WO ERINNERUNGEN VERWEILEN - KIM DREYER: Im Schimmern des Stoffes, zwischen Blüten, Blättern, Wind und Licht, taucht eine Gestalt auf, die sich dem Blick nie ganz überlässt. Sie wirkt wie eine flüchtige Erinnerung – zart, geisterhaft und nur für einen Moment greifbar. Und genau hier, im Biotopgarten verbindet die Installation einer Bachelor Abschlussarbeit aus dem Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung Figur, Natur und Bewegung zu einer stillen Präsenz.
ABSCHIED - CARA LUISE KOLB:
Wenn jemand geht,
jemensch von der Erde schwebt
ganz langsam und leise
auf friedliche Weise
oder abrupt von jetzt auf gleich
der Wind bewegend und weich.
Ein Abschied mit Unendlichkeit
ob allein oder in Gemeinsamkeit.
So schmerzhaft und schwer
schwebt er wie der Nebel übers Meer
Ein Zeichen für Vergänglichkeit,
die uns manchmal auch befreit
trotz großem Leid und Einsamkeit.
Wenn jemand geht,
bleibt jemensch der weiterlebt.
Im Schleier der Gefühle verweht,
sehen wir das Vertraute, wie es untergeht.
Ein Versuch den Fluss anzunehmen,
und so wieder das Schöne zu sehen
auch wenn die Blüte wird vergehen
können wir versuchen zu verstehen:
In jedem Abschied liegt ein Neubeginn,
und in Leichtigkeit ein Zurückgewinn.
UND WAS WIRD ES? - HANNAH HEEMANN:
Und was wird es? Junge oder Mädchen?
Eine Frage, die bereits vor der Geburt viel mit sich trägt.
Denn:
In einer Welt, in der die Norm nur zwei Geschlechter kennt,
In einer Welt, in der das männliche Geschlecht bereits vorne steht,
In einer Welt, in der die Norm das Ungleichgewicht bewegt,
bestimmt unser Geschlechtsorgan, was uns prägt.
Da bildet die Natur das Geschlechtsorgan im Mutterleib
Und wer hätt's gedacht,
die Klitoris ist bei ALLEN als erstes gemacht.
XY wölbt sie zum Penis, XX lässt sie sein
Doch manch einmal wird's zum Tanz
Und dieselben Anlagen zeigen Varianz
Im Kreissaal wird nun bestimmt,
wie Mensch seine Qrdnung und Rolle einnimmt.
Die Entscheidung zwischen entweder oder
diskriminiert alles, was zwischen uns steht
-so eine Absurdität.
Doch nun wissen wir Klitoris oder Penis,
egal welche Form
Eichel, Schwellkörper, Schenkel auch haben mag
wir ändern die Norm
Wie Mensch es auch dreht
Varianz und Vielfalt entsteht
Und was wird es?
„es“ wird ein Mensch!
WER, WIE, WARUM - ANNIK KÖNIG: Spuren. Was sind Spuren?
Spuren sind Risse. Spuren sind Narben. Spuren entspringen Erfahrungen.
Erfahrungen des Glücks, der Verzweiflung, der Trauer, der Freude...
Spuren prägen, Spuren bleiben, Spuren heilen.
Spuren sind nicht immer sichtbar und doch sind Spuren Zeugen - Zeugen der Vergangenheit.
Vergangene erfahrungen prägen die Gegenwart
Erfahrungen machen aus, wer wir sind und wie wir sind.
Individuell. Einzigartig.
Jede*r Einzelne.
Treibhölzer.
Geprägt durch unterschiedliche Einflüsse.
Gefunden an verschiedenen Orten.
Spuren.
Individuell. Einzigartig.
Jede Einzelne.
Die Spuren der Hölzer werden zum Thema des Werkes, symbolisch stehend für die Spuren der Indivi-
dualität der Menschen. Zum Teil werden Spuren durch Ausgießungen verschlossen und hervorgehoben
- sie heilen. Das Ausgießen verändert die Form der Hölzer - Spuren prägen. Zum Teil werden Spuren
belassen, wie sie sind - Sie bleiben.
Hinsehen, vorbeigehen, stehenbleiben, hindurchgehen, wahrnehmen, nachdenken, wegsehen.
Die Entscheidung über Form und Intensität der Auseinandersetzung mit dem Werk und dessen Thema-
tik wird durch den gewählten Standort der betrachtenden Person überlassen.