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Aktuelle Lehrveranstaltungen

Prof. Dr. Rolf Großmann

›Schöne Musik?‹ Ästhetische Positionen zur Auditiven Gestaltung


Schönheit kennen wir aus kulturwissenschaftlichen Zusammenhängen als relativierbaren Begriff, der ganz vom individuellen, sozialen und historischen Ort der Betrachter*in abzuhängen scheint. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Schönheitsbegriff vollständig infrage gestellt.

Für Plato dagegen ist – wie er Sokrates sagen lässt – das Erkennen von Schönheit bereits in der Seele des Menschen angelegt. Das Schöne, Wahre, Gute existiert vor allen kulturellen und sozialen Prägungen und will erkannt und angestrebt werden.

Wie sind unsere eigenen Erfahrungen mit der Schönheit, insbesondere mit „schöner Musik“?

In diesem Spannungsverhältnis wird der Diskurs des Seminars stattfinden.

Zu diesem Zweck werden wir zu jeder Sitzung von jeder Teilnehmer*in drei passende 'schone' Musikbeispiele in einen Musikpool werfen, aus dem wir uns bedienen können. Dazu wird sich jede Sitzung mit einem Text zum Schönheitsbegriff und dem sich darum gebildeten Diskurs auseinandersetzen.

Lesen werden wir Texte nach Ihrem Interesse und Vorschlägen, darunter vielleicht:

Plato / Kant "das Erhabene"/ Baumgarten / Hegel (Positionen der klassischen Philosophie des Schönen)

Eduard Hanslicks berühmtes Traktat „Vom Musikalisch-Schönen“

Th.W. Adorno (Autonie- und Warenästhetik)

Peter Bürger (Das Fragmentarische)

Nikas Luhmann (Systemtheorie)

Carl Dahlhaus (Historismus)

S.J. Schmidt (Konstruktivismus)

weitere aktuelle Autor*innen

Noch etwas: Warum steht im Titel 'Auditive Gestaltung' und nicht 'Musik'? Weil wir uns gerade nicht auf den klassischen Kanon der Kunstmusik beschränken, sondern die Positionen ästhetischer Theoriebildung auch in pop- und medienmusikalischer Praxis wiederfinden wollen.

Instrumentalities


Dass eine Geige oder eine Flöte ein Musikinstrument ist, scheint unzweifelhaft. Wir nutzen diese Gegenstände seit Generationen, um Klänge zu produzieren. Was ist jedoch mit Gegenständen, Umgebungen und Prozessen, die nicht primär musikalisch motiviert waren und heute ganz selbstverständlich zum Musizieren und zur auditiven Gestaltung genutzt werden? Plattenspieler, Laptops, DAWs, Max Patches, Sensorik und vieles andere werden zu instrumental-medialen Umgebungen, die in Konzerten, Installationen und Sound Art an der Funktion der vormaligen Instrumente teilhaben. Spätestens seit Pierre Schaeffers Tonbandinstrumenten der 1950er Jahre, dem „Phonogene“ und dem Morphophone“, die aktuell in der Szene der Modularsynthesizer ihr Comeback erleben, stellt sich die Frage nach dem Instrumentcharakter, der „Instrumentalität“, technischer Medien.

Ziel: Ziel ist es, Kriterien eines zeitgemässen Musikinstrumentenbegriffs zu erarbeiten. Unsere heutigen digitalen Instrumente unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den historischen. Die um 1900 vorgeschlagene Definition von Hornbostel/Sachs der „Elektrophone“ hilft da kaum weiter, so dass wir grundsätzlich nach kulturellen Funktionsweise eines Musikinstruments und neuen Definitionskriterien fragen wollen. Mit dem Band “Musical Instruments in the 21st Century” (s. Literatur auf der Webseite) ist 2016 ein wegweisender Sammelband zu diesem Thema erschienen, der eine Textgrundlage zum Seminar bilden wird. Als Seminarleiterin wird u.a. die Mitherausgeberin dieses Bands, Sarah Hardjowirogo dabeisein.

Computer als Medium Gruppe B


Überblicksveranstaltung über die grundlegenden Aspekte des medialen Wandels zu den digitalen Medien unter besonderer Berücksichtigung der Praxisseminaren erarbeiteten Mediensparten. Die Studierenden führen sich gegenseitig ihre Arbeitsergebnisse und theoretischen Reflexionen vor.

Sitzungsthemen:

0 Einführung

Vorstellung der Themen / Präsentation von Produktionen aus den Praxisseminaren

1 Das Rechnen der Medien

Sprache vs. Programm: Kalkül / Programm / Algorithmik / Sprachlichkeit

2 Die Geschichte der Medien

Gestaltung / Ästhetik I: Wandel Analog - Digital

3 Die Verfügbarkeit der Medien

Access / Verfügbarkeit der Produktionsmittel / Bedroom Producing

4 Die Sozialität der Medien

‚web 2.0‘ / social networks / social agency

5 Das geistige Eigentum in den Medien

Urheberrecht / Intellectual Property / Open Source / Creative Commons

6 Die Realität der Medien

Gestaltung / Ästhetik II: Medienrealität / Konstruktivität / Materialität

Ziel: Die unterschiedlichen konkreten Ausprägungen des Computers als Medium aus dem ersten Teil des Moduls werden hier im zweiten Teil der ganzen Gruppe vorgeführt. Im Seminargespräch wird geklärt, welche Zusammenhänge zwischen den auf den ersten Blick so divergierenden Phänomenen digitaler Medien bestehen.

Medienliteralität


Praxisorientierte Zusammenführung und Reflexion der individuellen Studienschwerpunkte in einer Anwendung/Präsentation unter Verwendung digitaler Medien; Erprobung von thematischen Clustern sowie Modellen der Präsentation und Kooperation. Erprobung experimenteller Verfahren in der Gestaltung von Interfaces und ästhetischen Artefakten.

Ziel: Erstellung einer multimedialen Präsentation bzw. 'digitalen Mappe' als Dokumentation und Reflexion des gewählten Studienschwerpunkts. Erwerb fortgeschrittener Medienkompetenz im Umgang mit digitalen Medien und Programmtools.

Masterkolloquium medialer Wandel / auditive Kultur


Die Veranstaltung wendet sich an alle Studierenden, die im thematischen Bereich der Sound Studies oder Medienkulturen/-technologien des Wandels ihre Masterarbeit schreiben möchten. Da die Vertiefung Sound Studies ausläuft, bitte ich insbesondere alle Studierenden dieser Vertiefungsrichtung um Teilnahme, auch wenn sie noch nicht in der Prüfungsphase sind. Da ich im Wintersemester 2021 bereits in Pension sein werde, bietet dieses Masterforum noch eine gute Gelegenheit, Ihre Masterarbeit gemeinsam mit mir zu planen. (Für die abschließende Betreuung von Examensarbeiten werde ich auch über den September 2021 hinaus zur Verfügung stehen.)

Weitere Angaben zu den Lehrveranstaltungen finden Studierende im Studienportal myStudy.