PLUS
PRAXISORIENTIERTES LERNEN AN DER UNIVERSITÄTSSCHULE
Was ist PLUS?
Das Projekt PLUS denkt die Lehrkräftebildung neu, praxisorientierter und forschungsbasierter!
Was macht gute Lehrkräfte heute aus? Gespräche führen, Beziehungen aufbauen und Schule innovativ weiterentwickeln? Wie können Studierende handlungskompetent werden,wenn wissenschaftliches Lernen und Praxiserfahrungen von Anfang an systematisch verknüpft sind und Studierende sich ab dem ersten Semester im Schulalltag erproben? Das Projekt PLUS entwickelt ein neues Studienprofill für die Lehrkräftebildung, in dem wissenschaftlich fundierte Professionalisierung sowie praktisches Erproben und Üben an einer oder mehreren regionalen Schulen von Beginn an zusammengehören.Das Projekt kann dabei auf dem bestehenden Netzwerk der Leuphana-Campusschulen aufbauen. Langfristig kann sich daraus schrittweise eine regionale Struktur bis hin zu einer Universitätsschule entwickeln.
Was ist an PLUS besonders?
Die Idee einer Universitätsschule ist am Konzept der Universitätsklinik angelehnt: Angehende Ärzt*innen sammeln hier praktische Erfahrungen in einem Umfeld, das klinische Versorgung, medizinische Forschung und Lehre miteinander verbindet. Sie erwerben berufspraktische Kompetenzen unter wissenschaftlicher Anleitung – direkt am realen Anwendungsfall. Studierende, Forschung und Patient*innen profitieren. Übertragen auf die Lehrkräftebildung bedeutet das: Eine Universitätsschule verknüpft Schulentwicklung, Qualifizierung und praxisorientierte Bildungsforschung. Auch hier profitieren alle Beteiligten: Schüler*innen, Studierende und Wissenschaft.
Im Zentrum von PLUS steht dabei nicht einfach „mehr Praxiszeit“, sondern die reflektierte Einbindung von Praxis in die Ausbildung. Dieser Ansatz wird auch als practice-based teacher education bezeichnet. Ein wichtiger Bestandteil sind sogenannte Core Practices – zentrale Tätigkeiten guten Unterrichts, etwa Beziehungen zu Schüler*innen aufbauen, etwas Neues erklären, Feedback geben oder Diskussionen moderieren. Diese werden gezielt im echten Unterrichtsalltag einer Schule trainiert und mit den neuesten technologischen Möglichkeiten (Virtual-Reality-Simulation oder Videofeedback).
Die beteiligten Schulen, ziehen direkten Nutzen: Durch den kontinuierlichen Austausch zwischen Lehrkräften, Studierenden, Wissenschaft und Stadt, werden Unterrichtsformate gemeinsam entwickelt, erprobt und verbessert – immer orientiert an den konkreten Bedarfen der Schule. Auf diese Weise kann die Schul- und Unterrichtsentwicklung professionalisiert und avisierte Projekte, etwa zur Leseförderung oder zur Feedbackkultur, systematisch umgesetzt werden.
So entsteht ein gemeinsamer Entwicklungsraum: Alle Beteiligten lernen wie Schule anders und innovativer gestaltet werden kann. Sie sind Teil eines modellhaften Transformationsprozess, der zeigt, wie nicht nur Lehrkräftebildung, sondern auch Schule zum Vorteil aller neu und konstruktiv gestaltet werden kann.
Welche Ziele verfolgt das Projekt?
PLUS schafft Mehrwert auf drei Ebenen:
• Für Studierende
Studierende erlernen zentrale Core Practices in realen Unterrichtssituationen – nicht punktuell, sondern als kontinuierlicher Entwicklungsprozess, der echte Übungsgelegenheiten und Feedback ermöglicht, und entwickeln so ihre professionellen Fähigkeiten schrittweise weiter.
• Für die Wissenschaft
Es entsteht ein Curriculum wissenschaftlich fundierter Trainingsangebote, das zunächst in sieben ausgewählten Bereichen der Lehrkräftebildung erprobt wird.
• Für die Schule
Die enge Zusammenarbeit zwischen schulischer Praxis und Wissenschaft ermöglicht neue Impulse für den Schulalltag. Lehrkräfte können sich ggf. zeitweise in die Wissenschaft abordnen lassen, um mitzugestalten und neue Ideen für den Unterricht und die Schulentwicklung mitzunehmen. Gleichzeitig fließen die Erfahrungen der Schulen direkt in die Entwicklung praxisnaher und wissenschaftliche fundierter Lösungen ein. Die Schüler*innen profitieren von vielfältiger Lehr- und Entwicklungsexpertise und neuen Betreuungsmöglichkeiten.
Was ist eine Universitätsschule?
Einzelne Standorte in Deutschland, etwa in Köln und Dresden, haben bereits Universitätsschulen gegründet. In der Community der Bildungsforschung ist dieses Modell jedoch noch nicht flächendeckend angekommen und steckt im deutschsprachigen Raum noch in einer frühen Entwicklungsphase. Je nach Standort kann sich das Verständnis einer Universitätsschule unterscheiden.
Unsere langfristige Vision für Lüneburg ist es, eine Universitätsschule von Klasse 1 bis 13 zu entwickeln, an der Studierende systematisch und kontinuierlich an der Praxis lernen und wissenschaftlich fundierte, zeitgemäße Schul- und Unterrichtskonzepte planen, erproben und evaluieren.
Die beteiligten Schulen können sich in diesem Rahmen beispielsweise Projekte wie das lange gemeinsame, individuelle Lernen der Schüler*innen ohne Notendruck oder neue, flexiblere Arbeitszeitmodelle für Lehrkräfte vornehmen. Wir wollen das gemeinsam realisieren.
Wie läuft das Projekt ab?
PLUS folgt einem Design-Based-Research-Ansatz (DBR): Das bedeutet, das Studienprofil wird nicht einmalig entwickelt und unverändert umgesetzt, sondern fortlaufend in der Praxis erprobt, wissenschaftlich begleitet und auf dieser Basis weiterentwickelt. Geplant ist die Integration des Studienprofil in den bestehenden Bachelorstudiengang Lehren und Lernen. Angedacht sind rund 30 Studierende, die von etwa 10 erfahrenen Lehrenden in den praxisorientierten Trainingseinheiten begleitet werden. Der Erfolg wird durch umfassende Erhebungen kontinuierlich überprüft – sowohl begleitend (formativ, zur laufenden Verbesserung) als auch abschließend (summativ, zur Bewertung der Wirksamkeit). Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung ein, ganz im Sinne des DBR-Ansatzes: Erproben, evaluieren, verbessern – im fortlaufende Entwicklungs- und Evaluationskreislauf.
Um die zentralen Akteursgruppen zu verbinden, wird zudem eine Innovation Community aufgebaut: Studierende treten in den Austausch mit (inter-)nationalen Akteur*innen aus Kommune, Landkreis, Schulen, Universitäten, Ministerien und Behörden. Ziel ist ein Netzwerk, das die verschiedenen Perspektiven des Bildungssystems zusammenbringt und eine bessere Theorie-Praxis-Vernetzung ermöglicht.
Wie wird das Projekt gefördert?
Das Projekt wird im Rahmen des Programms „Die Welt ist mein Campus“ der Stiftung Innovation in der Hochschullehre (STIL) gefördert (Fördersumme: 3,4 Mio Euro). PLUS ist eines von 37 ausgewählten Hochschulprojekten, das Studierende in ihrer Rolle als zukünftige Verantwortungsträger*innen stärken will. Hochschulen erhalten im Rahmen dieser Förderung die Möglichkeit, ihr Studiengangportfolio neu auszurichten, indem Studiengänge – insbesondere ihre Curricula – weiterentwickelt, reformiert, ersetzt oder neu etabliert werden. Gefördert werden vor allem Modellvorhaben mit hohem Transferpotenzial.
Wie kann ich mitmachen?
Für PLUS suchen wir engagierte Menschen aus Wissenschaft und Schule, die an innovativer Lehrkräftebildung interessiert sind, diese mitgestalten möchten und ihre Ideen und Erfahrungen aktiv in die Weiterentwicklung des Projekts einbringen wollen.
Abordnungen oder Teilabordnungen aus dem Schuldienst sind ausdrücklich willkommen.
Es sind insgesamt 9 Stellen ausgeschrieben.
- 5 x Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (EG13 TV-L, 100%, befristet bis 30.06.2030)
- 1x Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (EG13 TV-L, 100%, befristet bis 30.06.2030)
- 1x Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen (EG14 TV-L, 100%, befristet bis 30.06.2030)
- 1x Mitarbeiter*in Wissenschaftskommunikation (EG13 TV-L, 50%, befristet bis 30.06.2030)
- 1x Wissenschaftliche Mitarbeiter*in (EG13 TV-L, 50%, befristet bis 30.06.2030)
Bei Rückfragen nehmen Sie gerne Kontakt zu Prof. Dr. Marc Kleinknecht auf.