Erasmus+-Praktikum: Kim Michel – Die Insel-Lehrerin
03.02.2026 Kim Michel studierte an der Leuphana Lehramt für Berufliche Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik. Um später als Berufsschullehrerin den Vorbereitungsdienst anzutreten, fehlt ihr aber noch die ausreichende Berufspraxis. Jetzt arbeitet sie als pädagogische Fachkraft an der Deutschen Schule in Las Palmas de Gran Canaria.
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Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Diese Redewendung wird für die wenigsten Realität. Leuphana-Alumna Kim Michel lebt diesen Traum: Die angehende Sozialarbeiterin absolviert einen Teil ihrer Berufspraxis auf Gran Canaria.
„Ich wollte meine vorgeschriebene Berufspraxis nicht einfach irgendwo absolvieren, sondern auch fachlich und persönlich davon profitieren“, sagt Kim Michel. Da sie vor dem Lehramtsstudium keine Ausbildung absolviert hatte, ist eine längere Praxisphase verpflichtend. Über das Netzwerk deutscher Auslandsschulen fand sie schließlich die Deutsche Schule Gran Canaria. Möglich macht diesen Schritt ein Erasmus+-gefördertes Auslandspraktikum, das sie als Graduierte der Leuphana Universität Lüneburg absolviert. „Am Anfang war ich nervös. Im Ausland zu arbeiten ist etwas anderes als zu studieren. Aber ich bekam von Anfang an sehr viel Unterstützung und wurde herzlich aufgenommen.“
Bereits nach dem Abi zog es Kim Michel in die Ferne: Während eines „Multisprachen-Halbjahrs“ lebte sie jeweils zwei Monate in Italien, Spanien und Frankreich. „Da habe ich gemerkt, wie sehr mich Lernen, Spracherwerb und Unterricht interessieren“, berichtet sie. Zurück in Deutschland suchte sie nach Lehramts-Programmen, die nicht allein auf das Unterrichten an Schulen ausgerichtet sind und stieß auf das Studienprogramm Lehramt für Berufliche Schulen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik: „Mir ist es wichtig beide Optionen zu haben: Berufsschullehrerin und Sozialarbeiterin. Die Leuphana bietet hier gerade für breit interessierte Studierende spannende Optionen.“
Genauso waren für Kim Michel die internationalen Möglichkeiten an der Leuphana interessant: Sie absolvierte Sprachkurse, verbrachte ein Auslandssemester in Bilbao und arbeitete später selbst als studentische Hilfskraft im International Center. „Dabei habe ich sehr viel darüber gelernt, wie Austauschprogramme funktionieren und welche Chancen Erasmus+ bietet“, erinnert sie sich.
Dieses Wissen half ihr nun bei der Organisation ihres eigenen Praktikums. „Der International Center unterstützte mich sehr. Ich konnte Unterlagen prüfen lassen, Fragen klären und hatte immer Ansprechpersonen. Gerade bei Auslandspraktika ist das sehr wichtig“, sagt Kim Michel. Mit dem Stipendium deckt sie Miete und Lebenshaltungskosten ab.
Ein zentraler Bestandteil der Förderung ist das Learning Agreement, in dem Aufgaben, Lernziele und Mehrwert des Praktikums festgehalten werden. „Ich musste genau darlegen, warum dieses Praktikum fachlich sinnvoll ist – und das war eine wichtige Reflexion für mich“, erklärt sie. Im Fokus: Mehrsprachigkeit, frühkindliche Bildung und interkulturelle Kompetenz.
Sieben Monate lang arbeitet sie an der Deutschen Schule Gran Canaria im Kindergarten- und Vorschulbereich. Die Kinder stammen aus sehr unterschiedlichen Kontexten: spanische Familien, ausgewanderte Deutsche, internationale Eltern aus ganz Europa und darüber hinaus. Viele Kinder wachsen mehrsprachig auf, manche lernen Deutsch erst in der Einrichtung. „Ich lerne hier methodisch, was ich später auch in der Arbeit mit Erwachsenen anwenden kann.“
Kim Michel berichtet: „Hier erlebe ich täglich, was es bedeutet, wenn Sprache nicht selbstverständlich ist. Wie erkläre ich etwas, wenn ein Kind mich nicht versteht? Wie unterstütze ich, ohne zu überfordern?“ Genau diese Erfahrungen sieht sie als großen Gewinn – auch mit Blick auf ihre spätere Arbeit in der beruflichen Bildung und in der Ausbildung von Erzieher*innen. Wenn Kim Michel die staatliche Anerkennung als Sozialarbeiterin abgeschlossen hat, wird sie ihr Referendariat anschließen.
Neben der Arbeit in den Gruppen übernimmt sie auch konzeptionelle Aufgaben: Sie begleitet andere Praktikan*tinnen, hält interne Schulungen und schreibt an einem Ausbildungskonzept für die Einrichtung. „Dass mir das hier zugetraut wird, hat auch mit meinem Studium an der Leuphana zu tun. Die Verbindung von Theorie, Reflexion und Praxis hilft mir enorm.“
An den Wochenenden und am Feierabend ist Kim Michel auf der Insel unterwegs, genießt Meer, Berge und die Offenheit der Menschen: „Lange Fernsehabende gibt es hier nicht, das Leben spielt sich draußen ab.“ Einen Nachteil hat ihr Praktikum allerdings: „Urlaub kann ich auf Gran Canaria nicht mehr machen. Ich werde immer nach Hause kommen.“
Durch das Erasmus+-Mobilitätsprojekt MIX IT erhalten Studierende und Graduierte die Möglichkeit einer individuellen finanziellen und organisatorischen Unterstützung ihres europäischen Auslandspraktikums. Programmziel ist die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit von Hochschulen und Unternehmen ebenso wie die Steigerung der Berufs- und Lebenserfahrung von Studierenden und Graduierten durch ein Praktikum im Ausland. Die Leuphana gehört zu den Partner-Universitäten der Leibniz Universität Hannover, die seit 1995 den europaweiten Praktikantenaustausch für Hochschulen in Niedersachsen koordiniert.