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Zwischen Aufbruch und Unbehagen: Niedersachsen sehen künstliche Intelligenz als Chance – und wollen eine klimaneutrale Wirtschaft

30.05.2026 Künstliche Intelligenz ist im Alltag der Menschen in Niedersachsen angekommen, aber in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Das zeigt eine aktuelle Studie auf Basis des Niedersachsenpanels, an der 4.388 Menschen teilgenommen haben. Insgesamt geben 43,6 Prozent der Befragten an, KI regelmäßig für alltägliche Aufgaben zu nutzen. Unter den 18- bis 34-Jährigen liegt dieser Anteil bei 61,2 Prozent, bei den über 54-Jährigen dagegen nur bei 31,5 Prozent.

Sowohl mit Blick auf die gesellschaftlichen Effekte als auch die Leistungsfähigkeit von künstlicher Intelligenz zeigen sich die Niedersächsinnen und Niedersachsen als optimistische Menschen. 67,5 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass ein Großteil der Gesellschaft von einer Zukunft voller KI profitieren wird. Ein ähnlich hoher Anteil ist der Meinung, dass KI die meisten Routineaufgaben inzwischen besser erledigen kann als Menschen. Diese Einschätzungen sind über die Altersgruppen hinweg bemerkenswert stabil; ältere Befragte bewerten die Leistungsfähigkeit von KI sogar besonders positiv.

Frauen empfinden KI deutlich häufiger als unheimlich

Trotz dieser positiven Grundhaltung bleibt KI für viele mit Unbehagen verbunden. 42,6 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass sie künstliche Intelligenz unheimlich finden. Allerdings ist der Anteil derjenigen, die diese Einschätzung nicht teilen, fast genauso groß. Hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Frauen und Männern: 50,2 Prozent der Frauen empfinden KI als unheimlich, bei den Männern sind es nur 35,7 Prozent.

„Spätestens seit der starken Verbreitung von Sprachmodellen wie ChatGPT nimmt die öffentliche Diskussion über mögliche Arbeitsplatzverluste durch KI Fahrt auf“, sagt Dr. Janina Kraus, Hauptautorin der Studie. „Im Niedersachsenpanel zeigt sich hingegen auch hier ein eher optimistisches Bild. Lediglich 17,8 Prozent der Befragten machen sich Sorgen, ihren Job durch KI zu verlieren. Diese Sorge ist bei Frauen etwas stärker ausgeprägt als bei Männern und bei Personen ohne Hochschulabschluss etwas häufiger als bei Personen mit Hochschulabschluss.“

Klimawandel: Mehrheit erkennt ihn an – Skepsis ist ungleich verteilt

Auch beim Klimawandel zeigt sich ein differenziertes Bild. Eine klare Mehrheit der Befragten geht davon aus, dass sich das Weltklima ändert. 14,8 Prozent bestreiten hingegen die Existenz des Klimawandels. Diese Skepsis ist jedoch nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Frauen (18,6 Prozent) äußern häufiger Zweifel an der Existenz des Klimawandels als Männer (11,2 Prozent). Besonders deutlich ist der Unterschied nach Bildung und politischer Einstellung. Unter Personen ohne Hochschulabschluss liegt der Anteil derjenigen, die nicht an eine Veränderung des Weltklimas glauben, bei 19,5 Prozent; unter Personen mit akademischer Bildung bei 9,4 Prozent. Ähnliche Abweichungen finden sich zwischen den politisch eher links (9,5 Prozent) und eher rechts orientierten Befragten (19,8 Prozent).

Zustimmung zu klimaneutraler Wirtschaft, Informationslücken beim CO₂-Preis

Trotz unterschiedlicher Einschätzungen zur Existenz, Ursache und individuellen Beeinflussbarkeit des Klimawandels gibt es breite Zustimmung zu zentralen Zielen ökologischer Transformation. 83,4 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Zukunft der Wirtschaft klimaneutral sein muss. Während die überwältigende Mehrheit der Befragten der Meinung ist, dass Verbrauch reduziert sowie Güter stärker recycelt und wiederverwendet werden sollten, wäre nur ein Drittel damit einverstanden, wenn dies auf Kosten der ökonomischen Entwicklung ginge. 

Als konkretes klimapolitisches Instrument wurde 2021 in Deutschland die CO2-Bepreisung eingeführt. 65,0 Prozent der Befragten fühlen sich überhaupt nicht oder eher schlecht über den CO2-Preis informiert. Zwar erkennt die Mehrheit der Befragten korrekt, dass Klimaschutz ein Ziel des CO₂-Preises ist und dieser Aktivitäten mit CO₂-Ausstoß verteuert. Dass der CO₂-Preis bedeutet, dass man für selbst verursachtes CO₂ bezahlt, geben jedoch nur 41,5 Prozent korrekt an. 

„Die Daten zeigen: Klimapolitische Ziele finden in Niedersachsen breite Unterstützung. Aber bei konkreten Instrumenten wie dem CO₂-Preis bestehen erhebliche Wissenslücken“, sagt Prof. Dr. Mario Mechtel von der Leuphana Universität, der das Niedersachsenpanel leitet. „Das ist politisch relevant. Akzeptanz hängt nicht nur davon ab, ob Menschen ein Ziel teilen, sondern auch davon, ob sie verstehen, wie eine Maßnahme funktioniert und warum sie eingesetzt wird.“

Das Niedersachsenpanel macht Veränderungen über die Zeit messbar 

Das Niedersachsenpanel soll Einstellungen, Präferenzen und Verhalten der niedersächsischen Bevölkerung über die Zeit hinweg wissenschaftlich erfassen. „Niedersachsen ist als großes und vielfältiges Flächenland ein besonders spannendes Reallabor“, sagt Dr. Janina Kraus. „Das Panel ermöglicht es, Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen, Regionen und Lebenssituationen sichtbar zu machen – und diese Entwicklungen langfristig zu beobachten.“ Prof. Dr. Mechtel ergänzt: „Die bisherigen Ergebnisse zeigen, wie wichtig der Blick auf Unterschiede innerhalb der Bevölkerung ist. Es gibt nicht einfach ‚die‘ Haltung der Menschen in Niedersachsen. Vielmehr sehen wir klare Unterschiede nach Alter, Geschlecht, Bildung und politischer Orientierung. Für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist genau das entscheidend, wenn Maßnahmen verständlich und wirksam sein sollen.“

Die Detailergebnisse der Studie sind unter http://niedersachsenpanel.de/wp-content/uploads/2026/05/Niedersachsenpanel_Eingangsbefragung.pdf abrufbar.

Über das Niedersachsenpanel

Das Niedersachsenpanel ist ein langfristig angelegtes, interdisziplinäres Forschungsinstrument zur Erhebung von Daten zu Einstellungen und Verhalten in Niedersachsen. Es wird vom Wissenschaftsraum „Verhaltensökonomik und gesellschaftliche Transformation“ organisiert. Beteiligt sind sieben niedersächsische Universitäten sowie das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik. Die Leuphana Universität Lüneburg leitet das Niedersachsenpanel operativ. Der Wissenschaftsraum wird durch zukunft.niedersachsen gefördert, eine gemeinsame Initiative des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur und der VolkswagenStiftung.

Kontakt für Redaktionen

Dr. Janina Kraus

Leuphana Universität Lüneburg

Projektkoordination Niedersachsenpanel

E-Mail: janina.kraus@niedersachsenpanel.de

Telefon: 04131-677-2938

Web: www.niedersachsenpanel.de