Der Thesaurus Literarischer Sprachfiguren und Bildbegriffe
Dritte Thesaurus-Triennale: Schichten - Gewebe - Form
Texturen der Sprachbildlichkeit in Bewegung
Nach der Projektinitiation des Thesaurus der Sprachbildlichkeit 2018 („Das Herz thesaurieren“, Lüneburg) und der Tagung „fest – flüssig – plasmatisch – flüchtig: Sprachbildlichkeit in Bewegung“ in Kooperation mit der Klassik Stiftung Weimar (2021) waren am 29./30. November 2024 wieder Künste und Wissenschaften zu einem öffentlichen Symposion eingeladen, um begriffsgeschichtliche und sprachbildliche Zusammenhänge von Schichten und Gewebe in ein multidisziplinäres und künstlerisches Gespräch zu bringen. Diese verbindenden wie teilenden, energetisch-physischen relationalen Formationen wurden nicht nur wissenschaftsgeschichtlich, kulturtheoretisch und poetologisch unter die Lupe genommen, sondern auch in Performance, Installation und Konzert künstlerisch zur Geltung gebracht. Gewidmet war die Thesaurus-Triennale 2025 der Künstlerin Hanne Darboven. Das Symposion fand auf dem Areal Ihres Lebens-Ateliers am Burgberg (HH Harburg) statt.
Zu Hanne Darbovens „October, 19, 1973, amburgberg“ sprach Ulrike Steierwald auch in der Reihe "10 Minuten Lyrik" am 19.06.2024.
>LINK zu den „10 Minuten“ (externer Link - youtube)
Die Thesaurierenden 2024: Ulrike Draesner (Autorin), das Duo Ania Losinger und Mats Eser (Musik und Performance / Schweiz), Robert Mathias Erdbeer (Literaturwissenschaftler / Münster), Yvonne Förster (Philosophin / Lüneburg), Ute Heim (Künstlerin und Musikerin / München), Bernhard Jussen (Historiker / Frankfurt a.M. ), Reinhard Laube (Historiker / Weimar), Wolfgang Marx (Musikwissenschaftler / Dublin), Ruth Neubauer-Petzoldt (Literaturwissenschaftlerin / Erlangen-Nürnberg), Lilian Robl (Bildende Künstlerin / München), Ulrike Steierwald (Literaturwissenschaftlerin / Lüneburg), Achatz von Müller (Historiker / Hamburg, Basel), Janina Wellmann (Historikerin / Berlin).
Konzeption und Leitung: Ulrike Steierwald
Leuphana Universität Lüneburg in Kooperation mit der Hanne Darboven Stiftung, Hamburg
Gefördert wurde die Triennale durch die Claussen-Simon-Stiftung, Hamburg
Die Filmdokumentation zum Symposion ist auf einer Playlist in fünf „Sedimenten“ online:
>>LINK (externer Link - youtube)
Gefördert wurde die Triennale durch die Claussen-Simon-Stiftung, Hamburg.
Den Himmel zeichnen: Ein Sternwarten-Gespräch über das Universum und die Sichtbarkeit
Ein öffentliches Symposion in der Historischen Sternwarte Göttingen.
01. Dezember 2023, 19:00 Uhr
Im Gespräch waren Prof. Dr. Ulrike Steierwald (Literaturwissenschaft) mit Prof. Dr. Ansgar Reiners (Astrophysik, Universität Göttingen), Prof. Dr. Ulrike Draesner (Freie Schriftstellerin und Universität Leipzig), Prof. Dr. Lis Brack-Bernsen (Wissenschaftsgeschichte, Universität Regensburg) und Heidi Sorg (Graphikerin, München)
Im Rahmen der Gesprächsreihe SCHÄTZE, »Thesaurus der Sprachbildlichkeit«.
Unser Blick in den Sternenhimmel lässt Paradoxien aufbrechen: Hier finden sich weder Anfang noch Ende, die doch für jede sprachliche und/oder bildliche Form und damit Kommunizierbarkeit notwendig wären. Selbst die Astrophysik muss sich diesen Problemen stellen: Je formaler und exakter die analytische Abstraktion der Phänomene – wie die der Zeit, des Lichts oder der Gravitation – gelingt, desto physischer und plastischer werden die Sprachen ihres Sich-Zeigens. Da scheinen plötzlich nicht nur Große Bären und Löwen, sondern auch Schwarze Löcher, Rote Riesen oder Weiße Zwerge den Himmel zu bewandern. Ist der Sternenhimmel überhaupt zu vermessen, zu kartographieren und sichtbar zu machen? Wie sind die Himmel (im Plural) jenseits einer zweidimensionalen, festlegenden Reproduktion von Zeichen zu ‚zeichnen‘, also zu zeigen? In der Raumfahrtindustrie, in Satelliten- wie Raketentechnologie ist wissenschaftliche Forschung immer auch mit der Entwicklung militärischer Rüstungs- und Verteidigungsstrategien verbundenen. Die politische Verantwortung in den Wissenschaften wie Künsten stellt den emphatischen Blick in den Sternenhimmel vor ganz konkrete Herausforderungen.
Die Thesaurus-Tagung 2023 wurde gefördert durch die Stiftung Niedersachsen.
©Stiftung Niedersachsen
fest – flüssig – plasmatisch – flüchtig
Aggregationen der Sprachbildlichkeit
Tagung in Weimar am 29. und 30. Oktober 2021, die sich der Sprachbildlichkeit kulturhistorischer wie gegenwärtiger Vorstellungen von Aggregatzuständen widmet. Das Kooperationsprojekt von Leuphana Universität Lüneburg und Klassik Stiftung Weimar bringt Wissenschaftler/innen unterschiedlicher Disziplinen und Schriftsteller/innen wie Bildende Künstler/innen zusammen, um die die elementare Materialität des Festen, Flüssigen, Plasmatischen und Flüchtigen bestimmenden Zusammenhänge und Ordnungen aufzufächern. Diese systematische wie offene Metapherologie soll in einem eigenen intermedial agierenden Modell verwirklicht werden. Die Themenstellung verspricht erhellende Erkenntnisse über ästhetische Wahrnehmungs- und Interaktionsweisen von Mensch und Natur auf sprachlicher, materieller, formaler, transmedialer und semantischer Ebene.
Konzeption/Leitung: Ulrike Steierwald
Referent/innen: Ulrike Draesner (Berlin/Leipzig), Aris Fioretos (Stockholm/Berlin), Yvonne Förster (Lüneburg), Christine Gruber (Linz), Heinz Georg Held (Pavia), Wolfgang Kemp (Lüneburg), Reinhard Laube (Weimar), Andrea Polaschegg (Siegen), Monika Rinck (Berlin/Wien), Lilian Robl (München), Ulrike Steierwald (Lüneburg), Marion Steinicke (Koblenz-Landau), Sonja Zeman (München)
Ort: Herzogin Anna Amalia Bibliothek / Studienzentrum, Platz der Demokratie 4 / 99423 Weimar
Die Thesaurus-Tagung 2021 wurde gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung
©Thyssen-Stiftung
Neuerscheinung
Sprachbildlichkeit
Zur Universalpoesie eines Thesaurus, hg. von Ulrike Steierwald und Wolfgang Kemp, figurationen, 19. Jg., Dezember 2019 Zum Inhalt:
Bildlichkeit entsteht mit und in jeder begrifflichen Wahrnehmung. Um den Ordnungen und Gesetzmäßigkeiten der Sprachbildlichkeit nachzugehen, bietet sich heute die dynamische Architektur eines digitalen Thesaurus, eines polydimensionalen „Schatzhauses“, geradezu an. Denn eine lebendige Sprache muss sich in einem nicht zu erschließenden, nicht zu verwertenden Wortschatz entfalten können und wird damit ästhetisch als ein relationales System des Ausdrucksgeschehens nachvollziehbar. Der in diesem Heft programmatisch wie in exemplarischen Darstellungen sich präsentierende Thesaurus ist das Herzstück eines Forschungsprojektes, dessen Architektonik zu einer Art progressiver Universalpoesie werden soll. In ihr erweist sich die potentielle und damit fiktionale Bedeutungspluralität der Sprache auch jenseits syntaktischer oder pragmatischer Kontextualisierung als evident und damit wahrhaftig. Das Thesaurus-Modell setzt die konventionellen Hierarchien zwischen Wissenschaften und Künsten, Faktizität und Fiktion, zwischen Sprache, Bild und Ton außer Kraft und markiert dabei deren Differenzen wie Übergänge umso klarer.
Aus dem Inhalt:
thesaurieren. Bildrelationen im Beziehungssystem der Sprachen.
Von Ulrike Steierwald
füllen. Die Fülle, ihre kulturellen Formen und ein Versuch, ihr zu entgegnen. Von Wolfgang Kemp
kippen. Von Lilian Robl
verkörpern. Körper, Zeichen und Listen: Sprache im Werden. Von Yvonne Förster
herzen. Von Nora Gomringer
zuschreiben. (Nicht) An eine Säge denken. Von Anna Degler
modellieren. Die Analogie als Herz der Sprache. Von Ruth Neubauer-Petzoldt
abschweifen. Von Lilian Robl
aufsatteln. Auf den Schultern von Riesen. Von Achatz von Müller
meghalni/sterben. Von Noémi Kiss
Kolloquium "Das Herz Thesaurieren"
„Das HERZ thesaurieren“ war das initiierende Kolloquium für ein Projekt überschrieben, das 2018 im neuen Zentralgebäude (Daniel Libeskind) seinen Anfang nahm. Ziel dieses Künste und Wissenschaften transdisziplinär zusammenführenden Projektes ist ein digitaler "Thesaurus literarischer Sprachfiguren und Bildbegriffe", ein polydimensionales Universalmodell der sprachlichen Möglichkeitsräume der Kunst.
Eine audiovisuelle Dokumentation dieser initiierenden Veranstaltung finden Sie >> hier
Das Programm-Heft als pdf finden Sie >> hier
Die Architektonik dieses „Schatzhauses“ (= Thesaurus/θησαυρός) generiert weder ein neues Kunstwerk, weder neue literarische oder wissenschaftliche Texte noch eine Enzyklopädie oder ein Lexikon. So wenig DER THESAURUS in der Geschichte semantisch-lexikalischer oder klassifikatorischer Erfassung Vorgänger findet, so klar setzt das Projekt „auf den Schultern von Riesen“ der Begriffsgeschichte, Ästhetik, Sprachphilosophie und der Literatur- wie Wissenschaftsgeschichte physiologischer Weltbeschreibungen auf.
Das Wagnis, aus den zahllosen Reflexionen und Theoremen die Konsequenz zu ziehen und ein entsprechendes Universalmodell zu entwerfen, hat wenige, aber wegweisende Vorbilder. Hier sei Aby Warburgs „Bilderatlas Mnemosyne“ genannt, der bei aller postumen wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung in Vereinzelung entstand und daher nur als exemplarische Fragmente eines Modells realisiert werden konnte. Auch mit seiner Wortschöpfung „Bilderfahrzeuge“, die als Figuren und Gesten in unterschiedlichen Modulationen der Kulturgeschichte zu erkennen, zu sammeln und in Relation zu setzen sind, ist Aby Warburg schon jetzt als Projekt-Pate gewonnen. In seinem „Atlas“ der Bilderfahrzeuge zeigen sich Parallelen zum synästhetischen THESAURUS der „Sprachbildfahrzeuge“. Denn wenn wir die Vorstellung beim Bild und die Sprache beim Wort nehmen, wird auch das HERZ als eine in der Kulturgeschichte omnipräsente Aporie zu thesaurieren sein.
Gefördert durch:
Stiftung Niedersachsen
©Stiftung Niedersachsen
