Nachhaltigkeit und Politik
Wie lassen sich Gesellschaft und Wirtschaft vorausschauend gestalten und gleichzeitig die natürlichen Lebensgrundlagen stabilisieren? Die Ko-Optimierung ökonomischer, sozialer und ökologischer Entwicklungen ist die Kernfrage einer nachhaltigen Politik. An der Professur wird diese Fragestellung in Forschung, Lehre und Praxis in fünf Themenfeldern bearbeitet.
Nachhaltige Entwicklung nach der Zeitenwende
Zeitenwende, Epochenbruch, disruptive Bedingung – mit diesen und ähnlichen Begriffen werden die (welt)gesellschaftlichen Veränderungen der jüngeren Zeit zu erfassen versucht. Geopolitische Konflikte und Neuordnungen, Autoritarismus und Populismus sowie technologische Schlüsselinnovationen, insbesondere Künstliche Intelligenz, verändern mit hoher Dynamik gesellschaftliche Bedingungen. Diese Entwicklungen setzen das vor 35 Jahren international vereinbarte Leitbild der Nachhaltigkeit unter Druck: die 2015 von der internationalen Völkergemeinschaft vereinbarten globalen Nachhaltigkeitsziele werden aller Voraussicht nach nicht erreicht; das 1.5 Grad-Ziel zur Begrenzung des Klimawandels erscheint kaum mehr realistisch; der Europäische „Green Deal“ wurde abgeschwächt; und Nachhaltigkeitsstrategien und -pläne werden an vielen Stellen in Politik und Wirtschaft depriorisiert. Vor diesem Hintergrund werden die Bedingungen, Herausforderungen und Potentiale einer nachhaltigen Entwicklung nach der Zeitenwende in Forschungsseminaren, Abschlussarbeiten, Promotionen sowie Forschungs- und Interventionsprojekten untersucht.
Nachhaltiger Staat
Die im Jahr 2015 von 193 Staaten bei den Vereinten Nationen beschlossene „Transformationsagenda 2030“ mit den 17 globalen Nachhaltigkeitszielen betont die besondere Verantwortung staatlicher Institutionen für eine nachhaltige Entwicklung. Dabei stellt sich die Frage nach der (Weiter-)Entwicklung von Strukturen, Prozessen und Instrumenten für eine nachhaltige Staatlichkeit. Vor diesem Hintergrund wird in dem Themenfeld die Nachhaltigkeitspolitik im politisch-administrativen Mehrebenensystem inklusive ihrer gesellschaftlichen Voraussetzungen und Wirkungen analysiert. Eine besondere Rolle spielen dabei auch die Bürgerbeteiligung und inter- und transnationale Dynamiken.
Nachhaltige Kommune
Seit dem Beschluss der Lokalen Agenda 21 wird Kommunen eine wichtige Rolle in der Ausgestaltung nachhaltiger Entwicklung zugeschrieben. Durch die kommunale Daseinsvorsorge finden wesentliche Bereiche nachhaltiger Entwicklung, unter anderem Nahversorgung, Bildung, Infrastruktur und Gesundheit, vor Ort statt. Über globale und nationale Ziele hinaus entwickelt daher eine wachsende Zahl von Kommunen Strategien, Programme und Strukturen für eine nachhaltige Entwicklung. Und auch für die Umsetzung internationaler Nachhaltigkeitsziele sind Kommunen entscheidend, denn diese sind ohne die Umsetzung in Kommunen nicht zu meistern.
Klimakrise und Transformation
Die Klimakrise erfordert eine tiefgreifende, sozial-ökologische Transformation der menschlichen Lebens- und Produktionsweise. Eine besondere Rolle spielt hier die Dekarbonisierung der Wirtschaft, denn ein Großteil der Treibhausgasemissionen wird direkt oder indirekt durch wirtschaftliche Betätigung verursacht. Dabei stellen sich eine Reihe von Fragen: Nach der betrieblichen Umsetzung und der Rolle von Unternehmen einerseits, sowie nach wirksamen Politiken zur Gestaltung gesamtgesellschaftlicher Transformationsprozesse andererseits. Sowohl unternehmerische als auch politische Entscheidungen sind eingebettet in gesellschaftliche Kontexte, die zu berücksichtigen sind.
Kulturelle Innovation und Kommunikation
Nachhaltige Entwicklung bedarf nicht nur politische Steuerung oder unternehmerisches Management, sondern auch kulturelle Veränderungen, beispielsweise in der Mensch-Natur-Beziehung. Für die Reflexion und (Weiter-)
Entwicklung von Wertvorstellungen und kulturellen Praktiken sind
Kommunikation und kulturelle Innovationen zentral. In diesem Themenfeld werden deshalb Arbeiten zur (politischen) Nachhaltigkeitskommunikation durchgeführt und Ansätze einer kunstbasierten, sensorischen Nachhaltigkeitsforschung erprobt, um kreative und ästhetische Dimensionen der Nachhaltigkeitstransformation einzubeziehen.
Inhaber der Professur
- Prof. Dr. Harald Heinrichs
MitarbeiterInnen
- Eric Hartmann
- Pia Redenius
Lehrbeauftragte
Dr. Norman Laws
Studentische Hilfskräfte
Antonia Kusterer
Philip van Styvenberg
Marie Wilkens
Assistenz
Ulrike Steffens
Universitätsallee 1, C11.216
21335 Lüneburg
ulrike.steffens@leuphana.de