am Fraunhofer CML

19.06.2026

Am 7. Mai 2026 fand im Forschungsgebäude des Fraunhofer-Centers für Maritime Logistik und Dienstleistungen im Harburger Binnenhafen die achte Ausgabe der Maritime Innovation Insights statt. Die jährlich stattfindende Veranstaltung präsentiert eine Auswahl aktueller Partnerprojekte des Fraunhofer CML mit maritimem Bezug. Unter dem Titel „Maritime Systeme im Wandel – intelligent, vernetzt, resilient“ standen in diesem Jahr unter anderem die Sicherheit und Resilienz maritimer Infrastrukturen, maritime Lagebilder, autonome Systeme, Hafentechnologien und alternative Navigationsverfahren im Mittelpunkt.

Neben weiteren Vorträgen und Demonstrationen boten insbesondere die folgenden Beiträge interessante Einblicke in aktuelle Entwicklungen im maritimen Umfeld.

DIEB: Bedrohungsmonitoring für LNG-Terminals

Ein besonders relevantes Thema war das Projekt DIEB, kurz für „Datengetriebene Identifizierung, Beurteilung und Adressierung von Gefährdungen für LNG-Terminals“. Vorgestellt wurde das Projekt von Mathias Lüdicke, Leiter der Niederlassung Wilhelmshaven bei Niedersachsen Ports. Am Beispiel des LNG-Terminals in Wilhelmshaven wurde deutlich, welche sicherheitsrelevanten Herausforderungen mit kritischer Energieinfrastruktur verbunden sind. Das Terminal wurde 2022 im Zuge der durch den Krieg in der Ukraine verschärften Energiekrise errichtet, um den Import von Flüssiggas nach Deutschland zu ermöglichen.

DIEB untersucht, wie Gefährdungen für solche Infrastrukturen datengetrieben erkannt, bewertet und adressiert werden können. Dafür werden Sensorsysteme am und im Umfeld des Terminals betrachtet, um mögliche Bedrohungen aus unterschiedlichen Richtungen erfassen zu können. Dazu zählen landseitige Zugänge, der Wasserbereich, Unterwasserbereiche sowie der Luftraum. Insbesondere Drohnenüberflüge wurden als aktuelle Herausforderung für maritime und energiebezogene Infrastrukturen diskutiert. Die Motive hinter solchen Überflügen können von Informationsgewinnung über Machtdemonstration bis hin zum Austesten bestehender Sicherheits- und Reaktionsmechanismen reichen. Deutlich wurde dabei, dass die Herausforderung nicht nur in der technischen Detektion liegt. Ebenso relevant sind rechtliche Handlungsmöglichkeiten, Zuständigkeiten und Koordinationsprozesse. Rund um eine solche Infrastruktur ändern sich Verantwortlichkeiten an mehreren Stellen, wodurch es anspruchsvoll wird, alle beteiligten Akteure effektiv zusammenzubringen.

EMSIG: Autonome SWATH-Schiffe für Offshore-Monitoring

Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag zu „EMSIG“ in der Echtzeittechnologie von Dipl.-Ing. Toralf Zimmermann, Director R&D and Innovation bei Abeking & Rasmussen. Abeking & Rasmussen ist eine Schiffs- und Yachtwerft in Lemwerder bei Bremen und baut unter anderem Megayachten, Lotsenboote und Minensuchboote mit einer Länge von bis zu 130 Metern. Das Unternehmen gehört außerdem zu den wenigen Herstellern sogenannter SWATH-Schiffe, also „Small Waterplane Area Twin Hulls“: https://www.abeking.com/swath-technologie/

SWATH-Schiffe sind eine besondere Form des Katamarans. Statt eines großen Schiffskörpers an der Wasseroberfläche verfügen sie über zwei torpedoförmige Auftriebskörper unterhalb der Wasseroberfläche. Im Vergleich zu klassischen Monohull-Schiffen liegen sie auch bei starkem Seegang deutlich ruhiger im Wasser und bleiben bei höheren Geschwindigkeiten manövrierbar.

Ein weiterer technischer Vorteil liegt darin, dass Verwirbelungen und Strömungsstörungen unter dem Rumpf im Vergleich zu Monohulls reduziert sind. Dadurch können Messinstrumente, die an den vorderen Bereichen der Auftriebskörper installiert werden, in einem vergleichsweise ungestörten Messumfeld arbeiten. Das EMSIG-Projekt untersucht, wie autonome SWATH-Plattformen zur Überwachung von Offshore-Windparks in der Nordsee eingesetzt werden können. Gerade für maritime Sensorik und Monitoring-Aufgaben auf hoher See eröffnet dies interessante Anwendungsperspektiven.

AIS-Hochleistungsantennen für maritime Lagebilder

Ein dritter interessanter Beitrag war der Vortrag von Dr.-Ing. Carsten Hilgenfeld, Managing Director von Ship Monitor by JDS, zu AIS-Hochleistungsantennen mit optimierter Empfangsreichweite als Eingangsdaten für maritime Lagebilder.

AIS, das Automatic Identification System, ist ein funkbasiertes System zum Austausch von Navigations- und Schiffsdaten. Schiffe ab einer bestimmten Größe sind verpflichtet, AIS-Anlagen an Bord zu betreiben. Plattformen wie marinetraffic.com basieren auf solchen AIS-Daten.

Klassische AIS-Basisstationen empfangen Signale in der Regel nur bis zum Horizont, also ungefähr in einem Radius von etwa 50 Kilometern. Eine einfache Erhöhung der Empfindlichkeit ist jedoch nicht ausreichend, da sich bei zu vielen Schiffen im erweiterten Empfangsbereich Signale überlagern können. Ein ähnliches Problem tritt bei satellitengestütztem AIS auf, wenn aus einem sehr großen Gebiet zu viele Signale gleichzeitig empfangen werden.

Als Lösung wurde ein mobiles AIS-Antennensystem vorgestellt, das auf einem PKW-Anhänger transportiert und damit kurzfristig sowie flexibel eingesetzt werden kann. Unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen können AIS-Funkwellen über den Horizont hinaus reflektiert werden. Dadurch sind Reichweiten von mehreren hundert Kilometern möglich. Ein in Hamburg eingesetztes System könnte so beispielsweise Signale bis weit in die Nord- und Ostsee erfassen und damit zur Erstellung umfassender maritimer Lagebilder beitragen.

MoNaMe: Alternative Navigation jenseits von GPS

Ein weiterer besonders relevanter Vortrag widmete sich sicheren alternativen Navigationsverfahren. Daniel Seybold, LL.M., Managing Director von TeleOrbit, stellte das Projekt MoNaMe vor, das für „Maritime Autonomous Navigation using Alternative Absolute Positioning Techniques“ steht.

Das Projekt geht auf eine Ausschreibung der Europäischen Weltraumorganisation ESA zurück, die nach Alternativen zu GPS suchte, insbesondere vor dem Hintergrund der Störanfälligkeit von GNSS-Systemen durch Jamming oder Spoofing: https://navisp.esa.int/project/details/309/show

Ein Ansatz bestand darin, historische Navigationsverfahren mithilfe von Himmelskörpern und Sextanten technisch neu aufzugreifen. Dafür wurde eine Instrumenteneinheit entwickelt, die schwingungsentkoppelt auf Schiffen montiert werden kann und im Prinzip wie ein automatisierter Sextant arbeitet.

In der praktischen Anwendung ergeben sich jedoch mehrere Einschränkungen. Die Methode ist abhängig von Sichtbedingungen, Tageszeit, Wolkenbedeckung und einer möglichst stabilen Ausrichtung des Schiffes zum Horizont. Dadurch liegt die erreichbare Genauigkeit eher im Kilometerbereich und ist nicht für alle Anwendungsszenarien ausreichend.

Aufbauend auf der Frage alternativer Navigation wurden außerdem Ansätze auf Basis von Nitrogen-Vacancy Quantum Sensor Systems vorgestellt: https://navisp.esa.int/project/details/391/show und https://teleorbit.eu/consultancy/projects/

Diese Sensoren funktionieren bei Raumtemperatur und nutzen atomare Fehlstellen in Diamanten, um Magnetfelder mit sehr hoher Präzision und räumlicher Auflösung zu messen. Für Navigationsanwendungen kann eine solche Technologie relevant werden, wenn gemessene Magnetfeldverläufe mit Karten des Erdmagnetfeldes abgeglichen oder mit weiteren quantensensorischen Verfahren kombiniert werden.

Insgesamt zeigte die Maritime Innovation Insights 2026 eindrücklich, wie breit das Spektrum aktueller maritimer Forschung und Entwicklung ist. Die vorgestellten Projekte machten deutlich, dass technische Innovation im maritimen Bereich eng mit Fragen der Resilienz, Sicherheit, Datenintegration und praktischen Einsatzfähigkeit verbunden ist.