Eröffnung der Konferenzwoche 2026: Was Freiheit heißt
26.02.2026 Mit der Konferenzwoche schließen die rund 1500 Erstsemester-Studierenden am College das Leuphana Semester ab. Unter der Überschrift „Den Westen retten? – Eine Erfindung am Kipppunkt?“ präsentieren sie ihre Ergebnisse aus dem Modul „Transformation“ vor der Universitätsgemeinschaft – und der ganzen Stadt. Bei der diesjährigen Eröffnung sprach die Philosophin Liya Yu über Neuropolitik, Mentalisierung und die Zukunft des Westens.
„Freedom“ singt das studentische Musiktrio im Auditorium. 1500 Erstsemester-Studierende hören zu, dann brandet Jubel auf. „Was heißt Freiheit überhaupt“, schließt Liya Yu in ihrer Keynote an. Die deutsch-chinesische Philosophin und Politikwissenschaftlerin ist vor allem für ihren Ansatz der „Neuropolitik“ bekannt. Zum zweiten Mal spricht Liya Yu bei der Konferenzwoche - erstmals bei der Eröffnung: „Ich bin immer wieder gerne an der Leuphana: Die Atmosphäre ist lebendig und energetisch. Hier kommt etwas in Bewegung“, sagt sie und nimmt mit einer Frage das Motto der diesjährigen Konferenzwoche auf: „Was bedeutet eigentlich der Westen – und wie können wir ihn retten?“
Die Autorin und Künstlerin kritisiert vor allem vereinfachte politische Erzählungen und plädiert für einen neuen Blick auf Demokratie, der den Menschen selbst stärker in den Fokus rückt: „Wir müssen Politik radikal neu denken und uns fragen: Wer sind wir eigentlich als Menschen und wie wollen wir miteinander leben?“
Liya Yu kommt mit den Studierenden ins Gespräch. Sie kann kaum alle Fragen beantworten, die gestellt werden. Das Interesse ist groß: „Wie können wir es schaffen, Menschen nicht zu dehumanisieren?“, möchte eine Studentin wissen.
Dehumanisierung passiere oft unbewusst, erklärt die Forscherin: etwa beim schnellen Wegscrollen von Nachrichten oder beim Ignorieren von Leid im Alltag. Menschen werden dann nicht mehr als solche wahrgenommen, sondern als Tiere oder Objekte. Sie empfiehlt: „Mentalisierung ist entscheidend: Wir müssen uns in die Köpfe anderer Menschen hineinversetzen. Wenn wir verstehen, was eigentlich in dieser Blackbox unseres Gehirns passiert, liegt darin ein großer Optimismus“, erklärt Liya Yu.
Leuphana-Präsident Sascha Spoun erinnerte in seiner Rede an die Welt von gestern: „Die Mauer fiel, der eiserne Vorhang verschwand, das Unglaubliche wurde wahr: Europa schien in Frieden aufzugehen und die demokratische Freiheit sich bis nach Russland durchzusetzen“, sagte er im Auditorium des Zentralgebäudes und unterstrich die Bedeutung der Konferenzwoche: „Sie ist einem Thema gewidmet, das drängt, und zwar insbesondere für Sie, da Ihre Zukunft davon abhängt. Denn ohne gesellschaftliches Vertrauen und Zusammenhalt wird jede Zukunft schwierig. Daher ist diese Konferenzwoche Ihr Diskursraum, sie dient einem Diskurs, der Vertrauen zurückgeben kann.“
Abschließend rief er die Erstsemesterstudiereden auf: „Nutzen Sie diesen Ort und seine Freiheit für Ihr eigenes Denken! Nur indem Sie sich im Denken Freiheiten herausnehmen, bewahren Sie die Universität als Ort der Freiheit.“
Während des Leuphana Semesters setzen sich alle teilnehmenden Studierenden in 44 Seminaren und 255 Projektgruppen wissenschaftlich mit realen Problemen auseinander. Im Seminar „Demokratie vertiefen“ etwa entstand die studentische Performance mit kritischen Worten zum Zustand der Demokratie in den USA:
„Once there was a land of the free – doch die Freiheit fiel in Hände, die sie immer weiter entwendeten.“
„America First was promised. Elite First is what we got.“
Die Studierenden fragten bei dem Poetry Slam auch: „Wie halten wir die Zeiten aus, in denen dieser Sturm tobt?“
Musikalisch gerahmt wurde die Eröffnung von den Studierenden Jasmina Will, Martje Henkies (beide Gesang) und Konstantin Egensperger (Klavier), die für ihre emotionale Darbietung großen Beifall erhielten.



