ProADiS - Antidiskriminierungsberatung im Kontext Schule

Rassismus und Diskriminierung sind im deutschen Schulsystem weit verbreitet. Dennoch gibt es in keinem Bundesland bisher verbindliche Vorgaben zum Umgang mit Rassismus und Diskriminierung in der Schule. So stoßen Schüler:innen und Eltern, die sich hiergegen zur Wehr setzen wollen, immer wieder an Grenzen. Vor diesem Hintergrund wurde in den letzten Jahren wiederholt auf die Notwendigkeit spezialisierter Fachstellen hingewiesen, in denen von Diskriminierung betroffene Schüler:innen und Eltern kompetent beraten und unterstützt werden. Diese Forderungen basieren auch darauf, dass die Arbeit bestehender Antidiskriminierungsstellen oft nicht auf die Beratung von Schüler:innen und Eltern ausgerichtet ist, da das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) im Bereich der öffentlichen schulischen Bildung nur für Beschäftigte (z.B. Lehrpersonal) Anwendung findet. Als Reaktion auf diese rechtliche Schutzlücke wurden in verschiedenen Bundesländern in den letzten Jahren erste regionale, z.T. communitybasierte Beratungsstellen mit spezialisierter Expertise für Rassismus und Diskriminierung im Schulsystem eingerichtet. Erste Umfragen zeigen, dass die Arbeit der dort tätigen Fachkräfte von zahlreichen strukturellen Herausforderungen geprägt ist.

Mixed-Method-Ansatz

Das Vorhaben untersucht Antidiskriminierungsberatungen im Kontext Schule als ein (neues) Handlungsfeld der Sozialen Arbeit in der Migrationsgesellschaft mittels eines Mixed-Method-Ansatzes. Über einen empirisch-qualitativen Zugang werden einerseits Praktiken der Beratung von Rassismus betroffenen Eltern und Schüler:innen sowie Professionalisierungsprozesse in Beratungsstellen in Baden-Württemberg, Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen untersucht. Andererseits werden die Angebotsnutzungspraktiken und Beratungserfahrungen von Rassismus betroffenen Schüler:innen und Eltern mittels einer quantitativen Online-Befragung erhoben. Die Ergebnisse dieser Erhebungen werden in Fokusgruppeninterviews vertieft und über einen Mehrebenenvergleich zueinander in Beziehung gesetzt.

Ziele der Studie

Die Studie zielt darauf ab, den Wissensstand über rassistische Diskriminierung im Schulsystem und damit verbundene Erfahrungen zu erweitern und zu aktualisieren. Zudem soll eine Forschungslücke hinsichtlich der Exploration außerschulischer Praktiken der Beratung und Unterstützung rassistisch diskriminierter Schüler:innen und Eltern sowie hierauf bezogener Professionalisierungsprozesse geschlossen werden. Ein Fokus liegt auf dem Vergleich gegenwärtiger Spannungsfelder der Antidiskriminierungsarbeit im schulischen Kontext vor dem Hintergrund unterschiedlicher, bundeslandspezifischer Diskurse und Rahmenbedingungen. 
Mithilfe verschiedener Partizipationsformate wird die Mitwirkung von (angehenden) Fachkräften, Eltern und Schüler:innen an der Entwicklung von Praxismaterialien angestrebt. Diese umfassen u.a. Lehrkonzepte für die universitäre Ausbildung angehender Fachkräfte im Bereich der Antidiskriminierungsarbeit sowie Empfehlungen für eine multiprofessionelle, diskriminierungskritische Schulentwicklung.

Expert:innen-Beirat

Das Projekt wird durch einen Expert:innen-Beirat begleitet und unterstützt. Folgende Personen sind an diesem beteiligt:
Aliyeh Yegane Arani, Leiterin der „Anlaufstelle Diskriminierungsschutz an Schulen“ (ADAS), Life e.V. Berlin
Elisa Calzolari, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Migrant:innenorganisationen - MigraNetz Thüringen e.V.
Andreas Foitzik, Koordinator der Landesarbeitsgemeinschaft Antidiskriminierungsberatung Baden-Württemberg sowie Mitarbeiter bei Adis e.V. (Antidiskriminierung, Empowerment und Praxisentwicklung) Baden-Württemberg 
Beate Seusing, Geschäftsführende Vorständin der Arbeitsgemeinschaft Migrant:innen und Flüchtlinge in Niedersachsen e.V., u.a. Träger der „Beratungsstelle gegen Rassismus in der Bildung“ Niedersachsen

Laufzeit: 15.01.2026 – 30.09.2028

Projektleitung

  • Prof. Dr. Ellen Kollender

Wissenschaftliche Mitarbeit

    Christina Biel

    ©MWK Niedersachsen
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