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Professur für Philosophie der Gegenwart

Unter einer Philosophie der Gegenwart verstehen wir den Versuch, durch philosophische Arbeit einen Beitrag zur Analyse und Kritik gegenwärtiger Verhältnisse zu leisten. Dieses Anliegen setzt zunächst eine Haltung der Zuwendung und Durchlässigkeit der Welt gegenüber voraus: Eine Philosophie der Gegenwart muss sich den krisenhaften Bedingungen der Gegenwart stellen und den Anspruch verfolgen, in eine politische Öffentlichkeit hineinzuwirken. Sie steht somit im Dialog mit sozialen Bewegungen, lernt von ihnen und lässt sich von ihnen befragen. Zugleich aber bedarf es für eine Philosophie der Gegenwart auch einer Bewegung der Distanznahme, um die eigene Erfahrung und gesellschaftliche Position reflexiv in den Blick zu bekommen, die Urteilskraft zu schärfen und neue Perspektiven und Begriffe für das Verständnis gegenwärtiger Verhältnisse zu gewinnen. Diese Distanznahme beinhaltet auch den Anspruch, die Reflexion und (Selbst-)Kritik sozialer Bewegungen anzustoßen bzw. zu stärken.

So steht an der Professur die Arbeit an Begriffen im Zentrum, die unsere politische, soziale und kulturelle Gegenwart prägen – etwa „Repräsentation“, „Familie“, „Identität“ oder „Eigentum“. Dies sind Begriffe, die für eine kulturwissenschaftliche Analyse der Gegenwart von Bedeutung sind, deren Verständnis sich allerdings durch historische und philosophiehistorische (Re-)Kontextualisierung erweitern und verdichten lässt. Ihre Genealogien und Verschiebungen können sichtbar machen, was an gegenwärtigen Ordnungen umkämpft und veränderbar – oder auch, umgekehrt, festgefahren – ist. Damit ist für die Tätigkeit der Professur auch ein Verständnis von Philosophiegeschichte entscheidend, das diese von der Gegenwart her begreift: So wirft jede Gegenwart eigene Fragen an überlieferte Begriffe und Texte auf, macht neue Probleme und Leerstellen sichtbar und zwingt dazu, sich immer wieder neu mit Philosophiegeschichte und ihrer Kanonisierung auseinanderzusetzen. In dieser Hinsicht ist für uns etwa die Auseinandersetzung mit dem Erbe der europäischen Aufklärung zentral: Wie ist heute – mit Blick auf gegenwärtige Herausforderungen und grundlegende Kritiken der Aufklärung – mit diesem Erbe umzugehen? Wie lässt sich daran weiterdenken, um zu einer selbstkritischen Aktualisierung von Begriffen wie „Freiheit“ und „Gleichheit“ zu kommen, die womöglich auch heute noch entscheidende normative Ressourcen darstellen?

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