Neue Veröffentlichung von Roberto Nigro: Subversive Negri. From the Refusal of Work to the Multitude
29.05.2026
Roberto Nigro: Subversive Negri. From the Refusal of Work to the Multitude. London: Taylor & Francis, 2026.
Roberto Nigro, Professor für Philosophie an der Leuphana Universität, hat die erste englischsprachige Einführung in das Gesamtwerk des international renommierten Theoretikers und Aktivisten Antonio Negri verfasst. Das Buch rekonstruiert Negris philosophische Entwicklung und untersucht kritisch die Frage nach der revolutionären Kraft der Multitude.
Während es auf Themen aufbaut, die der Autor bereits in früheren französischen, deutschen und italienischen Büchern entwickelt hat, erweitert dieser Band diese Untersuchungen erheblich um neues Material, neue Fragestellungen und neue Perspektiven auf das zeitgenössische marxistische Denken.
Ausgehend von einer Interpretation der 1960er- und 1970er-Jahre als geprägt von der „Aufstand unterworfener Wissen“ im bekannten Sinne Foucaults untersucht das Buch die Ausweitung politischer Kämpfe über traditionelle Orte wie die Fabrik hinaus auf die Gesellschaft als Ganze. Durch die Fokussierung auf die Kategorie der Arbeitsverweigerung zeigt es, wie diese Form des Widerstands nicht nur in der operistischen Tradition zentral ist, sondern auch in Foucaults und Marx’ Genealogien des Kapitalismus sowie in Silvia Federicis Analyse der ursprünglichen Akkumulation.
Diese Debatten eröffnen neue Perspektiven innerhalb des zeitgenössischen Marxismus, die das Buch über die Figur der „anderen“ Arbeiterbewegung und deren detaillierte Interpretation im Werk des italienischen Philosophen Nicola Massimo De Feo aufgreift. De Feo, eng mit der operistischen Tradition verbunden, entwickelt eine strenge philosophische Auseinandersetzung mit der Negativität, einem zentralen Begriff des marxistischen Denkens. Im Zentrum seines Werks steht die Unterscheidung zwischen politischer und sozialer Revolution, wobei insbesondere die soziale Revolution und die Frage des Bürgerkriegs hervorgehoben werden – ein zentrales Thema sowohl bei De Feo als auch bei Foucault. Das Buch betont zudem die Pluralität revolutionärer Zeitlichkeiten. Aufbauend auf diesen theoretischen und historischen Rekonstruktionen rekonstruiert das Buch die zentralen Begriffe von Negris Denken.
Obwohl die Macht der Multitude zum dominierenden Thema in Negris späteren Schriften wird, beginnend mit der radikalen Analyse imperialer Souveränität in Empire, zeigt Roberto Nigro, dass der Kern von Negris Philosophie bereits Jahrzehnte zuvor im historischen und politischen Kontext der sozialen und politischen Bewegungen der 1960er- und 1970er-Jahre ausgearbeitet wurde. Nigro argumentiert, dass Negris Betonung der ontologischen Dimension eine Antwort auf das darstellt, was er die „Armut der Gegenwart“ nennt. Diese Armut bezeichnet die Schwierigkeit, praktische Antworten auf die Frage der revolutionären Subjektivität zu finden. Wenn soziale Bewegungen keine dauerhaften politischen Organisationsformen entwickeln und Subjekte unter der Last kapitalistischer Herrschaft gefangen bleiben, wie kann unter solchen Bedingungen überhaupt politische Orientierung möglich sein?
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