Besuch der Royal Society of Edinburgh in Niedersachsen: zwei Wissenschaftsregionen gestalten eine gemeinsame Zukunft
23.06.2026 Von der Förderung junger Talente über Künstliche Intelligenz bis hin zu innovativer Spitzenforschung: Der Delegationsbesuch der Royal Society of Edinburgh (RSE) am 4. und 5. Juni 2026 unter der Leitung von Prof. Dr. Anne H. Anderson, Vizepräsidentin für Forschung an der RSE unterstrich, wie dynamisch sich die Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Schottland entwickelt und welche Themen die internationale Wissenschaftskooperation in die Zukunft tragen.
©Leuphana/Tengo Tabatadze
Wissenschaftliche Kooperation Schottland-Niedersachsen
Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen Schottland und Niedersachsen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Modell internationaler regionsbezogener Forschungskooperation entwickelt. Dies wird im deutsch-britischen Freundschaftsvertrag („Kensington-Vertrag“, 2025) exemplarisch hervorgehoben. Das gemeinsame Förderprogramm „Lower Saxony–Scotland Research and Innovation Scheme“ (RIS), vernetzt Forscher:innen, Hochschulen und Innovationsakteur:innen beider Regionen. Träger der Initiative sind die Royal Society of Edinburgh (RSE), das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) und die VolkswagenStiftung; koordinatorische Unterstützung leistet das European Centre for Advanced Studies (ECAS) an der Leuphana Universität Lüneburg (Leuphana).
Besuch der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
Der Besuch der Medizinischen Hochschule Hannover bot Einblicke in die Exzellenzstrategie der Hochschule sowie in an der MHH speziell konzipierte Förderstrukturen, die Talente vom Schulabschluss bis zur eigenständigen wissenschaftlichen Karriere begleiten – ein Ansatz, der auch im Kontext der niedersächsisch-schottischen Zusammenarbeit auf großes Interesse stieß.
Im Mittelpunkt stand das Projekt „BRIDGE Clinician Scientists – Developing a Cross-Border Training for Clinician Scientists“, das im Development Track des RIS gefördert wird. Das Vorhaben stärkt die Ausbildung von Clinician Scientists und adressiert gemeinsame Herausforderungen an der Schnittstelle von Forschung und klinischer Praxis. Darüber hinaus präsentierte die MHH weitere Kooperationsansätze mit schottischen Partner:innen, darunter „HAGIS – Building Collaborative Excellence in Infection and Immunity Research“, das bereits im Rahmen des RIS gefördert wird, sowie „Advancing Innovative Gene and Cell-Based Therapies From Research Towards Clinical Application“, ein Forschungsfeld mit Potenzial für zukünftige Kooperationen.
Besuch der Leibniz Universität Hannover (LUH)
An der Leibniz Universität Hannover diskutierte die Delegation mit RIS-Geförderten sowie Vertreter aus Forschung und Internationalisierung niedersächsischer Hochschulen im Panel „Connecting Lower Saxony and Scotland – Pathways for Transregional Research Collaboration“.
LUH-Präsident Prof. Dr. Volker Epping unterstrich die Rolle engagierter Wissenschaftler als Fundament nachhaltiger Kooperationen. Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner betonte anschließend, dass erfolgreiche internationale Partnerschaften auf gemeinsamen wissenschaftlichen Werten, gegenseitigem Vertrauen und langfristigem Engagement beruhen.
Prof. Dr. Angela Ittel, HRK-Vizepräsidentin für Internationales und Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig, würdigte den Erfolg der RIS-Förderlinie und warb für eine stärkere Einbindung geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven sowie ethischer Fragestellungen in naturwissenschaftliche und technologische Forschung, insbesondere im Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Prof. Dr. Barbara Schaff, Professorin für Anglistische Literatur- und Kulturwissenschaft an der Universität Göttingen, plädierte für wertegeleitete, demokratisch fundierte Partnerschaften. Nick Leake, Deputy Director EU der schottischen Regierung in Brüssel, hob die Bedeutung internationaler Kooperationen nach dem Brexit hervor. Angesichts des Verlusts zahlreicher persönlicher Netzwerke sei der Ausbau bestehender und neuer Partnerschaften wichtiger denn je – auch im Hinblick auf die erneute Beteiligung des Vereinigten Königreichs an Horizon Europe und Erasmus+.
Am Nachmittag erhielt die Delegation Einblicke in weitere Aktivitäten der LUH, darunter das RIS-Excellence-Track-Projekt „Enhancing Atomic Spectroscopy with Optical Angular Momentum“. Das gemeinsame Vorhaben der LUH und der University of Glasgow verdeutlicht die Wirkung der niedersächsisch-schottischen Forschungsförderung: Aus Kontakten im ECAS Tandem Fellowship Programme (2021–2024) entwickelte sich eine erfolgreiche RIS-Kooperation.
Empfang im Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung
Beim Empfang im Gästehaus der Niedersächsischen Landesregierung betonte Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Schachtner die große Bedeutung der Kooperation für das Land Niedersachsen. Im Austausch standen unter anderem die Niedersächsische Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung, Melanie Walter, die Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen, Prof. Dr. Jutta Allmendinger, Vertreter:innen niedersächsischer Hochschulen sowie Nick Leake.
Besuch der Leuphana Universität Lüneburg (LUL)
Zum Abschluss des Programms, das Prof. Dr. Markus Reihlen, Vizepräsident für Internationalisierung und ECAS Academic Director, als ein „Feuer der Inspiration“ beschrieb, besuchte die Delegation der RSE die Leuphana Universität Lüneburg.
Von Herrn Prof. Dr. Roman Trötschel, Vizepräsident für Forschung, und Dr. Anke Gründel, wissenschafltiche Koordinatorin des Leuphana Transformation Lab sowie die Leiterin des Forschungsservice, Anke Zerm, erhielt die Delegation Einblicke in die aktuelle Forschungsentwicklung der Leuphana im Bereich der Transformationsforschung sowie die darin enthaltenen Förderlinien für die wissenschaftliche Karrierephase.
Als gemeinsame Zukunftsperspektiven kristallisierten sich im Laufe des Besuchs insbesondere neue Ansätze zur Förderung wissenschaftlicher Talente, der Ausbau gemeinsamer Forschungs- und Studienangebote und gesellschaftsrelevante Zukunftsthemen (Künstliche Intelligenz, Bildung, Sicherheits- und Verteidigungsforschung) heraus.
Deutlich wurde dabei, dass die niedersächsisch-schottische Wissenschaftskooperation bereits weit über individuelle Forschungsförderungen hinausgeht, indem sie gezielt Forscher:innen, Hochschulen und Institutionen beider Regionen verbindet und so neue (Wissens-)Räume für gemeinsame Forschung, Nachwuchsförderung und Innovation etabliert. Die Vielzahl bestehender und neu entstehender Kooperationen zeigt: Die Partnerschaft hat sich zu einem lebendigen Wissenschaftsnetzwerk entwickelt und bietet weiterhin großes Potenzial für die kommenden Jahre.
Kontakt - ECAS
- Judith Crämer











