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Publications

Books and anthologies

  1. Das Kunstfeld: Eine Studie über Akteure und Institutionen der zeitgenössischen Kunst am Beispiel von Zürich, Wien, Hamburg und Paris
    Heike Munder (Editor) , Ulf Wuggenig (Editor) , 2012 Zürich , 460 p.

    Research output: Books and anthologiesCollected editions and anthologiesResearch

Contributions to collected editions/anthologies

  1. Kritischer Realismus und das Axiom der Gleichheit: Der Antagonismus von Pierre Bourdieu und Jacques Rancière
    Pascal Jurt (Author) , Ulf Wuggenig (Author) , 01.01.2014 Wien , p. 183-212 , 30 p.

    Research output: Contributions to collected editions/anthologiesContributions to collected editions/anthologiesEducation

  2. Valuation Beyond the Market: On Symbolic and Economic Value in Contemporary Art
    Ulf Wuggenig (Author) , Steffen Rudolph (Author) , 01.01.2013 Berlin / New York , p. 101-149 , 49 p.

    Research output: Contributions to collected editions/anthologiesContributions to collected editions/anthologiesResearch

Courses

Am Anfang der Begründung der Soziologie als einer eigenständigen Disziplin im deutschen Sprachraum standen Arbeiten, die sich auf Antonyme stützten, in denen der Begriff Gesellschaft mit entgegengesetzten Begriffen konfrontiert wurde. So trugen die Werke, die mit zu den bekanntesten der „Gründungsväter“ der Soziologie stehen, folgende Titel: Ferdinand Tönnies, „Gemeinschaft und Gesellschaft“, Max Weber „Wirtschaft und Gesellschaft“, oder Georg Simmel „Grundfragen der Soziologie. Individuum und Gesellschaft“.

Das Seminar geht von Georg Simmels Begründungsversuch der Soziologie aus, der sich nicht nur auf das Begriffspaar Individuum und Gesellschaft stützt, sondern in kritischer Absetzung davon auch auf den Begriff der „Wechselwirkung“ bzw. dessen Synonym „Interaktion“. Simmel meinte, in sozialen Wechselwirkungen zwischen Individuen das Wesentliche der Gesellschaft bestimmt zu haben. Von Anfang an gab es jedoch auch andere Versuche, die Soziologie zu begründen, etwa in Frankreich dem mit Deutschland wichtigsten Land bei der Begründung dieser Disziplin im späten 19. Jahrhundert. Dort erklärten Emile Durkheim und Marcel Mauss „soziale Tatbestände“ im Sinne überindividueller Muster, in welche Individuen hineingeboren werden und durch welche sie geformt werden, worauf sich auch deren Begriff der „Institution“ bezieht, zum zentralen Gegenstand der Soziologie. Sowohl die Linie Simmels als auch die Linie von Durkheim und Mauss führten zur Ausbildung von Traditionen von Denkstilen, welche das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft in zunehmend differenzierter Form theoretisch wie empirisch noch genauer zu bestimmen versuchten. Simmel wiederum reagierte wie auch Durkheim auf historisch frühere Versuche das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft zu bestimmen, die noch in der Philosophie angesiedelt waren, u.a. auf Kant, auf Marx sowie auf den britischen Utiliarismus (Adam Smith, Jeremy Bentham, John Stuart Mill), den Wurzeln der Wirtschaftswissenschaften wie auch kognitivistischen Spielarten der Psychologie. Einen eigenen Weg ging Sigmund Freud, der nicht von Gesellschaft sprach, sonderen für überindividuelle Prägungen statt dessen den Begriff der Kultur gebrauchte.

Für das Seminar stehen neuere Zugänge zum Verhältnis von Individuum und Gesellschaft aus Soziologie, Sozialpsychologie, Politikwissenschaft und Kulturwissenschaften im Zentrum der Aufmerksamkeit insbesondere die "Kritische Theorie" der zweiten Generation, mit ihrem Hauptvertreter Jürgen Habermas, die Feld-Habitus-Kapital Theorie von Pierre Bourdieu, die Theorie der „vier Kulturen“ bzw. Denkstile von Mary Douglas, die Theorie der Interaktionsrituale von Erving Goffman und Randall Collins aus der US-Soziologie und das "Structure - Agency" Modell von Anthony Giddens aus der britischen. Aus der Psychologie wird der kreativitätspsychologische Zugang aufgegriffen, wie er unter Rekurs auf den Begriff der Interaktion von Howard S. Gardner und Mihaly Cszikszenthmihaly entwickelt wurde.

All diese sich auch gegeneinander definierenden Traditionen unterscheiden sich wiederum von wissenschaftlichen Zugängen, wie man sie vornehmlich in den Wirtschaftswissenschaften findet und die sich dadurch auszeichnen, dass sie den Begriff der Gesellschaft für eine „fiktionale Entitiät“ (Murray Rothbard) halten, oder in ihm nichts anderes als eine Aggregation von Individuen sehen. Diese Vorstellungen, welche keine emergenten Effekte von Wechselwirkungen von Individuen und auch keine Prägungen durch überindividuelle Muster berücksichtigen, dienen als Kontrastfolie. Label, unter denen die radikaleren Varianten solcher Theorien heute firmieren sind Libertarismus, Paläolibertarismus oder auch Anarcholibertarismus, Denkstile, die eine Renaissance in jüngerer Zeit nicht zuletzt in den USA erfuhren. Ihre historischen Wurzeln liegen bei einem Ökonomen wie Ludwig von Mises. Im Seminar diskutieren wir zeitgenössische Ausformungen dieses radikalen Denkens, wie sie sich etwa in Denkstilen wie dem der Silicon Valley und Stanford University Ausgeburt Peter Thiel präsentieren.

Da soziale System wie Individuen sich auch über die Konstruktionen von Erinnerung -- individuelle wie kollektive - reproduzieren bzw. verändern wird auch dieser Aspekt, der an Zugänge in verschiedensten Disziplinen anschließen kann, als Thema des Seminars behandelt. Standardlektüre aus kognitionspsychologischer Perspektive ist etwa Daniel Schacter, aus kultur- und sozialwissenschaftlicher Aleida und Jan Assmann, Maurice Halbwachs, Erving Goffmann und Pierre Bourdieu.
Next appointment:
Friday, 2026-10-16 at 14:15