Selbstsicher durch das Gespräch

Ein Vorstellungsgespräch lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. Je nach Unternehmen, Branche oder zu besetzender Stelle können die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich ausfallen. Im Folgenden stellen wir Ihnen einen typischen Ablauf vor, an dem Sie sich orientieren können:

Begrüßung

Bei der Begrüßung hat der erste Eindruck ein großes Gewicht. Der Händedruck ist dabei ein wichtiges Begrüßungsritual. Er sollte kurz und fest ausfallen, aber nicht zu forsch oder rücksichtslos. Auf dem Weg zum Gesprächsraum findet meistens Small Talk statt, um die Situation aufzulockern. Da die ersten Momente des Kennenlernens nicht unterschätzt werden sollten, sind Freundlichkeit und Höflichkeit ein guter Weg, um Sympathie zu erwecken. Im Gesprächsraum angekommen sollten Sie erst Platz nehmen, wenn Ihnen dieser angeboten wird. Die Frage nach dem Getränkewunsch sollten Sie unbedingt mit „ja“ beantworten, um nicht zurückweisend zu wirken. Im Gesprächsraum angekommen setzt sich der Small Talk in der Regel noch ein wenig fort. Diesen können Sie nutzen, um Ihre Nervosität abzubauen und im Raum anzukommen.

Kennenlernen

In der Kennenlernphase stellen sich die Gesprächsteilnehmer jeweils kurz einander vor. Merken Sie sich die Namen oder machen Sie sich Notizen, um die Anwesenden im weiteren Gesprächsverlauf persönlich anzusprechen. Zum Kennenlernen gehört auch die Darstellung des Unternehmens mit seinen Produkten oder Dienstleistungen, seinen Zielvorstellungen wie auch die Skizzierung des Tätigkeitsspektrums der angestrebten Position. Diese Informationen können sehr wichtig sein, weil sich aus ihnen möglicherweise Tendenzen für das Aufgabenfeld ablesen lassen, auf die Sie sich im folgenden Gespräch beziehen können.

Typische Fragen im Gespräch

  • Fragen zur Motivation
  • Fragen zum Kompetenzprofil
  • Fragen zur Persönlichkeit
  • Weitere typische Fragen
  • Eigene Fragen

Typische Fragen im Gespräch

Fragen zur Motivation

Neben der fachlichen Qualifikation will ein Arbeitgeber wissen, wie stark Sie motiviert sind – bewerben Sie sich auf Ihren Traumjob oder ist er für Sie nur eine Verlegenheitslösung. Gefragt sind vor allem Bewerber/-innen, die sich mit ihren beruflichen Aufgaben identifizieren können. Motivierte Kandidaten/-innen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich selbst berufliche Ziele stecken, auf deren Erreichen hinarbeiten und besser mit Rückschlägen umgehen können als unmotivierte Kandidaten/-innen. Geben Sie besser konkrete Beispiele. Machen Sie deutlich, dass Sie schon immer über eine hohe Eigenmotivation verfügt haben, indem Sie begründen, warum Sie sich für Ihre Ausbildung oder Ihr Studium entschieden haben. Legen Sie sich zusätzlich passende Beispiele zurecht, was Sie bei der Erledigung Ihrer beruflichen Aufgaben antreibt und woraus Sie Kraft schöpfen. Typische Fragen sind:

  • Warum haben Sie sich für Ihr Studium entschieden?
  • Was motiviert Sie bei der täglichen Arbeit?
  • Aus welchen Gründen haben Sie sich auf diese Stelle beworben?
  • Was erwarten Sie von dieser Stelle und vom Arbeitgeber?
  • Welche Weiterbildungen möchten Sie noch in Angriff nehmen?
  • Wo wollen Sie in 5 Jahren stehen?

Fragen zum Kompetenzprofil

Auch wenn Sie sich in Ihren Bewerbungsunterlagen bereits vorgestellt haben, bekommen Sie im persönlichen Vorstellungsgespräch in der Regel die Gelegenheit, ein weiteres Mal mit eigenen Worten darzustellen, wer Sie sind, weshalb Sie sich beworben haben und warum gerade Sie auf die Stelle passen. Hier interessiert auch, welchen Entwicklungsweg Sie bisher gegangen sind und warum Sie sich aus fachlichen Gründen für die folgenden Schritte entschieden haben.

  • Warum sind Sie die/der richtige Kandidatin/Kandidat für die ausgeschriebene Position?
  • Mit welchen Programmen / Tools / Verfahren haben Sie bisher gearbeitet?
  • Welche relevanten Kenntnisse und Fähigkeiten haben Sie in Ihrem Studium und in Ihren Praktika bereits erlangt?
  • Wie halten Sie sich fachlich auf dem Laufenden?

Fragen zur Persönlichkeit

In einem Vorstellungsgespräch möchte Sie ein Arbeitgeber auch als Menschen kennenlernen. Dabei geht es um Ihre Einstellungen, Werte, Ziele, soziales Engagement oder Hobbys. Bei der Frage nach Ihren Schwächen sollten Sie keine stereotype Antwort geben, sondern eine ehrliche Schwäche nennen und dann erklären, wie Sie damit konstruktiv umgehen.

  • Welche Werte spielen in Ihrem Leben eine besondere Rolle?
  • Was sind Ihre Stärken und Schwächen?
  • Wie sieht die optimale Arbeitsumgebung für Sie aus?
  • Wer sind Ihre Vorbilder?
  • Wie gehen Sie mit Rückschlägen bei der Arbeit um?
  • Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?

Weitere typische Fragen

Auf die Frage nach dem Gehalt sollten Sie gut vorbereitet sein. Geben Sie bei Nachfrage ein Jahres-Bruttogehalt an. Über Hobbies zu sprechen macht nur dann Sinn, wenn sie im Kontext zum Job stehen. Äußern Sie sich nicht negativ über Ihre Erfahrungen mit Arbeitgebern, Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden, sondern zeigen Sie eher Dankbarkeit für viele Gelegenheiten, in denen Sie sich weiterentwickeln konnten. Bei sogenannten Stressfragen sollten Sie möglichst souverän und zugewandt bleiben. Damit bringen Sie eine konstruktive Arbeitshaltung zum Ausdruck und Kreativität.

  • Welche Gehaltsvorstellungen haben Sie?
  • Welche Hobbys üben Sie aus?
  • Was schätzen Sie bei Vorgesetzten besonders?
  • Warum haben Sie so lange studiert?
  • Haben Sie sich noch bei weiteren Arbeitgebern beworben?

Eigene Fragen

Nutzen Sie im Vorstellungsgespräch die Gelegenheit, eigene Fragen zu stellen, die für Ihre Entscheidung hilfreich sind. Damit erfahren Sie noch mehr über die Tätigkeit sowie den Arbeitgeber und gleichzeitig zeigen Sie Engagement wie auch Interesse an der Aufgabe.

  • Was ist die größte Herausforderung auf dieser Position?
  • Wie erfolgt die Einarbeitung?
  • Was werden meine ersten Aufgaben sein?
  • Aus wem besteht mein zukünftiges Team?
  • Welche mittelfristigen Perspektiven bieten Sie für Berufseinsteiger?

Tabuthemen

In einem Vorstellungsgespräch ist es nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz unzulässig, Fragen nach der Religionszugehörigkeit, der Weltanschauung, ethnischen Zugehörigkeit, der sexuellen Identität oder der Partei-Zugehörigkeit zu stellen. Eine Offenbarungspflicht ist nur dann gegeben, wenn diese Aspekte in einem direkten Zusammenhang mit der Aufgabe oder dem Arbeitgeber stehen. Außerdem gibt es Themen, die Sie von sich aus nicht ansprechen sollten, solange der Arbeitgeber Sie nicht danach fragt. Dazu zählt zum Beispiel Ihr Privatleben, eine Kündigung, schlechte Erfahrungen mit Kolleginnen und Kollegen, mit dem Chef oder mit Kunden. Zeigen Sie Dankbarkeit für viele Gelegenheiten, in denen Sie lernen konnten.

Verabschiedung

Den Abschluss des Vorstellungsgesprächs bildet die Verabschiedung. Unabhängig davon, wie das Gespräch verlaufen ist, sollten Sie bis zum Schluss aufmerksam und freundlich bleiben, um einen nachhaltig guten Eindruck zu hinterlassen. Bedanken Sie sich für das interessante Gespräch.

Kontakt

Ilka Buecher
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