Integration durch Vertrauen

Zugänge geflüchteter Familien zu frühpädagogischen Angeboten in Niedersachsen

Frühpädagogische Angebote leisten einen entscheidenden Beitrag zur sozialen Teilhabe geflüchteter Familien in Deutschland. Der Zugang zu frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung ermöglicht Kindern den Kontakt zu Gleichaltrigen und das Erlernen der deutschen Sprache. Zugleich erleichtern die Angebote Eltern den Kontaktaufbau im lokalen Umfeld und schaffen Zeit für Bildung, Arbeit oder andere persönliche Aktivitäten.

Obgleich alle in Deutschland lebenden Kinder ab einem Jahr einen uneingeschränkten, subjektiven Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz haben, kann der Zugang zu frühpädagogischen Angeboten für geflüchtete Familien herausfordernd sein – etwa aufgrund fehlender Vertrautheit mit dem deutschen System, begrenzter Angebote oder in Anbetracht von Sprachbarrieren. Häufig sind bei der Beschaffung von Informationen und der Kontaktaufnahme neben den Eltern und Erzieher*innen auch Dritte involviert, zum Beispiel soziale Dienste oder Ehrenamtliche. Ebenso spielen Medien in diesem Zusammenhang eine Rolle.

Vor diesem Hintergrund hat das Projekt die folgenden Ziele:

  • Zu untersuchen, wie geflüchtete Eltern 0-5jähriger Kinder Vertrauen gegenüber frühpädagogischen Angeboten aufbauen und welche Rolle dabei (digitale) Medien, soziale Dienste und Ehrenamtliche als Mittler*innen spielen und
  • Fort- und Weiterbildungsmodule zu erarbeiten, insbesondere für pädagogische Fachkräfte und Ehrenamtliche, die beim Zugang geflüchteter Familien zu frühpädagogischen Angeboten involviert sind.


Damit soll das Projekt dazu beitragen, die Bedingungen vertrauensvoller Zugänge zu frühpädagogischen Angeboten in Niedersachsen besser zu verstehen und diese Zugänge zu fördern.

Methodisch beinhaltet das Projekt zum Beispiel Interviews mit geflüchteten Eltern 0-5jähriger Kinder, pädagogischen Fachkräften und Ehrenamtlichen sowie eine breit angelegte schriftliche Befragung der Eltern. Die angewandten Methoden werden unter der Vorstellung der Teilprojekte detaillierter beschrieben.

Das interdisziplinäre Verbundforschungsprojekt wird durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur aus Mitteln des Niedersächsischen Vorab vom 1.2.2019 bis 31.01.2022 finanziert.

 

Projektstruktur

Das Gesamtprojekt beinhaltet fünf forschungsbezogene Teilprojekte und ein Teilprojekt für den Praxistransfer.

Innerhalb der Teilprojekte 1-3 werden mithilfe qualitativer Forschungsmethoden Vertrauensaufbauprozesse geflüchteter Eltern gegenüber frühpädagogischen Angeboten innerhalb der Kontexte „Digitale Medien“, „Soziale Dienste“ und „Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe“ untersucht. Das vierte Teilprojekt untersucht querliegend dazu die Gestaltungsmöglichkeiten einer vertrauensvollen Kommunikation. Das fünfte Teilprojekt verschaltet die genannten vier Teilprojekte im Zuge einer breit angelegten quantitativen Fragebogenerhebung. Die damit identifizierten Bedingungen des Vertrauensaufbaus werden im Rahmen des sechsten Teilprojekts zum Praxistransfer in Fort- und Weiterbildungsmodule überführt. Diese sind flexibel kombinierbar und dienen damit einem jeweils bereichsspezifischen Kompetenzausbau von Personen und Organisationen, die mit geflüchteten Familien in Kontakt stehen oder treten wollen.

Die Teilprojekte

Teilprojekt 1: Die Rolle digitaler Medien

Teilprojekt 2: Die Rolle sozialer Dienste

Teilprojekt 3: Die Rolle zivilgesellschaftlichen Engagements

Teilprojekt 4: Teilnehmende Feldforschung

Teilprojekt 5: Quantitative Fragebogenerhebung

Teilprojekt 6: Praxistransfer

Aktuelles

11. November 2019: Vorstellung auf der Deutsch-Kanadischen Konferenz „Young (Forced) Migrants and Their Families“
Die vom GESIS (Leibniz Institut für Sozialwissenschaften) und IMIS (Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien) gemeinsam veranstaltete Konferenz behandelte Fragen der Migration und Integration junger (geflüchteter) Menschen und ihrer Familien. Forschende aus Deutschland und Kanada stellten zu diesem Thema ihre Forschungsergebnisse vor und diskutierten methodische und konzeptionelle Fragen. Sybille Münch und Anna Siede waren eingeladen, die geplante Herangehensweise und erste Erkenntnisse aus Teilprojekt 3 im Panel Integrating Recently Settled Refugees and Migrants into the Education System and Society vorzustellen. Weitere Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden.


2. Oktober 2019: Vorstellung auf der Konferenz „Refuge Europe – a question of solidarity?“
Die Konferenz wurde im Rahmen des Forschungsprojekts CEASEVAL veranstaltet, welches sich mit der Evaluation des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems beschäftigt. Anna Siede stellte im Rahmen des Panels Care and vulnerable groups in refugee regimes die geplante Herangehensweise und erste Erkenntnisse aus Teilprojekt 3 vor. Weitere Informationen zur Veranstaltung sind hier zu finden.


1. Oktober 2019: Projektvorstellung auf der Tagung des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe)
Die Tagung des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung stand unter dem Leitgedanken „Vielfalt im Dialog – Vernetzung stärken“ und bot einen Rahmen, um den Austausch zwischen Forschung und Praxis zu ermöglichen und zu stärken. Philipp Sandermann und Laura Wenzel stellten das Forschungsprojekt interessierten Praktiker*innen aus dem Bereich des Wissenstransfers vor und diskutierten in diesem Rahmen anschließend verschiedene Fragen v.a. zum Praxistransfer des Projekts.


12. September 2019: Vorstellung auf der Neuchâtel Graduate Conference
Die zweitägige Konferenz zum Themenfeld Migration and Mobility Studies thematisierte verschiedene Aspekte transnationaler Beziehungen und Bewegungen. Auch das Thema Fluchtmigration sollte im Rahmen mehrerer Veranstaltungen diskutiert werden. Wir wurden eingeladen, unser Projekt im thematischen Panel „Families on the move“ vorzustellen. Im Anschluss an unseren Vortrag haben wir positive Rückmeldungen und hilfreiche Anregungen durch die internationalen Gäste erhalten.


11. April 2019: Kick-off-Treffen mit Praxispartner*innen
Bereits in der Planung unseres Forschungsprojekts haben wir uns um die Einbindung von Akteuren bemüht, die sich in praktischer und oftmals koordinierender Form mit frühpädagogischen Angeboten in Niedersachsen befassen. Zum Kick-off-Treffen konnten wir uns mit einigen dieser Praxispartner*innen über die Projektplanung und inhaltliche Aspekte austauschen. Wir haben wertvolle Tipps für den Zugang zum Forschungsfeld erhalten und uns über die Probleme bezüglich des Vertrauensaufbaus geflüchteter Eltern gegenüber frühpädagogischen Angeboten aus theoretischer und praktischer Perspektive ausgetauscht.

Anstehende Aktivitäten:

  • Ende 2020: Treffen mit den Praxispartner*innen zur Vorstellung erster Ergebnisse und die Entwicklung der Fort- und Weiterbildungsmodule
  • Ende 2021: Treffen mit den Praxispartner*innen zur Validierung

 

Unser Team

Das Projekt ist an den Fakultäten Bildung und Kulturwissenschaft der Leuphana Universität Lüneburg angesiedelt und wird von Prof. Dr. Philipp Sandermann, Prof. Dr. Henrike Friedrichs-Liesenkötter, Prof. Dr. Anna Henkel, Prof. Dr. Sybille Münch und Dr. Onno Husen geleitet.

Projektleitung

Prof. Dr. Philipp Sandermann
Universitätsallee 1, C1.318
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2381
Fax +49.4131.677-1633
philipp.sandermann@leuphana.de

Teilprojektleitungen

Prof. Dr. Henrike Friedrichs-Liesenkötter
Universitätsallee 1, C1.219
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-1635
henrike.friedrichs-liesenkoetter@leuphana.de
Prof. Dr. Sybille Münch
Universitätsallee 1, C4.015b
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2457
sybille.muench@leuphana.de
Dr. Onno Husen
Universitätsallee 1, C1.317
21335 Lüneburg
Fon +49.4131.677-2386
husen@leuphana.de