Archipelago Lab

Wohin können bereits begonnene Wege führen, wo lassen sich alte Verbindungen erneuern und neue erschaffen? Das Lab und seine Offenheit für Veränderung geben uns den Raum, Strukturen zu durchbrechen und neue Denkpfade zu entdecken.

Das Ar­chi­pel­agoLab hat zum Ziel neue Al­li­an­zen, Af­fi­nitäten und Be­zie­hun­gen zwi­schen un­ter­schied­li­chen wis­sen­schaft­li­chen, künst­le­ri­schen und ak­ti­vis­ti­schen Prak­ti­ken zu eröff­nen. es ist ein Ort der Bewegung, ein Zwischenraum an einer Universität, die sonst in Seminarräume und Hörsäle, Büros und Labore eingeteilt ist. Es bietet die Chance, Grenzen zwischen Lehre und Lernen, zwischen Labor und Lesesaal verschwinden zu lassen. Im Schaffen eines Ortes, außerhalb der existierenden Normen und standardisierten Verfahren, kann das Erleben - welches zugleich sinnlich, als auch sinngebend zu verstehen ist - die Binarität zwischen Theorie und Praxis aufbrechen und den Prozess selbst ins Zentrum stellen.

Um der Kom­ple­xität von Kul­tur (im wei­tes­ten Sin­ne des Be­griffs) ge­recht zu wer­den, fußt das Lab auf ei­ner ge­teil­ten Emp­fin­dung, dring­li­che An­lie­gen un­se­rer Ge­gen­wart in ih­rer Kom­ple­xität jen­seits be­kann­ter Zugänge zu er­fas­sen.

Wie lassen sich politische Diskurse als ästhetische Ausdrucksweisen verstehen?
Wie können künstlerische Verfahren abstrakte Sachverhalte empfindbar machen und transformieren?
Welche Formen der Wissensgenerierung entstehen in kollektiven Prozessen des Experimentierens?
Welche Rolle spielen sinnlich-materielle, umweltliche und mediale Bedingungen von Erfahrung?

Als ein Knotenpunkt transversaler Bewegungen, als Ort der Relationen, möchten wir das Lab für euch und jeden offen halten, der seine Ideen einbringen und teilen möchte. Denken wir uns als Gemeinschaft, so ist was uns eint, nicht das Gleiche, nicht das sich in einander Fügende, vielmehr sind es gerade die differenziellen Strömungen, welche eine Vielzahl an Verbindungen ermöglichen.

Die aktiv eingebrachten Impulse und die Teilhabe an Prozessen eröffnen ein Erleben im Kollektiv als Praxis, um Zugänge zu aktuellen theoretischen, politischen und kulturellen Diskursen zu erweitern.

Wer ist das Lab?

Seit Sommer 2016 wurden das Lab unter der Leitung von Christoph Brunner und der Koordination durch Sophie Peterson ins Leben gerufen. Seit Sommer 2019 hat sich ein kleines organisatorisches Kollektiv zusammengefunden, das den Wunsch nach selbstorganisierten Praktiken und eine auf Partizipation basierte Kultur weiter vorantreiben möchte. Veranstaltungen in diversen Formaten, Lesekreise, Screenings und Workshops aber auch viele Abende mit externen Gästen haben die letzten drei Jahre immer wieder die Grenzen curricularen und konsumierenden Lernens überschritten. Auf diese Weise kollektiv und experimentell zu planen und umzusetzen ist unser Anspruch für die Zukunft.

Um es mit Deleuze zu sagen:

"penser c’est écouter la vie“
(denken bedeutet dem Leben zuhören)

Du möchtest dich am ArchipelagoLab beteiligen?

Wundervoll! Schreib uns einfach eine Mail an archipelagolab@leuphana.de, um zu erfahren, wann wir das nächste offene Treffen haben oder schnack uns nach einer unserer Veranstaltungen gerne an. Für mehr Informationen, kannst du ebenfalls gerne hier schauen.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich im Lab zu beteiligen - ob im Planungskollektiv, bei einzelnen Veranstaltungen oder Projekten. 

Dabei unterstützen wir dich gerne! Anfragen nehmen wir gerne über unsere Mailadresse, archipelagolab@leuphana.de, entgegen. Für alle Veranstaltungen gelten gewisse Grundsätze, die du am Ende dieses Abschnitts findest. Nach der Anfrage können wir gemeinsam besprechen, inwiefern sich das Lab organisatorisch einbringt oder ob wir dir einfach den Raum zur Verfügung stellen.

Zum Ende eines Semesters planen wir die Veranstaltungen des darauffolgenden Semesters. Wenn du zu diesem Zeitpunkt bereits weißt, dass du jemanden einladen möchtest, kannst du dich gerne an uns wenden. Mit dem zeitlichen Vorlauf können wir meistens sicherstellen, dass deine Veranstaltung ausreichend finanziert werden kann und dir dein Wunschtermin auch freigehalten wird. Du bekommst von unserer Seite außerdem Unterstützung beim Werben der Veranstaltung.

Bei kurzfristigen Anfragen, wie zu Beginn oder im Semester, können wir dir gerne den Raum stellen und dich bei der Bewerbung der Veranstaltung unterstützen. Jedoch können wir nicht sicherstellen, dich finanziell bei der Durchführung der Veranstaltung zu unterstützen, oder deine Veranstaltung in das reguläre Semesterprogramm aufzunehmen.

Du möchtest eine Person oder eine Gruppe für einen Vortrag oder einen Workshop einladen.

Wenn du spannende Wissenschaftler*innen oder Künstler*innen kennst oder eine Arbeit gesehen oder gelesen hast und unbedingt mehr darüber erfahren möchtest, kannst du gerne mit uns diese Personen oder Gruppen einladen. Hier empfehlen wir dir besonders möglichst frühzeitig auf uns zuzukommen, aufgrund der besseren Planbarkeit des übergreifenden Semesterthemas und etwaigen Honorarkosten der Gäste. Wenn du uns kontaktierst, können wir gemeinsam besprechen, inwiefern die Veranstaltung im Rahmen des Labs stattfinden kann.

Du hast ein bestimmtes Thema, Film(e) oder Buch, mit dem du dich länger beschäftigen möchtest.

Wenn dich ein bestimmtes Thema, ein oder mehrere Filme oder ein Buch brennend interessiert, dann gibt es die Möglichkeit, einen Lesekreis eine Diskussionsreihe oder eine Filmreihe daraus zu konzipieren. Diese kannst du entweder selbst entwickeln und uns dann mit einer konkreten Anfrage zu uns kommen, oder wir entwickeln etwas gemeinsam aus deiner Idee oder Interesse.

Du brauchst einen Raum für Proben oder für Schreibprozesse.

Es gibt ebenfalls die Möglichkeit, den Raum für andere Dinge als Vorträge, Workshops oder Reihen zu nutzen. Falls du einen Raum für Proben brauchst, schreib uns bitte, worum es geht und wir werden schauen, wie wir dich unterstützen können. Wenn du einen Raum benötigst, um für ein Projekt von dir mit Freund*innen zu schreiben, dann bieten wir dir gerne an, dass ihr euch zu bestimmten Zeiten ins Lab setzen könnt. Schreibwerkstätten sind hier ebenfalls denkbar.

Wichtig ist hier, dass das Lab kein gemütliches Pendant zu der Bibliothek oder zu Seminarräumen darstellt. Gruppentreffen für Präsentationen für die Uni, regelmäßiges Schreiben von Hausarbeiten oder lernen für Prüfungen sollten nach Möglichkeit woanders stattfinden.

Grundsätze

Die Veranstaltungen, die bei uns stattfinden, laufen unter bestimmten Bedingungen ab. Es ist uns wichtig einen möglichst offenen Raum zu gestalten. Das heißt, Rassismus, noch Sexismus oder andere Diskriminierungsarten haben bei uns nichts zu suchen und sollen nach besten Bemühen keinen Raum haben. Zudem legen wir großen Wert auf eine freundliche und generöse Umgangsweise miteinander und mit unseren Gästen. Kritische Arbeit ist uns wichtig, jedoch bemühen wir uns diese als einen produktiven, nicht negativ und destruktiven, Prozess zu gestalten. Alle Veranstaltungen im Lab haben den Anspruch ethische und ästhetische Dimensionen mit gesellschaftlich aktuellen Themen zu verbinden.   

Formate

Lab Plenum

Ein of­fe­nes For­mat zur ge­mein­sa­men Re­fle­xi­on und Pla­nung. Dies ist auch der Ort um ge­mein­sam über Vor­schläge, For­ma­te und neue Ide­en ge­mein­sam zu dis­ku­tie­ren. Je­de_r ist herz­lich will­kom­men!

Study Night

Gemeinsam eine lan­ge Nacht des Stu­dy ver­brin­gen! Stu­dy, ein zen­tra­ler Be­griff des Buchs The Un­der­com­mos, meint hier dann we­ni­ger ein Ler­nen von den Leh­ren­den son­dern viel eher et­was Ge­mei­nes, das dem Den­ken im­ma­nent ist - nicht als com­mon sen­se, son­dern viel­leicht eher als com­mon dis­sens

Hanging out with...

Mit die­sem For­mat möch­ten wir vor­schla­gen, an­stel­le ei­nes zusätz­li­chen stren­gen Le­se­pen­sums mit in­ten­si­ver Vor­be­rei­tungs­zeit, ge­mein­sam Zeit zu ver­brin­gen, sich Zeit zu neh­men und sich auf kol­lek­ti­ve Pro­zes­se des Er­kun­dens ein­zu­las­sen. Dazu brin­gen Gäste Ma­te­ri­alstücke mit, die wir ge­mein­sam an­schau­en und dis­ku­tie­ren - oder von ih­nen ab­schwei­fen.

Dokumentieren am Donnerstag

Mit "Do­ku­men­tie­ren am Don­ners­tag" möchten wir die Möglichkeit eröffnen, aus­gewählte Do­ku­men­ta­tio­nen und Fil­me zu zeigen, die wir für kul­tur­wis­sen­schaft­lich zen­tra­le Ar­bei­ten hal­te, wobei auch viel Raum vorhanden ist, welchen ihr ger­ne mit eu­ren Vor­schlägen ergänzen könnt. Ziel ist es Do­ku­men­ta­ti­on und Film als wich­ti­ges Re­fle­xi­ons­mo­ment der Kul­tur­wis­sen­schaf­ten zu eröff­net.

Begriffe

Archipel

Das Archipel ist eine offene und zugleich relational gefasste Geographie. Es ist ein Raum mit Inseln, die seine Existenz ebenso prägen wie die Gewässer zwischen ihnen. Ein Archipel ensteht aus seinen Relationen, aus seinen Zwischenräumen, aus der Bewegung und dem Hervortreten neuer Resonanzen. Sprechen wir vom Archipel als einen experimentellen Ort so geht dieser zugleich mit einer Poetik der Zeitlichkeit einher. Wie erhebt das Archipel nicht den Anspruch auf originäre Definitionen und bringt trotzdem immer wieder neue Relationen hervor? Wie wird es zu einem Ort, der sich zugleich immer im Werden befindet? Wie sind es Relationen, die sich affizieren und ein Archipel als emergent, temporär und doch greifbar hervorbringen?

Activist Sense

Gegen das Wiederaufleben neuer großer Erzählungen der Krise, der Depression oder dem Ende der Demokratie - vielmehr hin zu einer generellen Verlagerung der Wahrnehmung zum Minoritären, Molekularen oder Minuziösen. Wege zum „Zeit gestalten“ eröffnen, sich in der Bewegung repositionieren und träumend Formen eines zukünftigen Gedächtnisses produzieren.

Die Wahrnehmung von Praktiken, von Zeit und dem immanenten Erträumen anderer Lebensweisen, bilden den Ausgangspunkt für eine Erkundung dessen, was wir Activist Sense nennen möchten. Mit diesem Begriff verknüpfen wir die Fragen nach Aktivität und Aktion, dem Aktivismus immanent, mit der Frage des Sinns, in seiner doppelten Bedeutung, als Sinnliches und als Sinngebendes. Der Semesterfokus auf Activist Sense bringt zwei zentrale Anliegen zusammen, die für das Verständnis des ArchipelagoLabs von transversalen Praktiken unerlässlich sind: Einerseits widmen wir uns der Frage von Sinn und dem Sinnlichen durch eine dezidiert post- und dekoloniale sowie feministische Perspektive und in Verbindung mit widerständigen Epistemologien und Ontologien, die das (große) westliche Narrativ von Wissen und Erfahrung unterwandern. Andererseits lässt sich eine solch spezifische Perspektive nicht trennen von dem Vermächtnis (und der Hegemonie) westlich theoretischer Diskurse, weswegen wir uns gleichzeitig mit Modi immanenter Kritik beschäftigen wollen. Eine solche Kritik bewegt sich unterhalb eines klassisch kanonischen Verständnisses von Kritik in Kulturtheorie und okzidentaler Philosophie.