Diskussionsveranstaltung: Transatlantische Beziehungen in der Krise?
29.04.2026 Das Joachim-Herz-Promotionskolleg lud Metin Hakverdi, Mitglied des Deutschen Bundestages und Koordinator der Bundesregierung für die transatlantische Zusammenarbeit, sowie Professor Dr. Heiko Meiertöns von der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung zu einer Podiumsdiskussion ein. Der Fokus ihres Gespräches lag zum einen auf dem Zustand der transatlantischen Beziehungen selbst, zum anderen aber auch darauf, wie sich das transatlantische Verhältnis vor dem Hintergrund multipler geopolitischer Herausforderungen verhält und entwickelt.
Professor Meiertöns analysierte die gegenwärtige U.S.-amerikanischen Sicherheits- und Außenpolitik, die sich unter der Trump-Administration eigentlich verstärkt auf die westliche Hemisphäre konzentrieren wollte. Durch den „Trump-Corollar“ zur Monroe-Doktin wird die Souveränität ateinamerikanischer Staaten in Frage stellt. Europa hingegen werde als im „civilisational decline“ befindlich angesehen. Die nichtsdestotrotz weiterhin vorhandene wirtschaftliche Stärke Europs müsse jedoch besser eingesetzt werden, da die US-Regierung überzeugt sei, dass „Russland primär ein Problem ist, das von Europa gemanaget werden muss“. Heiko Meiertöns ging anschließend auf die Iran-Krise ein und stellte die Frage, wie Deutschland mit einer US-Administration umgehen soll, die (in Person ihres Kriegsministers) „offen humanitär-völkerrechtswidriges Verhalten propagiert – sowie einen Warrior Ethos".
Metin Hakverdi sprach die gegenwärtigen Schwierigkeiten innerhalb des transatlantischen Verhältnisses aus der Sicht der Politik an. Er stellte heraus, dass Deutschland und Europa ihre Sicherheit derzeit nicht allein garantieren können und von den Vereinigten Staaten abhängig sind. Gleichzeitig sehnten sich die Europäer nach einer starken regelbasierten internationalen Ordnung, während die Trump-Administration diese systematisch untergräbt. Angesichts dieser Widersprüche müsse Europa sein Mindset ändern, mehr Eigenständigkeit wagen und mehr eigene Souveränität entwickeln: sowohl in in technologischen und wirtschaftlichen als auch in sicherheitspolitischen Belangen. Das allerdings sei eine sehr herausfordernde Aufgabe, bilanzierte Metin Hakverdi.
Trotz aller Bedenken war sein Blick auf die transatlantischen Beziehungen und auf ihre Zukunft kein negativer. Die engen wirtschaftlichen und politischen Verflechtungen, der Umstand, dass Deutschland und Europa außerhalb der US-Administration weiterhin sehr positiv wahrgenommen werden, und dass sich die politische Situation in den Vereinigten Staaten bereits mit den Midterms entscheidend ändern kann, lassen Raum für Hoffnung. Nichtsdestotrotz betonte Metin Hakverdi, dass es unser Ansporn sein muss, mehr Souveränität zu erlangen, um weiteren politischen Spielraum auf der internationalen Ebene zu generieren und dadurch Mitspracherechte und Einfluss zu erlangen. Nur auf diesem Wege könnten Deutschland und Europa effektiv für den Erhalt einer regelbasierten internationalen Ordnung eintreten.
Die Veranstaltung fand als Teil der Vorlesungsreihe „Die Vereinigten Staaten im Wandel“ des Joachim-Herz-Promotionskollegs sowie des Veranstaltungsprogrammes des Leuphana Center for Cooperative Security statt.


